Leipzig ohne Timo Werner:Wenn der prominenteste Spieler fehlt

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Timo Werner hat seinen Ex-Klub zur Champions-League-Finalrunde geschossen - nun weilt er bei Chelsea. Leipzig-Coach Nagelsmann deutet die Abwesenheit an diesem Abend gegen Atlético als Chance.

Von Javier Cáceres, Lissabon

Es ist nicht viel, was dieser Tage in Lissabon darauf hinweist, dass hier das vielleicht spektakulärste und sicher atypischste Klubturnier der Fußballhistorie stattfindet. Lissabon ist noch immer im Griff der Pandemie, oder der situação, wie es hier allenthalben heißt.

Die Menschen tragen mit Langmut ihre Masken, die Hotels sind kaum zur Hälfte ausgelastet, und nicht einmal der gewiefteste Fährtenleser der Apachen wäre imstande, eine Spur der angeblich 16 000 ticketlosen Fans zu finden, mit denen die portugiesischen Behörden rechnen.

Im Grunde ist nur ein einziges Königsklassenindiz zu finden, verteilt auf 1400 Stellwände, quer durch die Stadt: ein Plakat, mit dem RB Leipzig um die Gunst der Fans von Benfica Lissabon buhlt. "As tuas cores ainda estão em jogo", ist in Anspielung auf Benficas rot-weißes Jersey zu lesen, unter einem mannsgroßen Foto von Marcel Sabitzer, Christopher Nkunku und Marcel Halstenberg: "Deine Farben sind noch immer im Spiel." An diesem Donnerstag wird das erstmals der Fall sein, in Leipzigs Partie gegen Atlético Madrid, im Estádio José Alvalade von Sporting Lissabon.

Neben Werner fehlen Spieler wie Cavani, Meunier oder Sané

Werbung in eigener Sache - das hätten die Rot-Weißen aus Leipzig nicht gerade billiger, vielleicht aber nachhaltiger haben können. Denn die Chancen auf eine längere Verweildauer in der Champions League wären mit Timo Werner vermutlich größer gewesen, als sie es jetzt ohne ihn sind. Werner, das ist jener Mann, der in dieser immer noch laufenden Saison sieben Champions-League-Tore schoss - und damit die Hälfte aller Leipziger Treffer.

Chelsea Training Session

Ein Bild von Anfang August aus London: Timo Werner wird von seinem neuen Trainer Frank Lampard beim Dribbling beobachtet.

(Foto: Darren Walsh/Getty Images)

Werner aber ist nicht mit angereist, sondern bereits vor Wochen zum FC Chelsea nach London umgezogen. Die Personalie taugt als perfektes Exempel für die extraordinären Umstände dieses Turniers. Denn auch bei anderen Viertelfinalisten gab es Profis, die ihren zum 30. Juni auslaufenden Vertrag bis zum Ende der Champions League hätten verlängern können - und schließlich desertierten. Thomas Meunier, heute bei Borussia Dortmund, und Edinson Cavani verließen Paris St.-Germain. Der Langzeitverletzte Leroy Sané zog schon um von Manchester City zum FC Bayern. Er hatte sich 2019 mitten im Poker um einen Wechsel zum FC Bayern schwer am Knie verletzt - und seither nicht mehr gespielt. Doch kein Team, das in Lissabon weilt, ist so heftig und so prominent von einem plötzlichen Abschied getroffen worden wie die Delegation aus Sachsen.

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