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Chemnitzer FC:Solidarität für Nummer 11

Chemnitzer FC v Hamburger SV - DFB Cup

Die Nummer 11 war Frahns Rückennummer. Zum DFB-Pokalspiel hielten Tausende Fans entsprechende Schilder hoch.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Beim DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV solidarisieren sich Fans des Chemnitzer FC mit dem geschassten Kapitän Daniel Frahn.
  • Frahn hatte sich am Rande eines Spiels mit Anhängern rechtsextremer Hooligangruppen gezeigt.
  • Seit Monaten wird der Drittligist zwischen Machtkämpfen und Skandalen aufgerieben.

Eigentlich sollte es am Sonntagabend im Stadion des Chemnitzer FC mal wieder nur um Fußball gehen. Cheftrainer David Bergner hatte vor dem DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV an die eigenen Fans appelliert: "Andere dürfen diese Spiele mit der Fernbedienung verfolgen, wir dürfen live ein Teil davon sein. Wir brauchen keine Unmutsbekundungen." Doch dann schallen kurz vor Anpfiff laute Rufe durch das ausverkaufte Stadion: "Daniel Frahn, Fußballgott." In der Südkurve halten Tausende Hände Schilder und Trikots in die Höhe, die Frahns Rückennummer tragen. Die Nummer 11.

Anfang August hatte sich der CFC mit sofortiger Wirkung von dem Mannschaftskapitän wegen seiner Nähe zu rechtsextremen Hooligans getrennt. Die Solidarisierung vieler Fans mit dem Mittelstürmer machte die Partie gegen den HSV zur Belastungsprobe. Nicht nur für die Mannschaft des Chemnitzer FC, die dem HSV nach einem langen Kampf im Elfmeterschießen unterlag. Sondern auch für das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen Vereinsführung und Fans. Seit Monaten wird der Drittligist zwischen Machtkämpfen und Skandalen aufgerieben. Mittendrin: Daniel Frahn.

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Der Vertrag des Kapitäns wird aufgelöst, weil er sich als großer Sympathisant einer rechtsradikalen Gruppierung herausgestellt haben soll.

Frahn zeigte sich mit "Kaotic Chemnitz" und den "NS-Boys"

Als der Verein im Frühjahr des rechtsextremen Hooligans Andreas Haller mit einer offiziellen Schweigeminute gedachte, hielt der Mittelstürmer ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local Hools" in die Höhe. Ein bei rechtsextremen Hooligans beliebtes Motiv. Der Verein verhängte gegen Frahn eine Geldstrafe, der Nordostdeutsche Fußballverband erteilte eine vorläufige Spielsperre.

Frahn entschuldigte sich im Nachgang bei seinen Fans. "Ich bin kein Sympathisant eines Neo-Nazis! Auch teile ich diese politische Einstellung nicht und trage auch keine rechten Gedanken in mir", schrieb der Spieler auf seiner Facebookseite. Er stehe für Respekt, Offenheit, Meinungsfreiheit und Toleranz.

Deutliche Worte, an deren Glaubwürdigkeit jetzt berechtigte Zweifel bestehen. Anfang August zeigte sich Frahn am Rande eines Spiels gegen den Halleschen FC mit Anhängern der rechtsextremen Hooligangruppe "Kaotic Chemnitz" und der verbotenen Gruppierung "NS-Boys". Kaotic wird vorgeworfen, maßgeblich im Herbst 2018 an rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz beteiligt zu sein, die deutschlandweit Schlagzeilen machten.

Frahn torpedierte damit die Bemühungen des Vereins, sich klar gegen Rechtsextremismus zu positionieren. Beim ersten Heimspiel nach den Vorfällen im März hatte sich die Mannschaft hinter einem Banner mit der Aufschrift "Gemeinsam für demokratische Grundwerte und Fairplay" versammelt. An die Fans wurden T-Shirts mit dem Slogan "Toleranz - Weltoffenheit - Fairness" verteilt. Der CFC stellte einen neuen Fanbeauftragten und einen Anti-Rassismus-Beauftragten ein. Langfristig sind zahlreiche Projekte angedacht, über die sich beide derzeit nicht offiziell äußern wollen, weil die Zukunft ihrer Arbeit und des gesamten Vereins im Moment unklar ist.

Seit Sommer 2018 gilt der CFC als insolvent und wird von einem Notvorstand verwaltet. Zwischendurch stand gar die Liquidierung im Raum, weil dem Insolvenzverwalter zufolge nicht genügend Mittel zur Verfügung standen, um die Kosten zu decken. Immerhin d ie Finanzierung des Nachwuchszentrums ist derzeit gesichert. Am 19. August wird es eine Mitgliederversammlung und vielleicht mehr Klarheit geben.

Positionierung gegen Gesellschafter

Der Profiverein des CFC wurde Anfang des Jahres in eine GmbH ausgelagert. Es sind Gesellschafter, die derzeit Entscheidungen treffen. Zwar in Absprache mit dem Verein. Aber letztendlich waren sie es, die den Rauswurf Frahns verkündeten, seine frühere Reue in einer offiziellen Erklärung als "Farce" bezeichneten und klarmachten: "Daniel Frahn, für Sie ist beim Chemnitzer FC kein Platz mehr."

Die Solidarisierung der Fans mit Daniel Frahn ist auch eine Positionierung gegen die Gesellschafter, gegen eine angebliche Fremdbestimmung. Beim Spiel gegen den HSV hängten Fans Schilder auf, auf denen sie sich klar hinter Notvorstand und Verein stellten. Sportdirektor und CFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik griffen sie jedoch an. "Sobotzik raus", stand auf einem Schild. Entsprechende Rufe schallten auch durch das Stadion. Der Ex-Profi hatte den Rauswurf Frahns in Interviews als "absolut richtig" und "alternativlos" bezeichnet. Frahn sei im Gespräch uneinsichtig gewesen. Sobotzik berichtete von Drohungen, die er seit dem Rauswurf Frahns von Fans per Whatsapp erhalten habe. Aber auch von großem Zuspruch von Vereinen aus ganz Deutschland.

Der kommt am Sonntagabend auch von HSV-Trainer Dieter Hecking. Nach dem Spiel sagt er nur wenige Sätze zum Sieg seiner eigenen Mannschaft, lobt in der Pressekonferenz das Spiel der Chemnitzer. Auch angesichts der aktuellen Umstände. "Es war nicht einfach für den Verein. Ich wünsche dem Kollegen, dass er jetzt die Ruhe bekommt, um sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren", sagt Hecking. Als der Kollege, CFC-Trainer David Bergner, dran ist, versucht er sich mal wieder an einem Appell: Die Mannschaft wolle einfach Fußball spielen. "Wir sollten aufhören, uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen."

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