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Champions-League-Gruppenphase:Die alte Ordnung steht stabil

FC Barcelona v Dynamo Kyiv: Group G - UEFA Champions League

Der FC Barcelona und Lionel Messi haben in der Liga ein paar Probleme - in der Champions League steht der Klub souverän an der Tabellenspitze.

(Foto: Getty Images)

In Corona-Zeiten überrascht die Königsklasse mit ein paar ungewöhnlichen Ergebnissen in der Frühphase des Wettbewerbs. Doch unterm Strich dominieren weiter die großen Fische.

Kommentar von Philipp Selldorf

Es ist schon eine Weile her, dass Chinedu Obasi, Carlos Eduardo, Demba Ba und Luiz Gustavo dazu beitrugen, die TSG Hoffenheim in den deutschen Profifußball einzuführen. Der Klub, dem sie vor zwölf Jahren dazu verhalfen, aus der zweiten in die erste Klasse aufzusteigen, gehört heute zum soliden Kern der Bundesliga-Gesellschaft. Die vier Gründerväter aber, die damals am Anfang ihrer Karrieren standen und das Glück hatten, von Ralf Rangnick gefördert zu werden, zogen zum Geldverdienen in die Welt hinaus. Zwei von ihnen sind nun zumindest wieder durch den gemeinsamen Wohnort vereint: Luiz Gustavo spielt für Fenerbahce in Istanbul, Demba Ba am gleichen Ort für Basaksehir, den türkischen Meister. Der eine ist mit Fener Tabellenführer der Süper Lig, der andere hat am Mittwochabend in der Champions League beim 2:1-Sieg gegen Manchester United ein Tor geschossen.

Demba Bas Treffer ließ Manchesters teure Truppe wie einen albernen Haufen aussehen. Von dem schon in Bambini-Teams bekannten Gebot, bei eigenem Eckball eine defensive Absicherung einzurichten, scheinen die United-Profis nichts gehört zu haben. Alle Mann vorne rein, hieß die Devise - in der 13. Spielminute. Demba Ba, 35, ist zwar nicht mehr der Schnellste, aber mangels Gegner konnte er nach dem abgewehrten Eckstoß allen davonlaufen und das 1:0 schießen.

Dass ein Favorit einem Außenseiter unterliegt, das kommt in der Gruppenphase schon mal vor. In dieser Saison ist die Ausnahme jedoch keine Ausnahme mehr, es gibt unentwegt rare oder seltsame Ergebnisse. Da verliert Real Madrid zu Hause gegen Schachtjor Donezk 2:3, während Schachtjor Donezk zu Hause ein 0:6 gegen Mönchengladbach hinnehmen muss. Lokomotive Moskau, in der russischen Liga abgehängt, zwingt Atlético Madrid ein Remis auf und hätte das fast auch gegen den FC Bayern geschafft. ManUnited fertigt Leipzig 5:0 ab, das dann 2:1 gegen Paris St. Germain gewinnt, während United bei Basaksehir ... siehe oben.

Das ist noch kein Grund, die plötzliche Geburt einer herrlich verrückten Champions League auszurufen. Es wird kein Finale zwischen Ferencvaros Budapest und FC Midtjylland geben, diese seltenen Besucher der Spitzenliga werden wie üblich auf dem schnellsten Weg zum Ausgang befördert werden. Tatsächlich stehen zur Halbzeit der vermeintlich turbulenten Gruppenphase die gewohnten Markennamen auf den ersten Plätzen: der FC Bayern, Manchester City, Liverpool, Barcelona, allesamt mit der optimalen Punktezahl ausgestattet. Alle acht Tabellenführer stammen aus den vier stärksten Ligen Europas, lediglich auf den zweiten Plätzen finden sich zwei Vertreter anderer Spielklassen: der FC Porto und Ajax Amsterdam, alte Bekannte auch sie.

Überraschend ist das alles nicht. Die ungewöhnlichen und extrem stressenden Umstände dieser Akkord-Saison zeigen dennoch ihre Auswirkungen: Im Europacup, aber besonders in den nationalen Ligen, wo Dauersieger wie Juventus Turin, Manchester City oder der FC Barcelona nicht mehr selbstverständlich jedes Spiel gewinnen. Für die Spitzenklubs mit ihrem hyperbeschäftigten Starpersonal ist derzeit alles etwas mühsamer als in den vorigen Jahren, doch an der alten Ordnung wird deswegen noch lange nicht gerüttelt. Die Gründerzeiten in der Champions League sind längst vorbei.

© SZ vom 06.11.2020/schm
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