Champions League Gelson Martins ist Portugals nächste Verheißung

Seit Sommer 2015 für die Profi-Auswahl von Sporting Lissabon am Ball: Gelson Martins, 21.

(Foto: dpa)
Von Thomas Hummel

Manchmal reicht ein guter Auftritt im richtigen Moment, damit die Karriere eines jungen Profis richtig Fahrt aufnimmt. Der FC Bayern zum Beispiel war mal bekannt dafür, gerne Fußballer zu verpflichten, die gegen den FC Bayern besonders gut gespielt haben. Wenn man den Gegner nicht besiegen kann, dann kauft man ihm eben die Besten ab. Im Werben um Gelson Martins kommt, so gesehen, allerdings Real Madrid die Favoritenrolle zu. So frech, flink und gut wie der 21-Jährige von Sporting Lissabon hat sich im Estadio Santiago Bernabeu schon lange niemand mehr vorgestellt.

Der portugiesische Fußball hat durch den Sieg der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im Sommer eine schöne Aufwertung erhalten. Gute Kicker hatte das Land ja schon immer, aber gewinnen konnten sie nie etwas. Dieser Makel ist nun weg. Und wer gedacht hatte, dass die Gruppe F in der Champions League ein Selbstgänger für Real Madrid und Borussia Dortmund wird, der machte zum Auftakt große Augen. Da stellte sich in Madrid eine Mannschaft vor, die dem großen Favoriten keineswegs kampflos die Tür ins Achtelfinale aufhält. Sporting Lissabon war über lange Zeit die bessere Mannschaft und verlor unglücklich durch zwei Tore der Spanier in den letzten fünf Minuten.

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Besonders verwundert wirkten an diesem September-Abend die Madrider Marcelo und Sergio Ramos. Die mussten sich mit einem 1,73 Meter kleinen Wusler mit Rastazöpfchen herumschlagen, was ihnen merklich auf die Nerven ging. Gelson Martins schien von seinen berühmten Gegenspielern noch nie gehört zu haben, so respektlos dribbelte er ihnen entgegen und umkurvte sie links wie rechts. Wie er eben wollte. Als er dem Kameraden Casemiro einmal den Ball durch die Beine schob, raunte das Stadion vor Ehrfurcht.

Bislang soll Martins lächerliche 125 000 Euro im Jahr verdienen

Seitdem jagt eine Spekulation die nächste. Real Madrid sei an Gelson Martins dran, heißt es, der FC Barcelona, Manchester United oder Juventus Turin. Alle großen Namen werden genannt, natürlich soll sich auch der FC Bayern unter den Interessenten befinden. Was grundsätzlich schlüssig wäre, denn die Münchner benötigen in absehbarer Zeit Nachfolger für Arjen Robben, 32, und Franck Ribéry, 33. Das Beuteschema würde also stimmen. Mit dem 19 Jahre alten Renato Sanches haben sie sich bereits einen verheißungsvollen Landsmann gesichert.

Allerdings haben die Münchner schon bei Renato Sanches gemerkt, dass Portugiesen nicht billig sind. 35 Millionen plus etwaige Bonuszahlungen in gleicher Höhe sind auch für den FC Bayern eine große Investition. Die Klubs aus Lissabon und Porto haben Erfahrung im Verkaufen von Talenten, und wenn nicht alles täuscht, bereitet sich Sporting bereits auf einen Verlust seines neuesten Spekulationsobjekts vor.

Bislang soll Martins für internationale Verhältnisse lächerliche 125 000 Euro im Jahr verdienen, jetzt soll eine Erhöhung seines Gehalts auf 700 000 Euro bevorstehen. Will ihn ein Verein aber kaufen, müsse dieser etwa 60 Millionen überweisen, hört man - für einen Spieler, der erst seit dieser Saison regelmäßig zur Stammelf des Klubs gehört. Martins musste warten, bis der 23 Jahre alte João Mário seinen Platz freigab, der Europameister ging nach dem ersten Spieltag in der Primeira Liga für 40 Millionen zu Inter Mailand.

Portugals Fußball bleibt fürs Erste ein Durchlauferhitzer, in dem vorne die gut ausgebildeten Jugendspieler hineinkommen und hinten die Millionen-Transfers heraussprudeln. Martins hält sich dabei bislang an die Sprachregelung, über einen möglichen Wechsel nicht zu sprechen. "Ich spiele für Sporting, ich habe hier einen Vertrag bis 2021. Ich muss weiter arbeiten und denke nur an Sporting", sagte er zuletzt. So ungefähr klang auch Renato Sanches, als er in der vergangenen Saison in der ganzen Fußballwelt gehandelt wurde. Nur dass Sanches eben nicht an Sporting, sondern alleine an Benfica dachte.

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