FC Bayern in der Champions LeagueEin Team zwischen zwei Welten

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Drei jener Spielerinnen, die gegen Arsenal den Unterschied machten: Alara, Pernille Harder und Klara Bühl (v.l.) waren alle an Toren beteiligt.
Drei jener Spielerinnen, die gegen Arsenal den Unterschied machten: Alara, Pernille Harder und Klara Bühl (v.l.) waren alle an Toren beteiligt. (Foto: Adam Pretty/Getty Images)
  • Der FC Bayern gewinnt nach 0:2-Rückstand zur Pause noch 3:2 gegen Titelverteidiger Arsenal in der Champions League.
  • Klara Bühl bereitet alle drei Bayern-Tore vor und liefert einen weiteren Beleg dafür, dass sie die derzeit wohl beste deutsche Fußballerin ist.
  • Trainer José Barcala warnt trotz des Sieges vor Naivität, da die erste Halbzeit die Schwächen gegen internationale Topgegner offenbarte.
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Chancenlos in der ersten Hälfte, grandios in der zweiten: Die Fußballerinnen des FC Bayern zeigen beim 3:2 gegen Arsenal ihre beiden Gesichter – und ihre Abhängigkeit von Pernille Harder und Klara Bühl.

Von Anna Dreher

José Barcala setzte sich an seinen Platz auf dem Podium, das Scheinwerferlicht war greller, die Bühne größer, das Publikum zahlreicher an diesem Abend. Das gerade beendete Spiel der Fußballerinnen des FC Bayern wurde im kinoähnlichen Pressesaal der Allianz Arena analysiert, statt wie gewohnt in einem Besprechungsraum des Stadions am Campus. Was bestens passte, denn die Geschichte dieser Champions-League-Partie gegen den Titelverteidiger FC Arsenal bot weniger Stoff für ein Kammerspiel, sondern geriet zu einem Blockbuster mit unvorhersehbaren Wendungen und dem glücklicheren Ende für die Gastgeberinnen.

„Das ist sehr wichtig für unser Selbstvertrauen. Diese Art von Spiel, diese Reaktion definieren uns als Team“, sagte Trainer Barcala: „Wir müssen ruhig bleiben und geschlossen durch Schwierigkeiten gehen, um Lösungen zu finden. Das nehme ich mit für die Zukunft.“ Der Spanier strahlte bei seinem Fazit jene Ruhe aus, für die er bekannt ist. Und doch war in seinen Augen eine gewisse innere Aufgewühltheit zu erkennen. 0:2 hatte sein Team am dritten Spieltag der Ligaphase zur Pause zurückgelegen, dabei chancenlos und überfordert gewirkt. Erinnerungen kamen auf an das desaströse 1:7 zum Champions-League-Auftakt gegen den FC Barcelona. „Als das zweite Tor reingegangen ist, dachte ich: Das darf doch jetzt nicht wieder passieren“, sagte Mittelfeldspielerin Georgia Stanway.

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Im Oktober hatte es an Zweikampfhärte, Passsicherheit und Übersicht gemangelt. Auch am Mittwochabend konnten sich die Münchnerinnen zunächst nicht aus Arsenals hohem Pressing befreien und leisteten sich zu viele Fehler, oft stimmte die Positionierung nicht. Doch statt das nächste internationale Fiasko zu erleben, starteten sie in der zweiten Halbzeit eine Aufholjagd. Mit den drei Toren zum Sieg überraschten sie nicht nur die 15 407 Zuschauer – darunter Klubpräsident Herbert Hainer, Sportdirektor Christoph Freund und Männertrainer Vincent Kompany –, sondern auch sich selbst. „Irgendwie ist das noch unreal“, sagte Klara Bühl, „man kann noch nicht ganz glauben, was passiert ist.“

Einige Spielerinnen sprachen später davon, dass das Team (seinen) Charakter gezeigt habe. Tatsächlich sendete dieser Sieg zumindest für den Moment ein wichtiges Signal. An die Gegner, dass mit diesen Bayern auch international zu rechnen ist. Und nach innen. „Für mich ist bezeichnend, wie wir zurückgekommen sind und gemerkt haben, wozu wir in der Lage sind“, sagte Frauen-Direktorin Bianca Rech: „Barcelona war einfach ein unglaublich beschissener Tag, um es mal ganz deutlich zu sagen. Aber im Laufe der Saison sieht man grundsätzlich, wie wir uns von Spiel zu Spiel steigern.“ Mit sechs Siegen und einem Remis in den ersten sieben Pflichtspielen waren die Bayern gestartet, bis die Klatsche in Katalonien kam. Seitdem folgten sieben Siege in Serie, inklusive der Leistung gegen Arsenal.

Wir müssen das genau analysieren und können nicht so naiv sein, zu denken, alles ist prima, weil wir gewonnen haben
José Barcala

Während Barcala gegen Barça ein Plan B gefehlt hatte und sich fundamentale Fragen stellten, zog der 44-Jährige diesmal die richtigen Schlüsse. Drei Wechsel und damit verbundene taktische Anpassungen waren entscheidend. Der Trainer brachte Pernille Harder und Alara für die Offensive sowie im Zentrum Arianna Caruso. Die zuvor auf der Sechs agierende Momoko Tanikawa rückte vor und war auf der Zehnerposition effektiver. Vor allem aber belebte Harders Cleverness das Münchner Spiel, das variabler, aggressiver und strukturierter wirkte. Die Dynamik veränderte sich. Arsenal agierte defensiver. Nach einem Schlag auf den Fuß im Abschlusstraining sollte die Dänin eigentlich geschont werden. Aber ohne Harder wäre die Wende nicht gelungen – und ohne Klara Bühl auch nicht.

Die 24-Jährige lieferte einen weiteren Beleg dafür, dass sie die derzeit wohl beste deutsche Fußballerin ist und in der Bayern-Offensive ohne sie fast nichts geht. Durch die Veränderungen konnte sie auf dem linken Flügel besser wirken. Beim 1:2 von Alara in der 67. Minute, beim 2:2 von Harder in der 80. Minute und beim 3:2 von Kapitänin Glodis Viggosdottir in der 86. Minute lieferte Bühl jeweils die Vorlage. Damit kommt sie wettbewerbsübergreifend für den FC Bayern in dieser Saison auf 19 Scorerpunkte, mit fünf Toren und 14 Assists ist sie die beste Scorerin aus den fünf großen Ligen Europas. Die Verantwortlichen des sehr an ihr interessierten FC Barcelona dürften sich beim Zuschauen gegrämt haben, dass ein Transfer bisher nicht zustande kam, und womöglich längst überlegen, wie es beim nächsten Anlauf gelingen könnte. Während sie beim FC Bayern alles daran setzen sollten, diese Ausnahmespielerin zu halten.

Beinahe hätte auch das Spiel gegen Arsenal Fragen zur internationalen Wettbewerbshärte der Fußballerinnen des FC Bayern hinterlassen. Diesmal aber fand Trainer José Barcala die passenden Lösungen.
Beinahe hätte auch das Spiel gegen Arsenal Fragen zur internationalen Wettbewerbshärte der Fußballerinnen des FC Bayern hinterlassen. Diesmal aber fand Trainer José Barcala die passenden Lösungen. (Foto: Jens Niering/dpa)

Aber so sehr die Münchnerinnen ihr Comeback zu Recht feierten, offenbarte dieser Abend auch das Pendeln zwischen den Welten. Zur Wahrheit gehört: Hätte Stina Blackstenius in der 22. (Latte) und 27. Minute (knapp am Pfosten vorbei) präziser abgeschlossen, hätte es früh 0:4 gestanden. Überaus unwahrscheinlich, dass dann noch ein Sieg gelungen wäre. „Wir müssen das genau analysieren und können nicht naiv sein, zu denken, alles ist prima, weil wir gewonnen haben“, sagte Barcala. Diese erste halbe Stunde gegen Arsenal in der Champions League lässt sich gut gegenschneiden zur ersten halben Stunde gegen Union Berlin in der Bundesliga am Freitagabend. Da waren es die Bayern, die den Gegner in dieser Zeitspanne überrannten und mit 3:0 führten. National gibt es bisher wenige Gegner, die ihnen das Leben wirklich schwer machen.

Nachdem Verfolger VfL Wolfsburg zuletzt gegen das drittplatzierte Eintracht Frankfurt verloren hat, führt der Doublesieger in der Liga komfortabel mit sechs Punkten bei 35:3 Toren und muss sich keine Sorgen machen – ebenso wenig wie im DFB-Pokal, wo gegen den FC Ingolstadt diesen Sonntag mit dem Viertelfinaleinzug gerechnet werden kann. Genau das erschwert jedoch das Ziel, international durchzustarten. Erneut wurde deutlich, dass in der Champions League von Kopf und Körper ein ganz anderes Tempo verlangt wird. Zur schnelleren Entscheidungsfindung kommen härtere Zweikämpfe gegen technisch versiertere Gegnerinnen, nächstes Mal am 20. November gegen Paris Saint-Germain. Um dann nicht wieder unterzugehen, hilft den Fußballerinnen des FC Bayern vielleicht die Erinnerung an das 3:2 gegen Arsenal. An diesen, wie Pernille Harder sagte, „Wahnsinn, einfach Wahnsinn“.

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