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Champions League: Real - Barça:"Arbeit, Stolz, Kraft und Schweiß"

Doch mindestens der FC Barcelona ist diesmal ganz und gar nicht belustigt.

Denn auch Trainer Josep Guardiola bekam seine Breitseiten. "Josep Guardiola ist ein phantastischer Trainer", leitete Mourinho seinen Angriff wieder mit einem Kompliment ein, "aber sein erster Champions-League-Sieg wäre mir peinlich nach dem Skandal von der Stamford Bridge. Und dieses Jahr, wenn er wieder gewinnt, wäre es mit dem Skandal von Bernabéu."

Mourinho spielte an auf die Halbfinal-Partie 2009 zwischen dem FC Chelsea und Barcelona, als der norwegische Schiedsrichter Tom Henning Øvrebø in letzter Minute ein Handspiel des Barça-Stürmers Samuel Eto'o im Strafraum nicht mit einem Elfmeter ahndete, wonach Barcelona ins Finale einzog.

Die Champions-League-Titel Mourinhos mit dem FC Porto und Inter Mailand hingegen beruhten selbstredend alleine auf "Arbeit, Stolz, Kraft und Schweiß". Und er schickte dem Barça-Trainer noch einen vergifteten Wunsch hinterher: "Guardiola verdient einen Champions-League-Sieg ohne Zwischenfälle."

Später teilte der FC Barcelona mit, dass sich die Rechtsabteilung des Klubs mit den Erklärungen Mourinhos beschäftigt und sich offenhält, die Disziplinarkommission der Uefa einzuschalten.

Es gibt in der Fußballwelt einige Akteure, die mit Verweis auf einen diskutablen Schiedsrichter-Pfiff von ihrem eigenen Versagen ablenken wollen. Aber niemand beherrscht diese Kunst so wie José Mourinho. Und niemand zieht die Show so gnadenlos durch, wie der Portugiese. Denn das Spiel zuvor hatte den Eindruck hinterlassen, dass Real Madrid sich schlicht und einfach mit einer Extrem-Taktik verspekulierte.

Das stolze Madrid hatte im heimischen Santiago-Bernabéu-Stadion nur ein Ziel: Zerstörung. Mit allen Männern sollte das Kombinationsspiel des Gegners unterbunden werden, Mourinho stellte vor die Vierer-Abwehrkette mit Pepe, Xabi Alonso und Lassana Diarra weitere drei Zweikampf- und Grätschspezialisten. Selbst die Offensiven Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und Ángel Di María wurden zum Abwehrdienst eingeteilt. Ronaldo erlaubte sich sogar leise Kritik an der Mourinho-Taktik: "So zu spielen, gefällt mir nicht. Aber ich musste mich anpassen."

Die 0:0-Taktik wäre vielleicht sogar mit zehn Spielern aufgegangen, wäre nicht Linksverteidiger Marcelo nach 76 Minuten leicht weggerutscht, der Niederländer Ibrahim Affelay nutzte die Gelegenheit zum Sprint, zur Flanke, und Lionel Messi spitzelte den Ball zum 1:0 für die Gäste ins Ziel. Das raubte Madrid seinen Mut und seine Kraft, und Messi schloss am Ende noch ein enormes Solo zum 2:0 ab. Es war ein Sieg des Spiels gegen Härte und eine Schneid-abkauf-Strategie, die an diesem Abend im Gegensatz zum Pokalfinale eine Woche zuvor schlicht nicht aufging.

Josep Guardiola übrigens kehrte zurück zu seiner eigenen Pressesaal-Taktik: "Wir haben eine sehr gut Partie gespielt und ihre Konter völlig kontrolliert", sagte Guardiola und fügte an: "Es ist unglaublich, welch Glück wir haben, mit Messi spielen zu können." Mourinho? Kein Kommentar. Der Schiedsrichter? Kein Kommentar.

Und so bleibt aus dem Pressesaal am Ende einer von vielen Sätzen Mourinhos, die die Phantasie anregen: "Wenn ich zu ihm (Schiedsrichter Stark) und zu der Uefa sagen würde, was ich denke und fühle, würde meine Karriere heute enden."

© sueddeutsche.de/ebc
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