Champions League für U19-Mannschaften Schräger Wettbewerb

Bei einem Treffen der Leiter der Nachwuchsleistungszentren im Oktober fand sich keiner, der das Uefa-Konzept guthieß, doch mit diesen Bedenken drangen sie international nicht durch. Am 6. Dezember beschloss die Uefa-Exekutive, in der als DFB-Vertreter der frühere Präsident Theo Zwanziger sitzt, das Projekt. Auf der Hierarchie-Ebene oberhalb des Sportdirektors Dutt ist der DFB zurzeit nicht sehr an einem Knatsch mit der Uefa interessiert: Schließlich soll Wolfgang Niersbach im Mai anstelle von Zwanziger in die Exekutive einrücken, und bald stehen auch Entscheidungen für die Austragungsorte der europaweit veranstalteten EM 2020 an, wofür sich auch Deutschland bewerben wird. Auch die Interessenvertretung der europäische Fußballvereine (ECA), der Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge vorsteht, stimmte für den Wettbewerb.

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Sportmomente 2012

Von Air Zlatan und Schweinsteigers Eiern

Das Sportjahr geht zu Ende und es bleiben Erinnerungen: An Zlatan Ibrahimovic, der mit einem Fallrückzieher ein Jahrhunderttor aufs Feld zaubert. Oder an die viel kopierte Pose von Mario Balotelli im EM-Halbfinale gegen Deutschland. Und an eine kleine Biathlon-Frau, die mit 25 Jahren einfach ihre Karriere beendet.

Die Motivationslage ist vielfältig. So schaut die Uefa mit einigem Unmut auf das seit zwei Jahren existierende private Projekt NextGen Series, in dem 32 Teams der U19-Klasse in einem Champions-League-ähnlichen Modus einen Sieger ermitteln; aus Deutschland sind Dortmund und Wolfsburg dabei. Das Turnier entwickelt sich nicht schlecht, das Fernsehen überträgt live - womit sich aus Uefa-Sicht der verlockende Gedanke aufdrängt, das Turnier gleich selbst zu veranstalten und zu vermarkten. Und Vertreter mancher kleineren Verbände können sich für eine offizielle U19-Königsklasse ohnehin erwärmen, weil ihre Juniorenteams so regelmäßig zu Wettbewerbsspielen auf gutem Niveau kämen. Und die Kosten übernimmt die Uefa.

Der Mainzer Jugendleiter Volker Kersting sagt: "Für mich haben die Entscheidungen für diesen Wettbewerb viel mit sportpolitischen Gründen zu tun. Ich finde das sehr bedenklich, dass man sportpolitische Gründe über das Wohl des Nachwuchses stellt. Und ich bin gespannt, ob diese Herren auch hinterher die Verantwortung übernehmen, wenn es schief geht."

Die Hoffnung, dass dieser schräge Wettbewerb noch verhindert werden kann, ist wenig ausgeprägt, weder bei den Klubs noch bei Robin Dutt, dem obersten Jugendwächter im Land. Dutt versucht nun kraft Amtes zu retten, was noch zu retten ist. "Ich betrachte es als meine Aufgabe, nicht nur ,nein' zu sagen, sondern mir konstruktive Gedanken zu machen." Dutt hat jetzt einen Alternativvorschlag entwickelt, den auch die Vereine unterstützen. Dutts Plan sieht vor, die Altersgrenze für diesen Wettbewerb anzuheben und auch 21- oder 22-Jährige zuzulassen. "Bei diesen Spielern fallen die schulischen Belastungen ja schon mal weg", sagt Dutt. Und anders als 19-Jährige, die vielleicht noch eine Junioren-EM vor Augen haben, könnten 22-Jährige, die im Klub selten zum Einsatz kommen, vielleicht ganz froh sein über ein bisschen Spielpraxis, selbst wenn es Spielpraxis in einem seltsamen Wettbewerb ist.

Dieser Vorschlag ist neu und noch weit davon entfernt, den Gremien zur Prüfung vorgelegt zu werden. Im schlimmsten Fall bliebe den deutschen Klubs höchstens noch eine Art Notwehr. "Man kann die Klubs zwingen teilzunehmen", sagt Dutt, "aber man kann ihnen nicht vorschreiben, wie ernst sie den Wettbewerb nehmen." Heißt: Die Klubs könnten die besten A-Junioren zu Hause lassen und statt dessen ein paar B-Jugendliche auf Reisen schicken.

Die Uefa will den alternativen Ansatz nicht kommentieren. Nur so viel: Man könne sich vorstellen, dass es eine neue Debatte gebe, wenn ein Mitgliedsland das Thema aufbringen würde.