Champions League:Erst Slapstick bricht PSG

Paris Saint-Germain v Manchester City  - UEFA Champions League Semi Final: Leg One

Plötzlich ist er drin: Kevin De Bruyne kommt per Flanke direkt zum 1:1, dann kippt die Partie komplett

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)

Nach der Führung durch Marquinhos dreht Manchester City in Paris das Halbfinal-Hinspiel auf fast belustigende Weise. Das 2:1 bringt Pep Guardiola seinem ersten Finale seit zehn Jahren ein großes Stück näher.

Von Javier Cáceres

Mit einer Ode an die eigene Geduld und durch den unerschütterlichen Glauben an die eigene, ballbesitzorientierte Philosophie hat Manchester City das Tor zum Champions-League-Endspiel in Istanbul weit aufgestoßen. Dank eines slapstickartigen Treffers des früheren Bundesligaprofis Kevin De Bruyne (64.) und einen direkt verwandelten Freistoß von Ryad Mahrez (71.) drehte City die Führung von Marquinhos (15.) und landete im Halbfinal-Hinspiel im Prinzenpark-Stadion von Paris einen verdienten und wertvollen 2:1-Sieg. Sollte City ihn am Dienstag in ein Ticket in die Türkei umwandeln, stünde Trainer Pep Guardiola erstmals seit seinem Abschied vom FC Barcelona (2012) in einem Königklassenfinale. Schiedsrichter Felix Brych zeigte PSG-Defensivkraft Idrissa Gueye wegen eines brutalen Tritts gegen den Knöchel von Ilkay Gündogan zurecht die Rote Karte (77.). Gündogan konnte das Spiel nach kurzer Behandlungspause beenden.

Am Vorabend der Partie von Paris hatte Guardiola in Erinnerungen geschwelgt. In Erinnerungen an jene Tage, da er Coach beim FC Barcelona war und in einem Weltpokalfinale auf den FC Santos traf. Als er davon erzählte, äffte Guardiola nach, wie seine Spieler auf Sequenzen aus dem Frühwerk des "Königs von Santos" reagiert hatten, sprich: auf einen Videozusammenschnitt mit Aktionen von Neymar. Sie hatten mit offenen Mündern auf den Schirm gestarrt. Neymar Jr., heute Anführer bei PSG, hat seither Einiges dafür getan, von einem Großteil der Menschheit als Nervensäge wahrgenommen zu werden. Aber: Was für ein Fußballer er doch ist, wenn er gesund ist wie jetzt. Nur: Am Ende war er quasi das einzige Licht bei PSG, das den Traum vom zweiten Finaleinzug binnen eines Jahres aufrecht erhielt.

Neymar hatte früh, wie man neudeutsch sagt, den Swag aufgedreht und sich zur bestimmenden Figur im Pariser Prinzenpark aufgespielt. Und das war eine solche Augenweide, dass die Art, wie der PSG-Führungstreffer zustande kam, wie ein Frevel wirkte. Ángel Di María servierte eine Ecke auf den kurzen Pfosten, Gündogan ließ PSG-Innenverteidiger Marquinhos entfliehen, und der brasilianische Kapitän von PSG wuchtete den Ball zum 1:0 per Kopf ins Tor. Was sich hernach entwickelte, war ein interessantes, von Seriosität und taktischer Finesse getragenes Spiel. Um Längen interessanter als das andere Halbfinal-Hinspiel, bei dem sich am Dienstag Real Madrid und der FC Chelsea 1:1 getrennt hatten.

PSG warf zwar nicht mit Konfetti, führte zur Halbzeit aber verdient

Paris Saint-Germain konnte hier und da auf den Faktor Fortune und/oder den Torwart Keylor Navas zurückgreifen. Vor allem, als Navas sich im Aufbauspiel einen groben Schnitzer leistete und der Ball nach einer Grundlinienflanke von Phil Foden auf dem Kopf des Algeriers Riyad Mahrez landete, Leandro Paredes rettete mit einem Scherenschlag im Fünfmeterraum. Oder als Foden selbst aus 14 Metern allein im Strafraum stand - und auf den Keeper statt ins Tor zielte. PSG warf zwar nicht mit Konfetti, wirklich große Chancen blieben aus. Doch es war kaum von der Hand zu weisen, dass die Führung der Franzosen zur Halbzeit gerechtfertigt war.

Nach der Pause änderte sich dies. PSG bewachte das eigene Tor in einem klar erkennbaren 4-4-2-System, in der Hoffnung auf Konter, die nie kamen. City hingegen blieb seiner Linie ohne echten Mittelstürmer treu, zog ein Netz aus Pässen auf, suchte nach der Lücke -und fand sie auf belustigende Weise. De Bruyne chippte den Ball in den Strafraum, und er flog ohne Tempo, an Freund und Feind vorbei, ins Netz des PSG-Tores. Wenig später traf Mahrez per Freistoß, die Mauer war löchrig, aber auch Torwart Keylor Navas sah nicht gut aus. Der Auswärtssieg bringt City dem Finaleinzug näher. Doch PSG ist noch nicht erledigt. Denn die Franzosen haben (den am Mittwoch enttäuschenden) Kylian Mbappé und Neymar in ihren Reihen.

© SZ/ska
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