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Chelsea-Stürmer Fernando Torres:Teuer und torlos

Er hat viel Geld gekostet, er will Titel holen - doch er trifft nicht. Fernando Torres leidet seit seinem Wechsel zum FC Chelsea unter Ladehemmung. Dennoch wird er im Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester spielen.

Doch, doch, Fernando Torres mache schon seine Tore, versicherte Petr Cech, "er trifft im Training, von Zeit zu Zeit, wie alle anderen". Diese Einlassung von Chelseas Torwart war aufmunternd gemeint, sie half dem Mannschaftskollegen aber nicht wirklich weiter. "Exklusiv: Wir haben tatsächlich jemanden gefunden, der ein Tor von Torres gesehen hat!", schrieb das Boulevardblatt Sun.

Triste Tage für Fernando Torres: Seit seinem Wechsel zum FC Chelsea läuft der Stürmer seiner Form hinterher.

(Foto: AFP)

Seit seinem Wechsel Ende Januar - für 59 Millionen Euro Ablöse vom FC Liverpool zum FC Chelsea - hat der spanische Mittelstürmer Torres in neun Spielen für die Blues nichts Zählbares produzieren können. Obwohl Trainer Carlo Ancelotti die mannschaftsdienliche Spielweise des Neuen lobte, blieb Torres so rätselhaft anonym, dass er die Beobachter bereits an das nicht minder rätselhafte Schicksal von Andreij Schewtschenko erinnert. Der Ukrainer war im Sommer 2006 als Lieblingsspieler von Klubbesitzer Roman Abramowitsch für 45 Millionen Euro verpflichtet worden, fand aber in drei Jahren weder sich noch seine Form.

"Ich bin sicher, dass die besten Jahre in der Premier League noch vor mir liegen", sagte Torres neulich. Solche Parolen hört man sonst von Profis jenseits der 30. Torres ist vor zwei Wochen 27 Jahre alt geworden. Nach eigenem Empfinden läuft ihm aber die Zeit weg, das zeigten schon die Umstände seines Transfers: "Liverpool hat mehr Geschichte, Chelsea mehr Möglichkeiten", sagte er. Er wollte nicht warten, bis die neuen US-Eigentümer den Traditionsklub wieder konkurrenzfähig machten, er wollte sofort zurück in die Champions League.

"Nando", wie sie ihn in England rufen, wollte vor allem nicht länger der erfolgloseste Welt- und Europameister der Geschichte sein - Torres hat noch nie einen Vereinstitel gewonnen. Mit ungewöhnlicher Offenheit erläuterte der bei Atletico Madrid schon als Teenager zum Idol gewordene Angreifer, warum seine Wahl im Winter auf West-London fiel: "Manchester United kam aus Respekt für die Liverpool-Fans nicht in Frage, zu Real Madrid konnte ich nicht gehen, Barcelona wollte mich nicht. Da blieb Chelsea übrig."

Die Chelsea-Anhänger haben Geduld mit Torres. Vielleicht, weil sie wissen, dass seine Sinnkrise schon länger währt. In der Nationalelf hat Torres seit 2008 genau ein Pflichtspieltor erzielt: in der EM-Qualifikation, gegen Liechtenstein. Alles wird verziehen, sollte er am Mittwochabend gegen Manchester United treffen. Ancelotti wird ihn schon aus diplomatischen Gründen aufstellen, denn Torres ist der Spieler, der in den Augen von Abramowitsch die Sehnsucht nach dem Triumph in Europa erfüllen kann.

Für Ancelotti hat die Verstärkung zunächst neue Probleme geschaffen. Torres hat die Statik im Sturm der Blauen verändert, wo die Stammkräfte Nicolas Anelka und Didier Drogba sich mit einer Rotations-Politik arrangieren müssen. "Am Anfang war das sehr schwer", sagte Drogba zu; Ancelotti musste öffentlich dementieren, dass Drogba sich um seine Zukunft sorge und deswegen den neuen Mitspieler öfter übersähe. "Wenn es geht, bekommt Torres die Bälle", sagte der Italiener, "ich habe mit Didier geredet. Er ist intelligent und versteht, dass Torres hier ist, um das Team zu verbessern."

Das ist allerdings nur bedingt gelungen. Zu ähnlich sind die Laufwege; beide Spieler leben vom schnellen, diagonalen Pass aus dem Mittelfeld. Ein Formationswechsel mit Anelka als Spielmacher hinter dem Duo brachte alle drei aus dem Tritt. Seit der Ankunft von Torres gelang dem gesamten Chelsea-Sturm überhaupt erst ein Tor, durch Drogba - Torres saß da auf der Bank.

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