CHIO in Aachen:Endlich auf der großen Tafel

CHIO Aachen

Galopp, Satz und Sieg: Daniel Deußer und Killer Queen.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Daniel Deußer gewinnt zum Abschluss der Springreit-Wettbewerbe beim CHIO erstmals den Großen Preis. Als Startreiter zeigt er dabei kaum Nerven und wählt die richtige Taktik - kurze Wege.

Von Gabriele Pochhammer

Daniel Deußer, 40, auf Killer Queen hat den Großen Preis von Aachen gewonnen, damit die Siegerprämie von 330 000 Euro gewonnen und die Chance, beim nächsten Grand Slam-Turnier in Genf die Sonderprämie von weiteren 500 000 Euro draufzupacken. Deußer war der einzige Deutsche unter den sieben Reitern, die das Stechen nach zwei Umläufen erreicht hatten. Er hatte eine schwierige Startposition, nämlich die Nummer eins. "Da weiß man nicht, was man machen soll," sagte er, "man weiß, dass noch schnelle Paare kommen, man will keinen Fehler machen und zu viel riskieren."

Eher ruhig sah der Ritt aus, aber Deußer steuerte seine elfjährige Stute geschickt auf kurzen Wegen über den Kurs. 41,85 Sekunden standen am Ende für den abwurffreien Ritt zu Buche, die Zeit wurde zwar vom Olympiasieger Ben Maher aus Großbritannien auf Explosion unterboten, aber der Fuchs nahm eine Stange mit, das war am Ende Platz vier. "Mein Pferd ist die ganze Woche phantastisch gesprungen", sagte Deußer. Hatte er in Tokio mit einer Verweigerung im Einzelspringen noch eine enttäuschende Niederlage hinnehmen müssen, so flog Killer Queen in Aachen über alles, was man ihr vorsetzte, blieb als einziges deutschen Pferd im Nationenpreis ohne Abwurf.

Sein Pferd sei "steif wie ein Tisch", sagt der Vielseitigkeitssieger - aber ein schneller Tisch

Überraschender Zweiter wurde das US-amerikanische "Wunderkind", der 20-jährige Brian Moggre auf Balou du Reventon, der bereits im Nationenpreis mit zwei Nullrunden geglänzt hatte und sich auch gestern keinen Abwurf zuschulden kommen ließ. Aber seine Zeit (0/42,16) reichte nicht ganz an die von Deußer heran. Immerhin nimmt er einen Scheck von 200.000 Euro mit nach Hause. Dritter wurde der Belgier Gregory Wathelet auf Nevados (0/42,83).

Deußers Name wird nun auf der großen Tafel neben dem Einritt in der Aachener Soers verewigt, wer da steht, der hat es geschafft im Springsport. Dort sind alle Sieger in dieser klassischen Prüfung seit 1949 eingraviert.

Der Schweizer Steve Guerdat musste die Träume von der Zusatzprämie in zweiten Umlauf an einem Steilsprung begraben. Erst eine Woche zuvor hatte er mit einem zwölfjährigen Wallach Venard de Cerisy die Grand Slam-Prüfung in Calgary gewonnen. Innerhalb einer Woche zwei der schwersten Springen der Welt, das ist sehr viel verlangt von einem Pferd.

Wie so vieles in Pandemie-Zeiten war es ein etwas anderes CHIO als sonst. 121.000 Zuschauer meldete Turnierchef Frank Kempermann, das klingt zwar beachtlich, aber die Tribünen blieben mehr als halbleer, nicht alle Tickets wurden den Veranstaltern aus der Hand gerissen. Das mag daran gelegen haben, dass überall Mund-Nasenschutz getragen werden musste und die Ordner jeden Maskenmuffel konsequent verfolgten. Die Karten wurden nur im Zweierpack verkauft, das heißt, wer nur ein Ticket für sich wollte, kam nicht rein oder musste doppelt zahlen. Nach den Olympischen Spielen und den Springeuropameisterschaften in Riesenbeck und ihrem Pendant in Hagen, brachten nur wenige Reiter ihre Top-Pferde mit.

Das gilt auch für die Vielseitigkeit. Olympiasiegerin Julia Krajewsi kam nur, um sich bei einem Schauwettbewerb zu zeigen, auch ihre Tokio-Stute Armande de B'Neville hat Pause. Die zweite Garnitur Buschreiter versucht ihr Glück nächste Woche bei der EM in Avenches (Schweiz). Ingrid Klimke hatte ihren Star Hale Bob mitgebracht, sie versäumte Olympia wegen einer schweren Verletzung, nach der sie in Aachen jetzt mit Zweitpferd Siena zum ersten Mal wieder startete. Der 17-jährige Hale Bob durfte ein bisschen auf den grünen Wiesen der Soers galoppieren, bis er in die Schweiz reist. Was dann noch für Aachen übrig blieb, reichte nicht, um den souveränen Briten, die vor den US-Reitern den Sieg einfuhren, das Wasser zu reichen. Platz fünf von sechs Mannschaften war die magere Ausbeute der Gastgeber, und die rote Laterne, der letzte Platz blieb den Deutschen nur erspart, weil der letzte Franzose ins Wasser fiel. Der Sieg ging an den jungen US-Amerikaner William Coleman, der von seinem Pferd Off the Record behauptete, es sei steif wie ein Tisch auf vier Beinen. Aber ein schneller Tisch. "Ich liebe ihn", sagte er. Wo halt die Liebe hinfällt.

© SZ/sjo
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