Süddeutsche Zeitung

Champions League:Harte Arbeit schlägt Tuchels ausgezeichnete Ideen

Leipzig dreht einen Rückstand gegen ein PSG ohne Neymar und Kylian Mbappé. Durch den Sieg wahrt der Bundesligist die Chancen aufs Weiterkommen.

Von Javier Cáceres, Leipzig

Wer Paris Saint-Germain sagt, der sagt auch: Neymar. Oder: Kylian Mbappé. Ein bisschen sagt er auch: Veratti, Icardi und sogar Bernat, die mit Neymar und Mbappé am Mittwoch etwas gemein hatten: Sie waren bei der Champions-League-Visite der Pariser in Leipzig nicht dabei. Aber wer PSG sagt, der sagt eben auch: Moise Kean. Oder: Ángel Di María, Marquinhos und Keylor Navas, die all ihr Selbstwertgefühl auf den Platz brachten und von der Idee beseelt waren, zu zeigen, dass sie auch ohne die berühmten Kompagnons in Europa wettbewerbsfähig sind. Es wurde so ein hartes Stück Arbeit für die Leipziger. Doch am Ende stand ein verdienter 2:1-Sieg in der Gruppe H, der alle Optionen auf ein Erreichen der K.-o.-Runde offen lässt.

78 Tage nach dem gleichlautenden Halbfinalduell der letzten Champions League, das PSG in Lissabon mit 3:0 gewann, war es Leipzigs Verteidiger Dayot Upamecano, der sich einen Schnitzer leistete, der PSG am Dienstag in Führung brachte. Upamecano, der in Lissabon durch grandiose Leistungen weltweit Aufsehen erregt hatte, versuchte sich an einem Rückpass auf Torwart Peter Gulasci, den PSG-Stürmer Kean abfing. Kean bediente Ángel Di María, der den Ball mit den drei äußeren Zehen seines linken Fußes an Gulasci vorbei legte (6.). "Das darf auf dem Niveau nicht passieren", sagte Manager Krösche zur Halbzeit.

Die Leipziger hatten zwei Minuten später durch Amadou Haidara und Angeliño eine Doppelchance, die aber Navas und Alessandro Florenzi auf der Linie vereitelten. Aber danach hatte RB Schwierigkeiten, gegen formidabel gestaffelte Franzosen vors gegnerische Tor zu kommen. Denn wer PSG sagt, der sagt auch: Thomas Tuchel, der seiner Mannschaft als Trainer ausgezeichnete Ideen mitgegeben hatte. Di María hätte nach gut einer Viertelstunde erhöhen können. Doch der Argentinier vergab einen von Upamecano verursachten Handelfmeter. PSG wurden noch (zurecht) zwei Abseitstore aberkannt. Kurz vor der Halbzeit zog Leipzig die erste nennenswerte Kombination auf - und kam durch den ehemaligen PSG-Profi Christopher Nkunku zum Ausgleich. Nach einem Rückpass von Angeliño zog er vom Sechzehner flach ab und ließ Navas das Nachsehen (42.).

Nach der Pause deutete sich ein offener Schlagabtausch an. Einem Solo von Emil Forsberg (53.) folgte ein Schuss von Kean aus 18 Metern (54.). Dann leistete sich Kimpembe ein Handspiel im Strafraum, nach Ansicht der Videobilder entschied der Referee auf Elfmeter, Forsberg verwandelte - 2:1! RB presste durch taktische und personelle Justierungen besser. Und spielte ab der 69. Minute in Überzahl, weil Idrissa Gueye Gelb-Rot sah. Doch auch zu zehnt verlor PSG des Gegners Tor nicht aus den Augen, aus Gründen der Selbstliebe. Am Ende drängten sie RB in den Strafraum. Ohne Erfolg. Auch Kimpembe sah in der Nachspielzeit Gelb-Rot. PSG verlor, und dennoch: in Würde.

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SZ vom 05.11.2020/tbr
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