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Champions League:Gruß gen Himmel

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Erst stand Glódís Perla Viggósdóttir im Weg, dann ging der Ball ins Tor: Lineth Beerensteyn (rechts) trifft im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen den FC Rosengård zum 3:0.

(Foto: Christof Stache/AFP)

Die Fußballerinnen des FC Bayern München gewinnen das Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale 3:0 gegen den FC Rosengård.

Von Anna Dreher

Fast hätte es nicht geklappt. Dabei hatte Lineth Beerensteyn so gute Vorarbeit für sich selbst geleistet. Die Niederländerin rannte auf den Strafraum zu, bis sie sich in die gewünschte Position gebracht hatte. Dann zog sie ab, nur stand blöderweise Glódís Perla Viggósdóttir im Weg. Der Ball prallte von der Isländerin zurück zu Beerensteyn ab, und so bekam sie eine zweite Chance. Beerensteyn, die sich in dieses Fußballspiel immer mehr reingebissen hatte, zog wieder ab, und dieses Mal stand niemand im Weg. Ihre Erleichterung darüber war derart groß, dass sie sich erst bekreuzigte, gen Himmel blickte und schließlich ihr Gesicht bewegt in beiden Händen vergrub. So verharrte sie, während eine Mitspielerin nach der anderen zu ihr kam.

Die Fußballerinnen des FC Bayern führten schon 2:0 im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen den FC Rosengård, als Beerensteyn in der 65. Minute zum 3:0 traf. Aber hier zeigte sich die Erleichterung einer Offensivspielerin, die zuletzt vor fünf Partien getroffen und seither vor allem Chancen vergeben hatte. An diesem Abend aber nicht. Damit stand sie sinnbildlich für die Leistung der Münchnerinnen, die von den guten Gelegenheiten keine verstreichen ließen. "Wir haben gesagt, wir brauchen keine Angst haben", sagte Trainer Jens Scheuer. "Was zu verlieren haben, das kennen wir nicht, weil wir eine sehr gute Runde spielen, wir haben sehr viel Selbstvertrauen. Auf dieser Welle wollen wir weiterreiten und ich bin mir sicher, dass wir auch noch die nächsten Spiele darauf surfen werden."

Die Anfangsphase dieses Viertelfinales war noch von der Nervosität beider Mannschaften geprägt, die von den Münchnerinnen jedoch bald abgelegt wurde. Spätestens in der neunten Minute. Linda Dallmann eilte mit dem Ball bis zur Strafraumgrenze allen anderen davon und traf zum 1:0 ins linke untere Eck. In diesem Moment war eigentlich schon klar, wie diese Partie enden würde. Denn das Selbstvertrauen, das sich der FC Bayern in der bisherigen Saison erspielt hat, war auch im Laufe des Mittwochabends zu spüren. Die letzte Niederlage ist auf den 22. August des vergangenen Jahres datiert, als im Viertelfinale der Königsklasse der spätere Titelträger Olympique Lyon 2:1 gewann. Ansonsten ist es keinem Gegner in den vergangenen 23 Partien gelungen, sich gegen das Team von Scheuer durchzusetzen. Und auch dem schwedischen FC Rosengård sollte das am Mittwochabend im Münchner Campus-Stadion nicht gelingen.

Die Bundesliga führt der FC Bayern mit einer Torbilanz von 62:3 an

Die Gäste ließen sich dabei keineswegs zu sehr von der bajuwarischen Dominanz einschüchtern. Aber gute Angriffe wurden im entscheidenden Moment entweder von Laura Benkarth abgefangen, oder es fehlte im Abschluss an Timing. Umgekehrt hingegen war eine große Souveränität zu spüren und wenig zu sehen von der schon das ein oder andere Mal selbstkritisch geäußerten mangelhaften Chancenverwertung. Kritik, die angesichts eines inzwischen auf 62:3 angewachsenen Torverhältnisses in der Bundesliga fast schon komisch anmutete - aber durchaus einer realistischen Selbstbetrachtung des Tabellenführers entsprach.

"Wir mussten clever spielen und im Spiel selbst an uns und an der Aufgabe wachsen. Ich finde, das haben wir souverän gemacht", sagte Dallmann. Sie hatte die Partie oft entscheidend vorangetrieben, nach ihrem Führungstor vor allem in der 28. Minute, als der Ball nach einer Ecke von Rosengård bei ihr landete und sie diesen reaktionsschnell an Beerensteyn weiterleitete - die sich wiederum clever aus dem Pulk gelöst hatte. Mit viel Geschwindigkeit bewegte sie sich in der gegnerischen Hälfte, Klara Bühl rannte parallel mit - und traf nach Pass von Beerensteyn schließlich zum 2:0. Dass Beerensteyn dann noch selbst traf, dürfte das ohnehin schon große Selbstbewusstsein des FC Bayern vor dem Rückspiel am 1. April in Malmö nur weiter verstärkt haben.

© SZ/fse
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