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Champions League:Später Schock

Manchester City v Borussia Dortmund  - UEFA Champions League Quarter Final: Leg One

Im Foto ist es eindeutig: Jude Bellingham ist vor Ederson am Ball - Schiedsrichter Hategan pfeift trotzdem Foul und zeigt dem Dortmunder Gelb.

(Foto: Michael Regan/Getty)

Dortmund verpasst gegen Man City die Überraschung. Erhält sich aber eine Chance fürs Viertelfinal-Rückspiel.

Von Ulrich Hartmann, Manchester/München

Wer am Dienstag den Twitter-Kanal von Borussia Dortmund besucht hat, sah viele Filmchen und Fotos: Erling Haaland im Flugzeugsitz. Haaland auf der Flugzeugtreppe. Haaland vor dem Hotel. Haaland im Spielertunnel. Haaland auf einer Stadiontreppe. Der BVB feierte seinen juvenilen Weltstar ab. Vielleicht war das aber auch schon aufkeimende Trennungsangst.

Zu vorgerückter Stunde am Dienstagabend gab es dann unglücklicherweise nicht mehr ganz so viel zu feiern. Dabei hatte Dortmund eine wirklich starke Partie gezeigt. Trotzdem verlor der BVB sein Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Manchester City mit 1:2 (0:1). Marco Reus hatte sechs Minuten vor Schluss auf Haaland-Vorlage zum 1:1 ausgeglichen. In der 90. Minute erzielte Phil Foden für Manchester den Siegtreffer. Nächsten Mittwoch ist das Rückspiel in Dortmund, und noch erscheint da etwas möglich. Aber es könnte auch Borussias letztes Champions-League-Spiel für mindestens eineinhalb Jahre werden, denn in der Bundesliga sieht es gerade nicht so aus, als sollte der BVB sich wieder für den Wettbewerb qualifizieren, in dem Haaland unbedingt gern Dauergast wäre. Wirklich wahr: Am Dienstagabend hat er den dreisprachigen Text der Champions-League-Hymne mitgesungen.

Pep Guardiolas Citizens, die von nunmehr 35 Pflichtspielen nacheinander nur eins verloren haben, wirkten diesmal mitnichten so souverän, wie es noch bei den beiden 2:0-Siegen im Achtelfinale gegen Borussia Mönchengladbach den Anschein hatte. Dortmunds Trainer Edin Terzic hatte vor dem Anpfiff von seinen Spielern vor allem "Leidenschaft" eingefordert. Tags zuvor hatte der Vereinsboss Hans-Joachim Watzke der Mannschaft persönlich mitgeteilt, wie enttäuscht er zuletzt vom Auftreten beim 1:2 Frankfurt gewesen war. Diesmal gab es zumindest leistungsbedingt kaum Anlass zur Unzufriedenheit.

Die an der Börse gehandelte Aktie von Borussia Dortmund hat sich binnen eines Jahres halbiert. Die Aktien des BVB in der Bundesliga stehen auch nicht mehr allzu gut, aber die Aktie Haaland ist gefühlt auf einem Höchstwert. Auch wenn er diesmal nicht getroffen hat: 24 Treffer in seinen ersten 21 Champions-League-Spielen bleiben ein einsamer Rekord.

Vielleicht spielt er als nächstes ja sogar in Manchester. Sein Vater Alf-Inge Haaland hat von 2000 bis 2003 bei City gespielt. Jetzt reist er durch Europa und lotet gemeinsam mit dem Berater Mino Raiola aus, wer schon diesen Sommer mehr als 100 Millionen Euro für Erling Haaland auszugeben bereit wäre.

Haaland ist erst 20 Jahre alt, aber der BVB hat bereits dessen Nachfolger im Kader. Der 16 Jahre alte Youssoufa Moukoko kann wegen eines lädierten Knöchels momentan nicht spielen, aber in der Startelf in Manchester stand mit dem 19 Jahre alten Ansgar Knauff eine echte Überraschung. Der Flügelstürmer spielte fast vier Jahre in der Dortmunder Jugend. Vor dem Anpfiff in Manchester hatte er 37 Minuten Bundesliga- und sieben Minuten Champions-League-Erfahrung. Für ihn setzte Terzic Spieler wie Julian Brandt, Thorgan Hazard und Giovanni Reyna auf die Bank. Jadon Sancho ist verletzt. Vom gebürtigen Göttinger Knauff wollte man Tempo sehen. Nach einer im doppelten Sinne guten Stunde wurde er durch Reyna ersetzt.

Nahezu durchgängig hielten extrem fokussierte Dortmunder im 4-3-3 die "weltbeste Klubmannschaft" (Terzic) in Schach. Ein unnötiger Fehlpass von Emre Can leitete in der 19. Minute das 0:1 ein. Riyad Mahrez eroberte den Ball, Kevin de Bruyne trieb ihn voran. Mahrez legte am Ende vor, de Bruyne schoss ein.

Bis zur Pause machte der rumänische Schiedsrichter eine unglückliche Figur. Zunächst nahm er zwar einen Elfmeter für City wieder zurück (29.), beließ es aber bei Gelb für Can, der nur vermeintlich gefoult, aber womöglich wirklich geschimpft hatte. Dann verweigerte der Referee den Dortmundern den Ausgleich, indem er als Foul bewertete, dass Jude Bellingham Citys Torwart Ederson regelgerecht den Ball stahl (37.). Schlimmer noch: Bellingham sah sogar Gelb. Eine Fehlentscheidung. Die Dortmunder waren geladen.

Drei Minuten nach der Pause erhielt Haaland seine erste Chance. Mahmoud Dahoud schickte ihn in den Zweikampf mit Dias. Haaland gewann den Zweikampf, scheiterte aber an Ederson. Manchesters Führung war nun glücklich. City war vor Reus' Tor in der Champions League seit 13:10 Stunden ohne Gegentreffer. Nächsten Mittwoch bräuchte es mindestens ein weiteres, damit der BVB eine Überraschung schafft, die Watzke bereits vor dem Hinspiel als "Weltsensation" eingestuft hatte.

© SZ vom 07.04.2021
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