Champions-League-Plätze der Bundesliga Patienten aus dem Watschnbaum-Sanatorium

Zukunftsgespräch? Der Leverkusener Philipp Wollscheid mit einem Fan.

Schalke? Leverkusen? Wolfsburg? Gladbach? Die Kandidaten für die Plätze drei und vier der Bundesliga befinden sich in bedenklichem Zustand. Die DFL sollte einschreiten: Der gute Ruf der Liga ist in Gefahr.

Eine Glosse von Jonas Beckenkamp

Ein Trip in die nahe Fußballzukunft, das wäre was. Weil ja gar nichts mehr sicher ist nach dieser Woche, nach der sich die Bundesliga neu sortieren muss. Oben thront einsam der FC Bayern, der den realen Begebenheiten entschwebt ist - vom transzendentalen Territorium der Münchner zu den Erdlingen klafft eine Lücke so tief wie der Marianengraben. Wer also die Zeitmaschine für einen kleinen Ausflug anschmeißt, findet Interessantes nur auf den Plätzen dahinter.

Nach allem, was bisher über das Spiel bekannt ist, müssen sich allerdings neben den Bayern noch zwei Klubs direkt für die Champions League 2014/15 qualifizieren, während der Tabellenvierte sich in der Qualifikation versuchen darf. Für Platz zwei gilt unter Zukunftsforschern wieder Borussia Dortmund als sichere Nummer, danach stürzt das Prognosen-Barometer ab. Wie zum Höllenfeuer lässt sich beim Jetzt-Zustand der Liga-Verfolger vorhersagen, wer am Ende Dritter oder gar Vierter wird?

Die Liste der Kandidaten liest sich wie ein Patientenregister aus dem Watschnbaum-Sanatorium.

Schalke: Soeben in zwei Spielen mit 2:11 Toren zertrampelt, zudem von Trainer Jens Keller notorisch kleingeredet ("Gegen Real brauchen wir ein Wunder!").

Leverkusen: In den vergangenen zehn Pflichtspielen achtmal verloren, wegen Loserkusen-Syndrom stationär behandelt und vom breitbeinigsten Erdbewohner (Sportchef Rudi Völler) als Bibbertruppe identifiziert ("Die Verunsicherung ist sehr groß, vor allem bei den älteren Spielern").

Wolfsburg: Gerade mit einem 2:6 der Lächerlichkeit preisgegeben - nicht von Schreckensgestalten aus dem Reich der Zlatans oder Cristianos, sondern von Süle und Modeste aus Hoffenheim.

Gladbach: Nach gehöriger Höhenluft in der Hinrunde mittlerweile festgefahren im Favreschen Raum-Zeit-Kontinuum aus schlechter Laune und noch schlechteren Ergebnissen.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass Platz drei und vier der Bundesliga einfach niemand haben will, als sei dieser ein Ort des Verderbens und der Weltraumkrankheit. Bevor einer der drei Genannten per Betriebsunfall doch dort landet, sollte die Deutsche Fußball-Liga einschreiten und bei der Uefa einen Antrag stellen: In Zukunft bitte nur noch zwei Champions-League-Teilnehmer, alles andere ist nicht zumutbar.

Die Bundesliga hat schließlich einen Ruf zu verlieren, und eine 1:6-0:4-Klatsche im weltweit beachteten Achtelfinale ist schlecht für die Auslandsvermarktung. Ganz Spanien hat sich nach dem Mittwochabend in Gelsenkirchen schon recht amüsiert über "El Schalke", diese wehrlose deutsche Mannschaft. Und man stelle sich vor, Schalke träfe in der Qualifikation auf Red Bull Salzburg und hätte so dermaßen die Hosen voll, dass am Ende selbst die Österreicher lachen: A Wahnsinn!

Eine Option gibt es allerdings noch. Eine, die Hoffnung macht. Ein paar Mainzer machen sich auf zu neuen Welten und ihr Herrscher Thomas Tuchel hat kein Problem damit, sich an der Königsklassen-Sonne zu verbrennen. Ihren ersten großen Schlag planen sie am 22. März. Da werden sie als erste Mannschaft seit Lichtjahren den Krieg der Sterne wagen - gegen den FC Bayern.

Weil aber auch in fernen Zeiten die sogenannten "branchenüblichen Mechanismen" existieren, dürfte Tuchel den Lockangeboten der geldigen Klubs erlegen und, sagen wir, nach Gelsenkirchen entfliegen - inklusive der Willkommensgeschenke Karius und Bell. Die Bayern beamen sich Choupo-Moting auf ihre Ersatzbank, Okazaki schwebt mit der nächsten Sojus nach Manchester und auch der BVB bedient sich an den Mainzer Überresten (Koo!). Ohne fünf tragende Kosmonauten taumelt der FSV in die Quali gegen die bulgarische Macht Ludgorets Razgrad. Viel Spaß, liebe Bundesliga!

Souvenir für den Sohn

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