bedeckt München 19°

Champions League:Geschlossene Gesellschaft

Die großen Vereine aus Manchester, Madrid, Mailand und München stehen im Achtelfinale. Nun beginnt die Champions League, die richtige Champions League.

Ludger Schulze

Den weltumgreifenden Reiz des Fußballspiels hat Gott-hab-ihn-selig Sepp Herberger in einem einzigen Kernsatz verdichtet. "Weil die Leut' net wisse, wie's ausgeht", sprach der Weise von der Bergstraße. Und irrte gewaltig. Wobei ihm diesbezüglich zugute zu halten ist, dass er bereits 1977 verstorben ist, also zu einer Zeit, da die Champions League noch Europapokal der Landesmeister hieß und auch mal randständige Sieger wie Celtic Glasgow, Feyenoord Rotterdam oder Nottingham Forest hervorbrachte.

Champions League

Der FC Bayern gehört zum Kreis derer, die auch nach der Winterpause in der Champions League spielen.

(Foto: Foto: Getty)

Von dem Herbergerschen Gedanken muss wohl auch der Europa-Fußballverbandschef Michel Platini ausgegangen sein, als er der betonierten Königsklasse ein wenig Bunte-Liga-Swing verleihen wollte. Platini erleichterte den Landesmeistern aus nicht immer ganz einfach auszusprechenden Ländern den Zugang zur Champions League in der Hoffnung, diese mögen dem Establishment den Muff von tausend Siegen aus den Trikots pusten.

So wurden etliche Hintersassen aus den machtvollen Ligen verdrängt, die Dritt- oder Vierplatzierten aus EnglandSpanienItalien, und durch geografische Außenseiter wie Rubin Kasan, Unirea Urziceni, Apoel Nikosia oder Maccabi Haifa ersetzt.

Jetzt ist der erste Abschnitt, der den bildhaften Namen Gruppenphase trägt, was in etwa seinem Emotionalisierungsniveau entspricht, endlich zu Ende und siehe da: Rubin Kasan, Unirea Urziceni, Apoel Nikosia oder Maccabi Haifa (ohne Punkt und ohne Tor) haben ihre Schuldigkeit getan und können gehen. Den einen oder anderen Farbklecks auf der Grau-Palette haben sie schon hinterlassen, den Sieg der Tatarstanen aus Kasan in Barcelona oder den Züricher FC-Erfolg beim AC Mailand, doch es reicht halt nur zum Gelegenheits-Kraftakt und nicht zur bleibenden Überraschungserinnerung.

Selbst die kleine Ausnahme ist also die Regel. Am Ende haben die Großen das Bild wieder gerade gerückt: Manchester, Real Madrid, Milan und Inter, Barcelona, FC Bayern usw. Man ist wieder unter sich, geschlossene Gesellschaft. Die Vorrunde ist vorbei, nun beginnt die Champions League, die richtige Champions League. Den Leuten gefällts, vielleicht weil sie eh wissen, wie's ausgeht.

© SZ vom 11.12.2009/jüsc
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB