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Stéphanie Frappart:Sie ist die Erste in der Champions League

FILE PHOTO: Europa League - Group G - Leicester City v FC Zorya Luhansk

Stéphanie Frappart: Geht auf beispielhafte Weise voran.

(Foto: REUTERS)

Die französische Schiedsrichterin Stéphanie Frappart pfeift als erste Frau ein Champions-League-Spiel der Männer - es ist der nächste Schritt in ihrer beachtlichen Karriere.

Von Anna Dreher

Angst? Nein, sagte Stéphanie Frappart, die habe sie nicht. Sie trainiere viel und sei immer bereit. Außerdem seien Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter doch gleich, der Fußball derselbe, die Regeln dieselben. Für sie ändere sich nichts. Auch nicht vor großen Spielen mit besonders viel Publikum.

Frappart ist Trubel um ihre Person gewohnt. In den Tagen vor dem 14. August 2019 hatte die Aufmerksamkeit jedoch ein ganz neues Niveau erreicht. Die Französin leitete als erste Frau eine große internationale Partie im Profifußball der Männer, das Finale des Uefa-Supercups zwischen dem Champions-League-Sieger FC Liverpool und dem Europa-League-Gewinner FC Chelsea. An diesem Mittwoch geht sie ein weiteres Mal auf beispielhafte und historische Weise voran.

Wenn in der Champions League Juventus Turin mit Superstar Cristiano Ronaldo auf Dynamo Kiew trifft, wird Frappart als Unparteiische auf dem Platz stehen. Vor ihr hat noch keine Frau diese Aufgabe im höchsten internationalen Klub-Wettbewerb des Männerfußballs übernommen. 2020 war sie zudem bereits in der Europa League und der Nations League im Einsatz.

Und vergangenes Jahr, vor dem Spiel zwischen Liverpool und Chelsea, tauchten sie also mal wieder auf: Fragen nach Angst, die einem Stéphan in dieser Form nicht gestellt werden würden. Stéphanie aber schon, weil ihrer Leistung nun mal eine gesellschaftliche Bedeutung beigemessen wird. Das weiß die 36-Jährige natürlich selbst. Sie hat als eine der wenigen Frauen einen festen Platz eingenommen im globalen Fußball - und damit eine wichtige Vorbildrolle inne.

2019 markiert dabei ein ganz entscheidendes Jahr. Fünf Wochen vor dem Supercup-Finale leitete Frappart auch das Endspiel der Frauen-Weltmeisterschaft in ihrem Heimatland. Und im April wurde sie erstmals und als erste Frau in die oberste französische Männerliga berufen. Neben der Deutschen Bibiana Steinhaus, 41, pfiff sie als einzige Frau in den europäischen Top-Ligen der Männer. Steinhaus hat 2017 in der Bundesliga debütiert, ihre Karriere auf dem Rasen diesen September jedoch beendet. "Ich empfinde das als echte Anerkennung meiner Kompetenz und meiner Arbeit", erzählte Frappart damals. "Außerdem zeigt es allen Mädchen, was möglich ist, wenn man hart arbeitet und sich einer Sache ganz verschreibt."

Sie dürfte viele Frauen inspirieren, einen ähnlichen Weg einzuschlagen

Frappart hat durch ihre Leistung überzeugt. Immer und immer wieder. Sie mag mit 1,64 Metern Körpergröße und einer eher zierlichen Figur auf den ersten Blick unscheinbar wirken. Aber sie strahlt Autorität aus, gilt als äußerst kompetent, körperlich topfit und mental sehr stark. Sie wird offenkundig respektiert und geschätzt. Dass sie, wie bereits seit Jahren bei den Frauen, regelmäßig nun auch bei den Männern für große Spiele berücksichtigt wird, ist ein wichtiges Zeichen. Es dürfte viele inspirieren, einen ähnlichen Weg einzuschlagen. Wenn auch möglicherweise keinen ganz so geradlinigen wie jener von Frappart.

Als Kind fing sie mit dem Fußballspielen an und wollte die Regeln dieses Sports unbedingt ganz genau kennen. Also beschäftigte sie sich intensiv damit und begann früh eine Ausbildung zur Schiedsrichterin. Mit 19 pfiff sie ihre ersten Männerspiele, damals in der siebten Liga, und arbeitete sich von dort stetig nach oben. Bei den Frauen wird sie seit 2015 für die wichtigen Turniere nominiert. Mit gerade einmal 30 Jahren hat Frappart 2014 in der zweiten, mit 35 in der ersten französischen Männerliga begonnen. Ein Gruppenspiel in der prestigeträchtigen Champions League zu leiten, ist nach ihren Erfahrungen von 2019 nun der nächste Schritt in ihrer schon jetzt beachtlichen Karriere als Schiedsrichterin.

Und im besten Falle trägt Stéphanie Frappart so dazu bei, dass die Frage, ob sie Angst vor Männerspielen haben, bei anderen Frauen in Zukunft gar nicht erst aufkommt.

© SZ/jok/ska
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29th August 2020; Wembley Stadium, London, England; Community Shield Womens Final, Chelsea versus Manchester City; Ann-K

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