Champions League Klopp 3, Tuchel 2

Zwei, die sich mögen: Liverpool-Trainer Jürgen Klopp umarmt Paris-Coach Thomas Tuchel.

(Foto: AFP)
Von Javier Cáceres, Liverpool

In einer dramatischen Schlussphase hat der FC Liverpool am Dienstag die Milliardentruppe von Paris Saint-Germain besiegt. In der Nachspielzeit erzielte der spät eingewechselte Roberto Firmino den Siegtreffer zum 3:2 - keine zehn Minuten, nachdem der französische Weltmeisterstürmer Kylian Mbappé ein zwischenzeitliches 2:2 hergestellt hatte (84.), das im Lichte der erdrückenden Dominanz der Hausherren unwahrscheinlicher kaum hätte anmuten können. Liverpool, Champions-League-Finalist der Vorsaison, fegte phasenweise über PSG hinweg. Und trug am Ende einen verdienten Triumph davon.

Klopp hatte zunächst auf Firmino verzichten müssen, weil ihm am Wochenende in der Liga ein Gegenspieler mit dem Finger ins Auge gestochen hatte. Auch der frühere Leipziger Naby Keita, eine der Sensationen der neuen Premier-League-Saison, musste auf der Reservebank Platz nehmen. Das wiederum war eine Absichtserklärung Klopps: Gegen Tuchel-Mannschaften, so hatte er am Vorabend erklärt, müsse man rennen, Löcher stopfen. Und diese Aufgabe sah er bei Jordan Henderson und James Millner besser aufgehoben als bei Keita. Paris Saint-Germain hingegen spielte weitgehend so, wie es erwartet worden war. Das hieß unter anderem, dass der deutsche Nationalspieler Julian Draxler den Tenören seines Teams - Neymar, Mbappé, Edinson Cavani - bis zur 75. Minute von der Bank zuschauen musste.

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Es gebe keine Momente der Ruhe gegen Klopp-Teams, schon gar nicht in Anfield, hatte PSG-Coach Thomas Tuchel am Vorabend der Partie gesagt. Und was das bedeutet, war am Dienstagabend vom Start weg zu sehen. Liverpool griff die Pariser nicht bloß am Revers, um sie durchzuschütteln. Was Klopps Mannschafte anstellte, erfüllte vielmehr den Tatbestand der Strangulation. Chance um Chance um Chance reihten sie aneinander; es scheiterten unter anderem Virgil Van Dijk mit einem Aufsetzer (6.), James Millner (7.) und Sadio Mané mit Schüssen aus der zweiten Reihe. Liverpool kam allein im ersten Durchgang auf acht Ecken; es fehlte nicht viel, und der Ägypter Mo Salah hätte zwei von ihnen direkt verwandelt.

Und PSG? Hatte allenfalls ein paar rhetorische Figuren von Neymar zu bieten: Sololäufe ins Nichts. Vor allem hatte PSG aber damit zu kämpfen, dass in Marquinhos ein etatmäßiger Innenverteidiger die Rolle des Ballverteilers übernehmen musste und dem Pressing der Liverpooler hilflos ausgeliefert war. Nach 17 Minuten kam PSG, immerhin, durch Neymar und Cavani zu einer Doppelchance, Liverpools Torwart Alisson parierte. Dann aber widmete sich Liverpool wieder dem Kehlkopf der Pariser. Und drückte zu.

Klopps Liverpool hat die besseren Chancen

Nach einer Flanke aus dem linken Halbfeld von Andy Robertson war Firmino- Ersatzmann Daniel Sturridge per Kopf aus sechs Metern zur Stelle und erzielte die Führung (32.). Vier Minuten später verursachte Juan Bernat, bis vor wenigen Wochen noch beim FC Bayern als Linksverteidiger unter Vertrag, einen absurden Elfmeter. Er fuhr ohne reale Not das Bein gegen Liverpools Georginio Wijnaldum aus. Der etatmäßige Elfmeterschütze James Millner verwandelte den Strafstoß sicher (36.). Dann aber bewies PSG doch noch den Willen zur Rebellion gegen ein Schicksal, das nach dem 2:0 unabwendbar erschien. PSG-Rechtsverteidiger Thomas Meunier profitierte davon, dass Mittelstürmer Edinson Cavani an einer Flanke des bis dahin inexistenten Ángel Di María vorbeigesegelt war. Er traf mit einem Schuss aus 14 Metern ins Tor der Liverpooler. Allerdings stand Edinson Cavani bei Abgabe des Balles einen Meter im Abseits - der Treffer hätte nicht zählen dürfen.

Nach der Pause änderte sich da Bild zunächst kaum. PSG spielte diszipliniert, bot ein akademisch reines Positionsspiel, bekam aber nie wirklichen Zugriff auf das Spiel. Liverpool verströmte zwar nur noch latente, aber eben doch Gefahr. Und das permanent. Tuchel wechselte noch die früheren Schalker Eric Maxim Choupo- Moting und Draxler für Cavani und Di María ein (80.), Sadio Mané verfehlte aus spitzem Winkel nur knapp. Doch dann kam der Auftritt des bis dahin inexistenten Mbappé. Nach einem Solo stolperte Neymar den Ball zum Franzosen, der souverän vollendete (84.). Das letzte Wort aber gehörte Firmino, der am Wochenende fast als blind galt. Aber das Tor am Dienstag noch gut sehen konnte.

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