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Chile bei der Fußball-WM:Mit Bleifuß durchs Turnier

Die Chilenen Eugenio Mena, Francisco Silva and Gary Medel greifen an - Spaniens Fernando Torres liegt auf dem Boden.

(Foto: AP)

Chile trifft im dritten Gruppenspiel auf Holland. Da der Achtelfinalgegner erst später ermittelt wird, ist ein taktisches Spiel der Südamerikaner unwahrscheinlich. Ihr dynamischer Stil hat Erfolg gebracht - und weckt das Interesse der Vereine.

Sich schonen? Die Chilenen? Bei der Fußball-Weltmeisterschaft? "Können wir gar nicht", beteuert Sebastian Beccacace, als Assistent von Chiles Nationaltrainer Jorge Sampaoli so etwas wie der Hansi Flick der Andenkordillere, wenn man ihn fragt, ob es nicht an der Zeit wäre, die Seele wenigstens für ein paar Momente baumeln zu lassen.

Die Qualifikation fürs Achtelfinale ist ja nach zwei Siegen gegen Australien und den Titelverteidiger Spanien vorschnell erreicht worden; ob man nun in der Runde der letzten 16 auf Brasilien oder ein anderes Team der Gruppe A trifft (Kroatien? Mexiko?), können sich Chilenen (und Niederländer) nur bedingt aussuchen. Der letzte Spieltag der Gruppe A (Brasilien gegen die ausgeschiedenen Kameruner, Mexiko gegen Kroatien) findet Stunden nach dem Gruppenfinale zwischen Niederländern und Chilenen in São Paulo statt.

Holland kritisiert Spielplan

"Alles ist so geregelt worden, dass Brasilien sich aussuchen darf, ob sie gegen Holland oder Chile spielen wollen", brachte es das Algemeen Dagblad in den Niederlanden auf den Punkt. So gesehen ist es aus chilenischer Sicht wohl tatsächlich ratsam, den Gedanken zu verwerfen, ob es nicht vielleicht doch ratsamer wäre, Gruppenzweiter zu werden, und stattdessen die bisherige Dynamik zu pflegen. Sie lautet: mit Bleifuß, Blinksignal und Standlicht auf der linken Fahrspur durchs Turnier. Immer schön an der Leitplanke entlang.

Bislang haben die Chilenen diese von Sampaoli vorgeschlagene Form der Fortbewegung mit derart viel Elan mitgetragen, dass man meinen konnte, die gesamte Expedition habe jede Form der Reflexion für die Dauer der WM hintangestellt. So gesehen war es fast schon Aufsehen erregend, dass Mittelfeldspieler Charles Aránguiz von Internacional Porto Alegre so etwas wie einen eigenen Willen formulierte. Aránguiz war beim Sieg gegen Spanien nicht nur als Schütze zum 2:0 erfolgreich, er holte sich eine - inzwischen überstandene - Knieblessur sowie eine gelbe Karte ab, bei einer weiteren Verwarnung droht eine Sperre fürs dritte Achtelfinale der Chilenen seit 1998. "Ich würde mich schon gerne schonen", gestand nun also Aránguiz vor der Abreise aus Belo Horizonte nach São Paulo. "Aber wenn der Trainer auf mich zählen möchte, werde ich an die gelbe Karte keinen Gedanken verschwenden."