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Champions League:Wolfsburg ist sauer auf sich selbst

  • Nach der Niederlage bei Real Madrid trauert der VfL Wolfsburg über die verpasste Chance, erstmals ins Champions-League-Halbfinale einzuziehen.
  • Die Fehleranalyse beginnt gleich nach dem Spiel - doch die Wolfsburger haben nicht alles falsch gemacht.
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André Schürrle kauerte auf dem Rasen, neben ihm lag Luiz Gustavo. Um sie herum toste der Jubelsturm im Estádio Santiago Bernabéu, doch die Wolfsburger Spieler hätten sich am liebsten weggebeamt. Da betrat Trainer Dieter Hecking den Rasen, tätschelte hier einen Spieler, umarmte dort einen. Schließlich kam er auch bei Gustavo an - und sah das ganze Ausmaß der Traurigkeit.

Traurig, ja. Grenzenlos enttäuscht. Aber auch ein bisschen wütend auf die eigene Leistung, die dem VfL den ganz großen Coup verbaut hatte. So gestaltete sich die Wolfsburger Gemütslage. Der VfL hat das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League 0:3 (0:2) bei Real Madrid verloren, durch drei Treffer eines gewissen Cristiano Ronaldo, den sie einfach nicht zu stoppen wussten. Das tolle 2:0 aus dem Hinspiel, dieses Erweckungserlebnis im eigenen Stadion gegen den turmhohen Favoriten, es war plötzlich nichts mehr wert.

Arnold analysiert seinen Fehler knallhart

Der eine konnte mit seiner Enttäuschung umgehen, der andere eher nicht. Zur zweiten Sorte Wolfsburger gehörte Maximilian Arnold, der ziemlich bald nach Schlusspfiff Einblicke in seine Gefühlswelt gab. "Absolut bitter" sei das Spiel verlaufen, erklärte Arnold mir karger Stimme. Um sich anschließend selbst zu geißeln: "Vor dem 1:0 spiele ich einen Katastrophenpass, ich lade Real ein. Da geht die ganze Scheiße los."

Das war hart formuliert, traf die Sache jedoch im Kern. Ohne Arnolds Fehlpass (die anschließende Flanke von Carvajal fälschte er auch noch ab) wäre Real in Minute 16 nicht in Führung gegangen. Ziemlich sicher wäre auch 86 Sekunden später nicht das 2:0 gefallen. Alle drei Gegentreffer wurden durch Wolfsburger Unzulänglichkeiten begünstigt, was Trainer Dieter Hecking schwer zu akzeptieren fiel. "Wir hatten gewarnt, dass leichte Ballverluste eine große Gefahr sind", klagte er. Auch habe sein Team die Standardsituationen "einfach schlecht verteidigt".

Beim zweiten Gegentor, nach einer Ecke von Kroos, ließ sich Josuha Guilavogui im Kopfballduell leicht von Ronaldo besiegen. Und das dritte? Der Freistoß in der 77. Minute, in mittiger Position vor dem Sechzehner, war eher fragwürdig. Noch fragwürdiger war dann allerdings die Mauer, die die Wolfsburger stellten: ein löchriges Konstrukt, das diesen Namen nicht verdient. Ronaldo fand mittendurch einen Weg für seinen Ball. Manager Allofs klagte: "Wir machen Fehler, die uns nicht passieren dürfen." Es war VfL-Keeper Diego Benaglio zu verdanken, dass das Spiel am Ende nicht 5:0 ausging.

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