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Champions League: Manchester United:Die Ergebnismaschine

Zum vierten Mal in nur fünf Jahren steht Manchester United im Halbfinale der Champions League. Die Ehrfurcht in Europa ist groß - doch zu Hause in England wird der Klub noch immer unterschätzt.

Es ging um furchtbares Leid, um den Tod und um das Leben danach. Die Passionsgeschichte spielte in München-Riem und Manchester, nicht in Jerusalem, doch der Sendetermin am Ostersonntag war von der BBC schon bewusst gewählt: "United" erzählte ja auch von einer übernatürlichen Wiederauferstehung, die eine neue Religion begründete.

Javier Hernandez, Wayne Rooney

Famos in Form: Javier Hernandez (rechts), verfolgt von Wayne Rooney.

(Foto: AP)

Der Fernsehfilm handelte vom Schicksal der "Busby Babes", jener legendären Manchester-United-Mannschaft, die beim Flugzeugunglück 1958 fast alle Stammspieler verlor. Knapp 14 Tage später wusste Assistenztrainer Jimmy Murphy bis kurz vor dem FA-Pokalspiel gegen Sheffield Wednesday nicht, wen er spielen lassen konnte; im Stadionheft wurden die Namen in der Startaufstellung blank gelassen. Die zum Großteil von Reservisten und Nachwuchsleuten besetzte Notelf siegte wundersam 3:0. "United will go on!", stand damals auf der Titelseite des Heftes.

Am Tag vor der Ausstrahlung gewann United 1:0 am Ostersamstag gegen Everton. Das Tor von Javier Hernández fiel spät (84.), aber 80.000 Zuschauer im Old Trafford und mehr als 300 Millionen Menschen, die sich laut Marktforschungsstudien weltweit als Fans der Red Devils begreifen, wussten, dass es fallen würde. Die Zeit schien für, nicht gegen den Tabellenführer zu laufen; ohne den Hauch von Nervosität spielten sie weiter, immer weiter, bis Hernández den unvermeidlichen Haken hinter die Angelegenheit setzte.

Der 19. Titel, Rekord auf der Insel, scheint bei sechs Punkten Vorsprung vor dem FC Chelsea nur noch eine Formalität zu sein. "Sie haben diese unglaubliche Belastbarkeit, diesen Wagemut", referierte Everton-Keeper Tim Howard, der selbst vier Jahre bei den Roten spielte. "Die Fans, die erfahrenen Spieler, das Management: Alle wissen, dass sie die Meisterschaft gewinnen werden - und sie sorgen schlichtweg dafür, dass es auch dazu kommt."

United will go on. Kein englisches Team ist so beseelt vom eigenen Mythos, auch weil ihn der 69-jährige Chef-Agitator tagtäglich vorbetet. Alex Ferguson liefert mit seinem unersättlichen Hunger nach Erfolgen höchstpersönlich den Strom für die Ergebnismaschine, schon seit 25 Jahren. Der Sohn eines Werftarbeiters aus Glasgow ist mittlerweile länger im Amt als Sir Matt Busby, der selbst im Münchner Crash schwer verletzt wurde, den Klub danach erneuerte und 1968 zum Gewinn des Europapokals führte. "Busby war lange da, für immer", sagt Sir Alex über die nie vergehende Aura seines Übervaters.

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