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Chilenische Nationalelf:"Der Durst ist intakt"

"Ich habe alle enttäuscht!", stellte Arturo Vidal auf einer tränenreichen Pressekonferenz fest. Trotz seiner Alkoholfahrt bleibt Vidal im Kader.

(Foto: Claudio Reyes/AFP)

Nach der Begnadigung von Unfallverursacher Arturo Vidal will Chile nun die Copa América gewinnen.

Nach der atemberaubenden Ferrari-Suff-Fahrt von Nationalspieler Arturo Vidal dauert der Kater in Chile weiter an. "Ich bin froh, dass ihm und seiner Ehefrau nichts passiert ist", sagte Staatspräsidentin Michelle Bachelet, besser bekannt als "la Jefa", zu Deutsch: " die Chefin". Der Profi von Juventus Turin war in der Nacht zum Mittwoch mit seinem gerade ausgelieferten Ferrari auf der Autobahn mit stark überhöhter Geschwindigkeit in einen Chevrolet gerast - und fuhr das laut Rechnung (incl. Mehrwertsteuer) 184 000 US-Dollar teure Auto zu Schrott. Unmittelbar nach der Fahrt hatte Vidal noch in einem Video für die Fans ("Hola! Ich hatte einen Verkehrsunfall!") jede Schuld am Unfall abgestritten und die Polizisten mit einer beachtlichen Zahl aus dem Kompendium der chilenischen Schimpfwörter belegt. Unter anderem nannte er sie "gekaufte, #*schg&..c§*e Bullen".

Nach einer vorläufigen Einigung mit dem Opfer ist Vidal strafrechtlich aus dem Gröbsten wohl raus; er durfte auch wieder mittrainieren, musste aber die Übungen wegen muskulärer Beschwerden abbrechen. Allmählich sickert durch, dass die Solidarität aus dem Mannschaftskreis entscheidend dafür war, dass Vidal im Kader bleiben durfte. "Wenn Du ihn rausschmeißt, holen wir die Ruder ein", sagten Jean Beausejour (Colo Colo), Gonzalo Jara (Mainz 05) und Jorge Valdivia (Palmeiras) laut El Mercurio zu Nationalcoach Jorge Sampaoli. Nach Vidals Rückkehr sollen sich im Trainingszentrum der Nationalelf ergreifende Szenen abgespielt haben. Vidal soll im Kreis der Mannschaft kaum ein Wort herausgebracht, sondern nur Rotz und Wasser geheult haben - was sich mit einem Monolog vor der Presse decken würde, der in den chilenischen Fernsehsendern nun in Dauerschleife läuft und sogar die Tarot-Werbungen im Morgengrauen abgelöst zu haben scheint.

"Ich habe das Leben meiner Frau aufs Spiel gesetzt, ich habe die Leben vieler Leute riskiert", sagte Vidal mit stockender Stimme, "ich habe alle enttäuscht: meine Familie, meine Freunde, meine Mannschaft, mein Land." Er wisse, was es bedeute, neuerlich eine Chance zu bekommen, und er wolle sie nutzen, um es Chile auf dem grünen Rasen zu vergelten und die Copa América zu gewinnen. Es wäre die erste fürs dieses lange Land in der fast hundertjährigen Geschichte des ältesten Nationenwettbewerbs der Welt. Die populäre Zeitung La Cuarta quittierte die Botschaft zufrieden: "Der Durst ist intakt."