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Champions League:Sevilla-Trainer Sampaoli: "Sie riefen mich Maradona"

Spain v Chile: Group B - 2014 FIFA World Cup Brazil

Als Jorge Sampaoli noch die Nationalelf Chiles trainierte (hier ein Bild von 2014), spielte seine Elf wie eine Horde wilder Krieger.

(Foto: Getty Images)
  • Der Fußballtrainer Jorge Sampaoli lässt mit seinen Teams einen bedingungslos offensiven Stil spielen.
  • Früherer trainierte er Chiles Nationalelf, heute steht er mit dem FC Sevilla im Achtelfinale der Champions League.
  • Der große FC Barcelona kann sich seine Verpflichtung offenbar vorstellen.

Allmählich werden sie in Sevilla nervös. Und sie haben auch allen Grund dazu. Unmittelbar vor dem Champions-League-Spiel gegen Leicester City, den englischen Überraschungsmeister der vergangenen und Abstiegskandidaten der aktuellen Saison der Premier League, hat der FC Sevilla seinem Trainer Jorge Sampaoli öffentlich die vorzeitige Vertragsverlängerung angeboten, über 2018 hinaus. Der Grund: Der FC Barcelona, der nicht erst seit dem jüngsten 0:4 bei Paris St. Germain den Trainermarkt beobachtet, hat ein Auge auf den argentinischen Coach der Andalusier geworfen - als Nachfolger des allmählich in Ungnade gefallenen Meistertrainers Luis Enrique.

"Wir möchten, dass Sampaoli ein weiteres Jahr bleibt", sagte Sevillas Präsident Pepe Castro - und bestätigte, dass es dabei vor allem darum gehe, Sampaoli die Ausstiegsklausel abzukaufen, die vor dem Hintergrund seines aktuellen Marktwerts lächerlich niedrig liegt: bei gerade mal 1,5 Millionen Euro. "Ich freue mich über den Grad an Wertschätzung, den unsere Arbeit hervorruft", sagte Sampaoli, als er am Dienstag mit schwarzgerahmter Ray-Ban-Brille und dunklem T-Shirt unterm Cardigan-Jäckchen im Pressekonferenzsaal des Estadio Ramón Sánchez Pizjuán saß: "Aber wir leben von der Gegenwart, und all das, worüber jetzt geredet wird, hat nur mit dem Erfolg zu tun, den wir zurzeit haben. Wir müssen eine breitere Perspektive haben, ehe wir entscheiden, ob wir sehr viel länger zusammenleben können."

Erfolg zurzeit bedeutet unter anderem, dass der FC Sevilla den Großen in Spanien die Stirn bietet. Zurzeit ist die Mannschaft Tabellendritter, liegt nur drei Punkte hinter Champions-League-Sieger Real Madrid, der zwei Spiele weniger hat, und zwei Zähler hinter dem amtierenden spanischen Meister FC Barcelona. Das ist nicht völlig überraschend. Aber gemessen daran, dass Sampaoli, 56, sein erstes europäisches Abenteuer erlebt, doch eine überaus bemerkenswerte Leistung.

Profitrainer wurde er dank einer irren Idee

Zumal die Anfänge nicht reibungsfrei verliefen. Denn zu Saisonbeginn, als er ein Angebot des FC Chelsea ausgeschlagen und das Amt in Sevilla übernommen hatte, fragte sich schon der eine oder andere in der Branche, ob die Vorschusslorbeeren des Mannes, der Chiles Nationalelf rund um Arturo Vidal (FC Bayern) 2015 zum ersten Copa-América-Titel der Geschichte geführt hatte, wirklich gerechtfertigt waren. Oder vielleicht doch etwas übertrieben.

Dass sich die Anfänge schwierig gestalteten, hatte auch damit zu tun, dass Sevilla zu Saisonbeginn wieder die Hälfte der Belegschaft ausgetauscht hatte, es gab in etwa je ein Dutzend Zu- und Weggänge. Zudem war Sampaolis Philosophie ein Stilbruch, verglichen mit den Ideen seines Vorgängers Unai Emery, der jetzt Paris St. Germain trainiert. Sampaoli ist ein Trainer, der noch jeder seiner Mannschaften den Griff zur Handbremse verboten hat: "Ihr könnt nach dem Spiel fragen, wie's steht. Bis zur 93. Minute will ich Euch angreifen sehen", pflegt er seinen Spielern zu sagen, und das erklärt auch, was Spaniens früherem Nationaltrainer Vicente Del Bosque durch den Kopf schoss, als er bei der WM 2014 in Brasilien das Gruppenspiel gegen die von Sampaoli trainierten Chilenen vorbereitete: "Das sind elf Kamikaze."

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Ganz so selbstvergessen wie damals die Chilenen ist Sampaolis FC Sevilla zwar nicht. Ein Abbild Sampaolis bleiben die Andalusier dennoch. Sampaoli, der seinen Traum von einer Profifußballer-Karriere wegen einer Verletzung bald beenden musste, hat sich von Anbeginn seiner unwegsamen Karriere einen Kehricht um das geschert, was andere denken - oder was die Zukunft bringen könnte.