Champions-League-Finale der Frauen:Klingt unglaublich - ist aber wahr

Es ist zunächst einmal der Erfolg dieser jungen Frauen auf dem Platz gewesen, die sich nach dem Abpfiff in den Armen lagen. Und doch geht von diesem Triumph eine Botschaft aus, über die 90 Minuten hinaus. Die Wolfsburgerinnen haben bewiesen - und damit ist man wieder bei den VW-Managern angelangt -, dass Erfolg im Fußball doch planbar ist, jedenfalls in der Nische, bei den Frauen. Mit umsichtiger Kaderplanung und mit einer positiven, motivierenden Grundstimmung im Team - also mit all dem, was sie bei den VfL-Männern erst mühsam wieder hinkriegen müssen bei der Fußball-Tochter des Konzerns.

Dass da, auch mit VW-Geld, ein spannendes Projekt entsteht im Schatten der Autostadt, das war schon seit ein paar Jahren klar. Die Nationalspielerin und Siegtorschützin Müller war das erste prominente Gesicht dieses Projekts, als sie 2005 zum VfL wechselte, obwohl dieser gerade in die zweite Liga gerutscht war. Als dann der ehemalige Torwart Ralf Kellermann 2008 das Traineramt übernahm, bekam das Projekt Kontur.

Doch wiederum erst fünf Jahre später, 2013, wurde es titelreif - und wie! Triple-reif! Ihre erste deutsche Meisterschaft sicherten sich die Wolfsburgerinnen vor anderthalb Wochen. Am Sonntag gewannen sie in Köln auch das DFB-Pokal- Finale, 3:2 gegen Potsdam, Titel zwei. Und in der Champions League haben sie es gleich in ihrer Premierensaison ins Endspiel geschafft - Titel drei.

Die Französinnen hätten das nicht für möglich gehalten. 2011 (gegen Turbine Potsdam) und 2012 (gegen den 1. FFC Frankfurt) hatten sie noch ohne großen Widerstand gewonnen, und nun zum dritten Mal? "Das wäre gewaltig", hatte der Trainer Patrice Lair vor der Partie gesagt. Es wurde nichts - und als Konsequenz traten die enttäuschten Spielerinnen um sich, wie man es in Frauen-Spielen nicht oft sieht. Die Wolfsburgerinnen haben am Ende auch das überstanden.

Aus der Not heraus hatte Kellermann bereits eine mutige Aufstellung gewählt: Alexandra Popp, die normalerweise hinter den Spitzen agiert, spielte Linksverteidigerin. Lena Goeßling, normalerweise Innenverteidigerin, rückte ins defensive Mittelfeld. Als Spielgestalterin kam Zsanett Jakabfi zum Einsatz, die nach einer Verletzung keine Spielpraxis hatte, abgesehen von einem Kurzeinsatz im Pokal.

Das Team harmonierte, es kämpfte. Vor allem Martina Müller überraschte die Französinnen mit vielen Ballgewinnen im Mittelfeld. Torfrau Alisa Vetterlein parierte großartig - und so stand am Ende dieser Überraschungserfolg. Wolfsburg ist Champions-League-Sieger. Klingt unglaublich. Ist aber wahr.

VfL Wolfsburg - Olympique Lyonnais 1:0 (0:0)

Wolfsburg: Vetterlein - Wensing, Henning, Hartmann, Popp - Keßler, Goeßling - Blässe, Jakabfi (78. Magull), Müller - Pohlers (82. Omilade). - Trainer: Kellermann.

Lyon: Bouhaddi - Franco, Georges, Renard, Bompastor - Abily (67. Le Sommer), Necib, Henry - Rapinoe (46. Dickenmann/89. Majri), Schelin, Thomis. - Trainer: Lair.

Tor: 1:0 Müller (74., Handelfmeter). - Schiedsrichterin: Teodora Albon (Rumänien). - Zuschauer: 20.000. - Gelbe Karten: Magull / Renard.

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