Real Madrid gegen Leipzig:Die brasilianische Zange

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Real Madrid gegen Leipzig: Konkurrenten nur in der Frage, wer noch schneller und torgefährlicher ist: Rodrygo feiert in den Armen von Landsmann Vinícius Junior einen Treffer für Real Madrid gegen Betis Sevilla.

Konkurrenten nur in der Frage, wer noch schneller und torgefährlicher ist: Rodrygo feiert in den Armen von Landsmann Vinícius Junior einen Treffer für Real Madrid gegen Betis Sevilla.

(Foto: Ruben Albarran/Imago)

Vor dem Champions-League-Spiel gegen RB Leipzig sind die Fans von Real Madrid verzückt von Rodrygo und Vinícius Júnior - so sehr, dass sie sogar von Kylian Mbappé nichts mehr wissen wollen.

Von Javier Cáceres, Madrid

Am Dienstag fiel im Presseraum des Trainingszentrums von Real Madrid der Name Kylian Mbappé, und Carlo Ancelotti brach in sich zusammen. "Da kann ich nur noch die Arme runterfallen lassen", sagte der italienische Trainer von Real Madrid am Vorabend der Champions-League-Partie gegen RB Leipzig. Das sollte so viel heißen wie: Ich ergebe mich. Zur Erinnerung: Mbappé ist der Stürmer von Paris Saint-Germain, der noch vor ein paar Monaten in Madrid als sicherer Zugang gehandelt wurde - und dann doch seinen Vertrag bei PSG verlängerte.

Den Anlass für die Frage nach Mbappé bot eine Nachricht der französischen Sportzeitung L'Équipe, wonach Mbappé im kommenden Sommer wieder auf den Markt kommen dürfte. Der Grund: Im Sommer 2024 dürfte er ablösefrei wechseln. Er hatte den Vertrag bis 2025 verlängert, aber das letzte Vertragsjahr sei optional. Die Entscheidung darüber, ob er bleibe oder nicht, liege nur bei Mbappé.

Ob Mbappé wieder ein Thema bei Real werde, weil PSG nur im Sommer 2023 Geld mit einem möglichen Mbappé-Transfer erwirtschaften könnte, wurde Ancelotti also gefragt. "Wir denken im Moment an niemanden", sagte der frühere Bayern-Trainer mit den herunterhängenden Schultern: "Wir haben einen großartigen Kader, und sind gerade über unsere jungen Stürmer sehr froh."

Im Champions-League-Finale wurde Rodrygo nur eingewechselt - für Vinícius, den Siegtorschützen

Ancelotti dachte dabei vor allem an die beiden jungen Brasilianer, die einen interessanten Strauß ausfechten - um die Frage, wer von den beiden inspirierender, fantasievoller, feinfüßiger daherkommt. Linksaußen Vinícius Jr., 22, der vor vier Jahren von CR Flamengo aus Rio de Janeiro nach Madrid wechselte? Oder der etwas elegantere Rodrygo, 21, der 2019 vom legendären FC Santos nach Madrid kam, wo die Weltkarrieren von Pelé, Robinho, Diego oder Neymar Júnior begannen?

Real Madrid gegen Leipzig: Und was ist mit ihm? Wechselt Kylian Mbappé nun zu Real Madrid oder nicht?

Und was ist mit ihm? Wechselt Kylian Mbappé nun zu Real Madrid oder nicht?

(Foto: Franck Fife/AFP)

Vinícius und Rodrygo haben diverse Gemeinsamkeiten, die über die Farbe ihres Reisepasses oder den Friseur hinausgehen: Beide lassen sich die Haare von Sebastião richten, dem Bruder des Mannschaftskameraden Eduardo Camavinga. Beide hatten auch das gleiche Preisschild. Real Madrid überwies sowohl für Rodrygo wie auch für Vinícius angeblich 45 Millionen Euro nach Brasilien. Und: Sie schlugen beide nicht sofort ein. Aber aus unterschiedlichen Gründen.

Dem schnellen, oft überhasteten Vinícius mangelte es nicht an Chancen, im engeren und weiteren Sinne. Er bekam viel Spielzeit und ließ so dermaßen viele und gute Torgelegenheiten aus, dass in Spanien rasch der makabre Witz kursierte, man sollte im Falle eines Todesurteils durch Erschießung Vinícius als Schützen bestellen. Rodrygo hingegen? Konnte ausgiebig angelernt werden, auch weil er als Protegé von Vereinsboss Florentino Pérez galt, kein Druck auf ihm lastete. Erst vor wenigen Tagen sagte Trainer Ancelotti: "Die Ausbildungszeit von Rodrygo ist vorbei. Er ist nun in jeder Hinsicht ein Spieler von Real Madrid."

So viel Gemütlichkeit war man vom vorherigen Werdegang Rodrygos nicht gewohnt. Im Gegenteil. Seinen ersten Ausrüstervertrag mit einer Sportartikelfirma unterschrieb er als Nachwuchshoffnung des FC Santos mit elf Jahren; fünf Jahre später debütierte Rodrygo bereits in der ersten Mannschaft des "Peixe", wie Santos im Volksmund heißt. Zum Vergleich: Neymar war bei seinem ersten Profispiel für Santos längst 17. Rodrygos Karriere war so vielversprechend, dass Vater Eric, heute gerade mal 38 Jahre alt, im Jahr 2016 seine Laufbahn als Fußballprofi beendete, um sich ganz der Karriere des Sohnes zu widmen.

Vinícius und Rodrygo haben beide einen guten Saisonstart hingelegt

Der frühere Rechtsverteidiger sah, wie sein Sohn immer wieder wichtige Tore erzielte - obschon er hauptsächlich auf der Reservebank Platz nehmen musste. Im November 2019 steuerte er drei Treffer zu einem 6:0-Sieg Real Madrids gegen Galatasaray Istanbul bei, der immens wichtig dafür war, dass der - Monate später - zurückgetretene Zinédine Zidane als Trainer weiterarbeiten konnte. Das Bernabéu-Stadion stellte er mit seinen beiden Treffern zum wundersamen 3:1-Halbfinalrückspielsieg der letztjährigen Champions-League-Saison gegen Manchester City endgültig auf den Kopf. Beim Finale in Saint-Denis gegen den FC Liverpool (1:0) saß Rodrygo auf der Bank - und hatte einen der wenigen Momente, in denen er seinen Vorgesetzten in den Ohren lag.

"Sag ihm, dass er mich bringen soll! Sag ihm, dass er mich bringen soll!!", flehte er im Crescendo den Konditionstrainer Antonio Pintus an. Ancelotti erhörte ihn erst in der Nachspielzeit - und wechselte ihn für den Siegtorschützen Vinícius ein. Gegen Leipzig dürfte aber die brasilianische Zange von Anfang an zum Zuge kommen.

Beide haben einen guten Saisonstart hingelegt: Vinícius kommt in sieben Partie auf fünf Tore, Rodrygo auf zwei Tore in fünf Partien. Ob er sich mit dem brasilianischen Nationaltrainer Tite über die beiden austausche, wurde Ancelotti auch am Dienstag gefragt, und der Italiener sagte, dass er zwar mit Tite befreundet sei, aber über solche Dinge nur rede, wenn es unabdinglich sei. "Jetzt ist es nicht nötig", sagte Ancelotti, "Tite sieht das alles selbst."

Womöglich bereitet Tite die Beobachtung der Spiele Madrids auch Kopfzerbrechen. Denn es wird spannend sein, ob er in weniger als zwei Monaten wirklich alle Offensivkräfte zur WM mitnehmen kann, die gerade in Europa glänzen: Neymar (PSG), Antony (Manchester United), Raphinha (FC Barcelona), Firmino (Liverpool), Cunha (Atlético Madrid), Richarlison (Tottenham), Gabriel Jesus (FC Arsenal) - und eben Vinícius und Rodrygo. In Brasilien wird geraunt, dass es daheim noch einen gibt, der es mindestens mit den Europäern aufnehmen kann: Pedro vom CR Flamengo.

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