FC IngolstadtPläne für mehr Farbe

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Rollenwechsel: Christian Träsch will nach seiner aktiven Karriere seinen Heimatverein FC Ingolstadt als Präsident wieder attraktiver machen.
Rollenwechsel: Christian Träsch will nach seiner aktiven Karriere seinen Heimatverein FC Ingolstadt als Präsident wieder attraktiver machen. (Foto: Martin Hoffmann/Imago)

Christian Träsch bewirbt sich um den Vorsitz beim FC Ingolstadt. Der 37-jährige frühere Profifußballer will den einstigen Bundesligisten verändern, auch weil er sich fragt: Wofür steht der Klub eigentlich?

Von Sebastian Leisgang

Manchmal, erzählt Christian Träsch, komme das vor: Er trifft einen Jungen bei sich in der Siedlung und fragt ihn, warum er eigentlich ein Trikot des FC Ingolstadt trage. Doch die Antwort, die er, Träsch, bekomme, sei keine, die er einfach so stehen lassen will. „Ist halt ein Verein in Ingolstadt“ – das höre er dann, sagt Träsch.

Dabei, findet er, müsste er doch eigentlich leuchtende Augen sehen. Ingolstadt ist eine sportbegeisterte Stadt, Eishockey ist eine große Nummer, und auch die Fußballer waren vor nicht allzu langer Zeit zweitklassig. Aber wenn Träsch jetzt mit Kindern ins Gespräch kommt, stimmt ihn das oft nachdenklich. Da ist kein Schwärmen, kein Leuchten, nichts. Und ließe es sich nicht an Kinderaugen am besten ablesen, wenn beim FC Ingolstadt alles gut wäre?

Als Träsch, 37, über die Umsturzpläne spricht, mit denen er kürzlich an die Öffentlichkeit gegangen ist, kommt er gerade vom Physiotherapeuten. Er hat seine Karriere zwar längst beendet – weil er es aber einfach nicht lassen kann, spielt er noch beim FC Gerolfing in der Bezirksliga. Vor zwei Wochen verletzte er sich im Training, doch jetzt gibt er Entwarnung. Wird schon wieder. Zumindest das Knie. Aber der FC Ingolstadt? Wird es da auch wieder?

Da müsse sich was ändern, betont Träsch: „Ich bin Ingolstädter. Ich bin hier geboren, ich habe den Verein immer verfolgt. Der FCI gehört zur Stadt, wie ich selbst zur Stadt gehöre. Aber wir haben das Gefühl, dass die Entwicklung des Vereins stagniert. Deswegen ist jetzt Zeit für etwas Neues.“ Und das Neue, das ist er: Christian Träsch, ehemaliger Spieler des TSV 1860 München, VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg und, klar, des FC Ingolstadt.

Es ist aber nicht nur er. Träsch hat ein Team aufgestellt, mit dem er Peter Jackwerth, den Gründungsvater des FCI, bei den Wahlen im November herausfordern wird. Er hat sich mit Stefan König, Nico Matheis, Michael Gaßner und Franz Spitzauer zusammengetan, Fachleuten aus der Justiz sowie der Medien- und Finanzwelt. Mit ihnen will Träsch an die Spitze des Vereins und eine neue Zeitrechnung einläuten.

Über Präsident Jackwerth ist Träsch voll des Lobes, trotzdem will er ihn mit einer neuen Mannschaft beerben

Es sind also große Pläne, doch Träsch formuliert keine markigen Sätze, er argumentiert bloß. Er erklärt. Er biegt bei seinen Ausführungen auch ein paar Mal ab und nennt Vereine, an denen sich Ingolstadt ein Beispiel nehmen könnte. Freiburg etwa. Oder Heidenheim. Aber Träsch träumt nicht. Er verliert kein einziges Wort über die Bundesliga. Für ihn ist der FCI ein Zweitligist – und davon, könnte man nun anmerken, ist der Klub gar nicht so weit entfernt. Auch wenn es zuletzt zwei Niederlagen setzte, die den guten Saisonstart in der dritten Liga in ein anderes Licht rückten. Doch Träsch geht es nicht bloß um Ergebnisse. Er fragt sich eher: Wofür steht der FC Ingolstadt überhaupt? Und warum ist nicht zu spüren, ob der Verein den Menschen in der Stadt etwas bedeutet?

Wenn Träsch in die Analyse geht, findet er die ersten Fehler schon zu jener Zeit, als Ingolstadt noch in der Bundesliga spielte. Zwischen 2015 und 2017 war der Klub erstklassig, verließ nach Träschs Dafürhalten aber seinen Weg und war nach dem Abstieg zu sehr auf die schnelle Rückkehr aus. Spieler kamen und gingen, Trainer auch, und bei alledem blieb auf der Strecke, was den FCI eigentlich ausmachen soll. Wie er sich selbst definiert und wie er die Leute für sich gewinnen will.

Spricht man Träsch jetzt auf Jackwerth an, ist er voll des Lobes: „Ohne ihn würde es den Verein so nicht geben, er hat den FC Ingolstadt gegründet und ihn in die erste Liga geführt. Da muss man sagen: Chapeau!“ Jetzt aber, nach zwei Jahrzehnten unter Jackwerths Führung, brauche es etwas anderes, findet Träsch. Etwas, das für Aufbruch steht. Für mehr Farbe in einer Zeit, in der der Klub eher grau daherkommt.

Am Ende des Gesprächs – Träsch hat lange über den alten FCI gesprochen und über den, wie er ihn sich vorstellt – redet er noch über seine eigene Spielerzeit in Ingolstadt. Er sei damals mit dem Verein abgestiegen und habe sich einen Kreuzbandriss zugezogen. Es waren schwere Zeiten, knüppelharte, um genau zu sein. Aber trotzdem ist etwas hängengeblieben: „Meine Großeltern und die Großeltern meiner Frau sind damals immer ins Stadion gekommen. Das war sehr viel wert.“

Seine Großeltern sind mittlerweile zwar von ihm gegangen, und auf dem Feld kann er auch nicht mehr helfen, aber sich bloß beklagen, das will Christian Träsch auch nicht. Er will etwas verändern, deshalb tritt er im November an. Und dann, wenn sein Plan aufgeht, kann er selbst für dieses Leuchten sorgen, das er in den Kinderaugen vermisst.

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