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Final-Verlierer Tottenham:Die Spurs stehen erst an der Schwelle zu einem Spitzenteam

Pochettino arbeitet seit 2014 an der White Hart Lane. Als er 2015 das erste Mal gegen Klopps Liverpool spielte, setzte er bereits sieben Spieler ein, die vier Jahre später in diesem Champions-League-Finale stehen sollten (Kane, Alli, Rose, Vertonghen, Alderweireld, Eriksen, Torwart Lloris); zwei weitere (Trippier, Winks) saßen auf der Bank. Pochettino und diese Mannschaft: Das ist eine Einheit - und wer nun fragt, wie es mit Tottenham weitergeht, kann diese Frage nicht seriös beantworten, ohne die Frage nach Pochettinos Zukunft zu stellen. Er besitzt noch einen Vertrag bis 2023, aber zuletzt hatte er seine Zukunft demonstrativ offen gelassen. Dieser Trainer ist für jeden Spitzenklub in Europa interessant, und wer ihm genau zuhörte, konnte schon heraushören, dass er jetzt, da das neue Stadion gebaut ist, gerne ein paar Euro für den ein oder anderen Spieler zur Verfügung gestellt bekäme. Vor allem, falls sich Eriksen Richtung Real Madrid verabschieden sollte. Aber das ist erst mal nur ein Gerücht.

Tatsächlich stehen die Spurs erst an der Schwelle zu einem Spitzenteam. Titel gab es zuletzt keine, dafür herausragende Platzierungen in der Premier League vor Chelsea, United, Arsenal. Das Jahr, in dem die Mannschaft eigentlich einen Titel hätte gewinnen können, war die Saison 2015/16 - doch zu diesem Zeitpunkt war das Team noch nicht reif genug. Die Wunder-Truppe Leicester City ergriff damals ihre Chance. Die Frage ist nun: Was will Tottenham? Manchester City und Liverpool mit Guardiola und Klopp scheinen außer Reichweite zu sein, aber Champions League spielen und weitere denkwürdige Spiele liefern - warum eigentlich nicht?

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Viel wird davon abhängen, was Joe Lewis denkt. Lewis ist 82 Jahre alt, lebt auf den Bahamas und ist der Eigentümer des Klubs. Es heißt, er besitze ein Vermögen von 4,5 Milliarden Euro, aber wie so viele Superreiche ist er super-öffentlichkeitsscheu. Bisher war er jedenfalls nicht dafür bekannt, große Summen locker zu machen. Vielleicht ändert sich seine Meinung nach dem Champions-League-Finale.

Auch davon hängt ab, ob Pochettinos Wunsch in Erfüllung geht. "So was wie heute möchte man wieder erleben. Es ist das beste Spiel der Welt nach dem WM-Finale", sagte er. Das ist übrigens auch so eine Geschichte. Vor dem Finale wurde viel darüber gesprochen, wie gut ein Trainer sein kann, der ständig Titel verspielt, gemeint war Klopp. Pochettino hat noch keinen einzigen Titel als Trainer gewonnen. Aber niemand zweifelt daran, wie man seine Arbeit zu bewerten hat.

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