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Halbfinale Tottenham gegen Ajax:Herzensbrecher im Halbfinale

European Best Pictures Of The Day - April 18, 2019

Wieder fit: Fernando Llorente, hier bei seinem Treffer im Viertelfinale gegen Manchester City.

(Foto: Getty Images)

Ein bisschen unfair ist es schon. Das alte Stadion von Tottenham Hotspur, die White Hart Lane, war bis zu ihrem Abriss 118 Jahre lang die Heimat der Spurs. 63 Jahre musste es sich nach der Eröffnung gedulden, um als Bühne für das Halbfinale des höchsten europäischen Pokalwettbewerbs fungieren zu dürfen (1962 im Europapokal der Landesmeister). Die neue Arena dagegen kommt schon kurze Zeit nach ihrer Eröffnung in diesen Genuss. Sie ist der Schauplatz für eines der größten Spiele der Klubgeschichte.

Tottenham empfängt Ajax Amsterdam an diesem Dienstagabend ( 20.45 Uhr im SZ-Liveticker) zum Duell der Underdogs. Die beiden Teams sind die unwirklichsten Halbfinalisten seit langer Zeit, sie haben sich mit viel Geschick in die geschlossene Gesellschaft der Champions-League-Halbfinalisten geschlichen. Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino weiß um die Voraussetzungen dieses Duells. "Sie sind ein bisschen wie wir: Keiner hat geglaubt, dass sie das Halbfinale erreichen können", sagte der 47-Jährige über den Gegner.

Doch es gibt durchaus Unterschiede zwischen den beiden Teams - vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung. Auf den kopfverdrehenden Kombinationsfußball der jungen Ajax-Profis erklangen bereits zahlreiche Elogen. Amsterdam spielt so, wie man sich das von seiner eigenen Mannschaft wünscht: schnell, vertikal, inspirativ. Die Herzensbrecher aus Holland sind zum ersten Mal in der K.o.-Phase deswegen sogar leichter Favorit. Tottenhams erstaunliche Leistung erfährt dagegen viel weniger Aufmerksamkeit. Dabei ist das Projekt in Nordlondon vielleicht eines der beeindruckendsten im europäischen Fußball, das bisher ohne Titel auskommen musste.

Pochettino kennt sich aus mit widrigen Umständen

Coach Pochettino hat seine Mannschaft unter den besten Vier der Premier League etabliert, noch vor Klubs wie Arsenal oder Chelsea. Die finanziellen Mittel waren im Vergleich zur Konkurrenz deutlich knapper - auch weil der Verein sich das neue Stadion mehr als eine Milliarde Euro kosten ließ. Den Spurs wird trotz dieser Erfolge vorgeworfen, dass sie nichts gewinnen oder im entscheidenden Moment das Nervenflattern bekommen.

Im Englischen gibt es eigens das Adjektiv spursy für das Versagen im letzten Moment. "Was wir erreicht haben, ist mehr wert als eine Trophäe", hält Pochettino dagegen: "Es ist massiv." Die Geschichte von Tottenham ist in seinen Augen einmalig im Fußball.

Pochettino kennt sich aus mit widrigen Umständen. Dass ihm gegen Ajax mit Harry Kane (verletzt) und Heung-Min Son (Gelbsperre) seine beiden besten Torschützen fehlen, bringt ihn zumindest äußerlich nicht aus der Ruhe. "Wir sind sehr eingeschränkt, haben aber großes Selbstbewusstsein", sagt Pochettino. Wie bei einem Mantra beschwor er auf der Pressekonferenz vor dem größten Spiel der jüngeren Klubgeschichte die Stärke des Kollektivs. "Das Wichtigste ist, dass wir das Gefühl haben, zusammen alles erreichen zu können", predigte der Argentinier und strahlte dieses Gefühl selbst aus.