Champions League Sieben Mal

Ausgeschieden: Pep Guardiola und Ilkay Gündogan.

(Foto: Laurence Griffiths/Getty Images)

Die unheilige Serie des Trainers Pep Guardiola setzt sich fort: Mit Manchester City scheidet der einst hochgelobte Spanier erneut vorzeitig aus dem Wettbewerb aus.

Von Christof Kneer

Als der FC Bayern damals Pep Guardiola verpflichtete, war die Fußballwelt beeindruckt: So einen Trainer hätte man ihnen gar nicht zugetraut, diesen Bayern, die sich doch immer als Spielerverein definieren, in dem man einen Trainer eigentlich nur braucht, um diese Spieler auch aufzustellen. Und dann holen sie Guardiola, dessen Spieler sich einer Lehre unterordnen müssen! Guardiola hat aber schnell gemerkt, dass es den Bayern nicht darum ging, aus ihrem Fußball eine Glaubensrichtung werden zu lassen, sie wollten ihn vor allem in seiner Eigenschaft als zweimaligen Champions-League-Sieger-Trainer. Guardiola fühlte sich ein bisschen wie eine Trophäe, die von den Bayern stolz herumgezeigt wurde: Schau her, Fußballwelt, wen wir da gekriegt haben!

Guardiola, der Garant für die großen Titel: Diese Lesart der Geschichte wirkt inzwischen etwas skurril. Jene Champions-League-Titel, die Guardiola 2009 und 2011 mit dem FC Barcelona errang, sind bis dato seine letzten geblieben, und inzwischen läuft die Geschichte von diesem großen Trainer Gefahr, andersrum erzählt zu werden. Ja, Guardiola ist der Coach, der auch bei Manchester City die Spieler fasziniert, weil er ihnen das Spiel erklärt wie niemand zuvor; ja, er ist der Coach, der der Menschheit große Spiele und großes, großes Drama schenkt - der am Ende aber verzweifelnd und verzweifelt zuschauen muss, wenn die große Trophäe von irgendwelchen Brutalstpragmatikern abgeschleppt wird, von Ancelotti, Zidane oder sogar von Roberto Di Matteo.

Siebenmal nacheinander haben Guardiolas Teams nun nicht das Champions-League-Finale erreicht, brutalstmöglich zugespitzt wurde die unheilige Serie jetzt von Manchester Citys 4:3-Sieg gegen Tottenham, der um ein Tor zu niedrig ausfiel und sämtliches weltweit verfügbare Drama-Potenzial enthielt: eine frühe Führung für ManCity; zwei Gegentore durch kreisligaartige Patzer des 65 Millionen Euro teuren Verteidigers Laporte; ein vom Videoreferee knapp für gültig befundenes 4:3 von Tottenhams Llorente; ein vom Videoreferee knapp für ungültig befundenes 5:3 von Manchesters Sterling.

Natürlich hat es oft auch gute Gründe für dieses und jenes Aus gegeben, einmal trug Robert Lewandowski eine Maske, ein anderes Mal verballerte Thomas Müller einen Elfmeter, aber zunehmend manifestiert sich eben auch das Bild eines genialischen Coaches, dessen Vorstellung einer idealen Fußballwelt mitunter in Konflikt mit der realen Fußballwelt gerät. Man darf Guardiola nicht Unrecht tun, er mag Verteidigen schon, aber er will das ganz weit vorne tun; kantige Verteidiger und wuchtige Abräumer kommen in seiner edlen Welt kaum vor. Beide braucht man aber manchmal, zum Beispiel gegen Tottenham.