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FC Chelsea:Albtraum-Start für die Vereinslegende

UEFA Super Cup - Liverpool v Chelsea

Start verpatzt: Frank Lampard (links) beim FC Chelsea.

(Foto: Action Images via Reuters)
  • Frank Lampard hat seine ersten beiden Spiele als neuer Chelsea-Trainer verloren.
  • Kritiker wie José Mourinho melden sich bereits.
  • Am Sonntag tritt Chelsea nun zu Hause gegen Leicester City (17.30 Uhr) an.

Die Liste der Fußballtrainer des Chelsea FC in den letzten 15 Jahren umfasst einige klangvolle Namen, Fußballlehrer mit reichlich Erfahrung und Erfolgen. Claudio Ranieri ist darunter, Carlo Ancelotti ebenfalls und José Mourinho sogar zweimal. Insgesamt 13 Namen stehen darauf. Doch trotz ihrer großen Namen blieben nur die wenigsten von ihnen länger als zwei Spielzeiten im Amt, manche auch wesentlich kürzer. Hauptgrund dafür war meist die Ungeduld von Roman Abramowitsch: Der russisch-israelische Oligarch, der 2003 den FC Chelsea kaufte, ist bekannt dafür, Übungsleiter schnell zu feuern, sobald der gewünschte Erfolg ausbleibt. Das könnte sich nun ändern, denn seit Beginn der neuen Saison wird der Klub trainiert von der Vereinslegende Frank Lampard.

Der 41-jährige mag zwar einen ebenfalls klangvollen Namen haben, besitzt allerdings wesentlich weniger Trainererfahrung als die meisten seiner Vorgänger. Bislang kann Lampard, 642 Mal als Spieler bei Chelsea aktiv, nur auf eine Saison bei Derby County in der zweiten englischen Liga zurückblicken, dafür aber eine äußerst erfolgreiche. Erst im Finale um den dritten Aufstiegsplatz gegen Aston Villa scheiterte er mit dem Zweitligisten. In der umkämpften und nicht immer spielerisch hochklassigen Premiership machte sich der 106-malige Nationalspieler allerdings einen Namen: Sein Team spielte taktisch guten Fußball, kein Kick-and-Rush.

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Wohl auch deshalb entschieden sich die Verantwortlichen des FC Chelsea vor der neuen Saison, Lampard zum Nachfolger vom an der Stamford Bridge umstrittenen Maurizio Sarri zu machen. Der kauzige Italiener musste seinen Stuhl nach nur einer Saison räumen, obwohl er die Europa League gewonnen hatte. Lampard soll nun wesentlich länger bleiben - zu den Vorwürfen, er sei für die Premier League noch zu unerfahren, sagte er nur: "Ich habe keine Angst davor".

Der Saisonstart ist gründlich misslungen

Dabei stellt das Traineramt beim FC Chelsea in dieser Saison eine große Herausforderung dar. Vor der Saison verlor der Klub in Eden Hazard seinen wichtigsten Spieler der vergangenen Jahre an Real Madrid und da der Verein wegen mehrerer Verstöße gegen die Regularien zur Verpflichtung Minderjähriger mit einer Transfersperre bis zum Sommer 2020 belegt wurde, konnte das Team nicht mit neuen Stars verstärkt werden - lediglich Christian Pulisic (vom BVB) und Mateo Kovacic (von Real Madrid, war schon ausgeliehen) konnten unter Ausnutzung einiger Schlupflöcher der Strafe verpflichtet werden.

Deshalb muss Lampard auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zurückgreifen, die ebenfalls unerfahren auf der höchsten Bühne sind. Mittelfeldspieler Mason Mount und Stürmer Tammy Abraham haben sich schon für einen Stammplatz unter Lampard empfohlen, und auch der lange vom FC Bayern umworbene und derzeit verletzte Callum Hudson-Odoi sieht unter dem neuen Trainer wieder eine Perspektive in London - auch wenn er noch einige Zeit fehlen wird.

Der Saisonstart jedenfalls misslang gründlich: Zum Ligaauftakt unterlag der FC Chelsea Manchester United mit 0:4 und auch das Finale des Uefa-Supercups gegen den FC Liverpool verloren die Londoner, wenn auch in diesem Fall erst im Elfmeterschießen. Zwar zeigte Lampards Team in beiden Spielen eine spielerisch anspruchsvolle Leistung und bot schwungvollen Angriffsfußball, allerdings offenbarten die Blues auch einige Schwächen in der Defensive und konnten somit nichts Zählbares mitnehmen.

Frank Lampard steht also vor seinem ersten Heimspiel als Chelsea-Trainer am Sonntag gegen Leicester City schon unter einem gewissen Druck, denn der vom The Telegraph ausgerufene "Albtraum-Start" rief seine Kritiker erneut auf den Plan. Allen voran José Mourinho bemängelte nach dem 0:4 bei Manchester United bei Sky Sports die Aufstellung Lampards sowie die "fehlende Aggressivität" des FC Chelsea. Doch Lampard konterte: "Ich muss mir über das, was schlaue Experten oder wer auch immer sagt, keine zu großen Sorgen machen". Tatsächlich darf er bei den Fans der Blues auf einen großen Vertrauensvorschuss hoffen, immerhin besangen diese ihre Vereinsikone in Manchester auch noch beim Stand von 0:4. Und auch von Roman Abramowitsch soll es laut britischen Medien das Versprechen gegeben haben, Lampard mehr Zeit und Geduld einzuräumen, als seinen Vorgängern.

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