Champions League:Rummenigge und die Kunst des Teilens

Karl-Heinz Rummenigge

Die Klub-Vereinigung ECA, die 220 europäische Top-Vereine vertritt und vom Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge geführt wird, hat sich mit Europas Fußball-Union Uefa auf neue Europapokal-Regeln geeinigt.

(Foto: Salvatore Di Nolfi/dpa)

Die Reform der Champions League wird dafür sorgen, dass die reichen Klubs reicher werden. Das allein ist aber kein Anlass für Kulturpessimismus.

Kommentar von Claudio Catuogno

Die neue Champions-League-Spielzeit beginnt, und nach allem, was zuletzt so zu hören war, muss man es jetzt noch mal genießen. Ehe ab der Saison 2018/19 dann alles ganz schlimm wird, ehe "Europa zerbricht" und der "Fußball seine Seele verkauft" (Kicker).

Zumindest haben sich in der Fußballprovinz viele aufgeregt über die jüngste Reform der Königsklasse, vom Frankfurter Sportchef Fredi Bobic ("Die Kuh wird immer dicker") bis zum Mainzer Präsidenten Harald Strutz ("Besteht die Bundesliga nur noch aus Rummenigge?"). Wie die Champions League sich organisiert und ihr Geld verteilt, das elektrisiert eben auch jene Klubs, die dort auf absehbare Zeit kaum mitspielen werden.

Was ist passiert? Die Klub-Vereinigung ECA, die 220 europäische Top-Vereine vertritt und vom Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge geführt wird, hat sich mit Europas Fußball-Union Uefa auf neue Europapokal-Regeln geeinigt. Es geht um Quoten, Anstoßzeiten - und Geld. Und tatsächlich hat Rummenigge ("Ich bin kein Freund des Schicksals") für seinen Klub noch mehr Planbarkeit rausgeholt.

Die wahren Verlierer der Reform sind die Meister aus kleineren Ländern

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bayern je wieder ohne Champions League leben müssen, ist gesunken, weil die Bundesliga ab 2018 vier feste Startplätze erhält. Das aber ist vor allem eine gute Nachricht für Schalke, Wolfsburg oder Berlin: Die Chance, dass sie auch mal wieder an den großen Geldtopf herankommen, ist so gestiegen. Die Verlierer? Sitzen in kleineren Ländern, wo künftig noch mehr Meister in die Qualifikation müssen.

Richtig ist auch - das beklagen Bobic, Strutz und Co. -, dass die Schere zwischen ein paar wenigen Branchenführern und dem Rest immer weiter auseinandergeht. Das allerdings liegt nicht an der Reform. Sondern daran, dass ab 2018 dank lukrativer TV-Verträge viel mehr Geld im Uefa-Topf ist. 3,2 Milliarden statt bislang 2,4 Milliarden Euro pro Jahr. 800 Millionen Euro mehr! Dass Bayern und Dortmund, deren Strahlkraft dieses Geld einspielt, davon mehr sehen wollen als Mainz oder Frankfurt, liegt auf der Hand.

Insofern stimmt es: Die Reichen werden reicher. Das allein mag vielen Anlass genug sein für Kulturpessimismus. Die weniger Reichen werden allerdings auch reicher: Während die Champions League die weniger attraktive Europa League bisher mit 40 Millionen quersubventioniert hat, werden es in Zukunft 100 Millionen sein. Und sogar Frankfurt und Mainz kriegen über Solidartöpfe ein bisschen was ab.

Viel mehr als früher subventioniert England bald den Rest des Fußball-Kontinents

Am ehesten Grund zur Klage hätten englische Vereine. Weil auch in der Champions League das meiste Geld auf der Insel verdient wird, haben die Premier-League-Klubs bisher überproportional an den Prämien partizipiert - dieser Anteil wurde stark gesenkt. Viel mehr als früher subventioniert England bald den Rest des Fußball-Kontinents. Dieses Zugeständnis war wohl nötig, um Überlegungen, jenseits der Uefa eine Super-Liga aufzuziehen, auf absehbare Zeit vom Tisch zu wischen. Insbesondere Spanier und Italiener wollten diese Super-Liga recht ernsthaft; Rummenigge gefiel an ihr wohl eher ihr Drohpotenzial.

Selbst das Jammern in der deutschen Provinz hat wohl taktische Gründe. Die Bundesliga hat ja ebenfalls einen neuen TV-Vertrag geschlossen, und über die Frage, wie dieses Geld zu verteilen ist, wird ebenfalls kontrovers gestritten. Gibt es weiterhin 20 Prozent für die zweite Liga? Sollen Werksklubs so viel kriegen wie Traditionsvereine? Vielleicht geben sich die Vertreter aus München und Dortmund, die in der Champions League in Zukunft Kasse machen wie noch nie, ja nun bei diesen Verhandlungen ein bisschen konzilianter. Leisten könnten sie es sich.

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