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Leipzigs Aus in der Champions League:Immerhin ein Lob von Klopp

Champions League: Jürgen Klopp beim Spiel FC Liverpool FC gegen RB Leipzig

Mal wieder ein Sieg: Jürgen Klopp, in der Champions League souverän, in der Liga mit Problemen.

(Foto: David Balogh/Getty)

Biedere und verkopfte Leipziger verlieren erneut gegen Liverpool. Deren Trainer Jürgen Klopp erklärt des Gegners Schwäche mit der eigenen Stärke - und freut sich über Thiago.

Von Javier Cáceres

Jürgen Klopp hat mit dem kriselnden FC Liverpool das Viertelfinale der Champions League erreicht, und er schöpfte daraus eine Menge Stolz. Vor allem, weil es seiner Mannschaft gelungen war, den Gegner banal aussehen zu lassen: "Die größte Leistung" von Liverpool sei in Hin- und Rückspiel gewesen, "dass man nicht gesehen hat, wie gut Leipzig eigentlich ist. Ein Powerhouse der Bundesliga! Monster!", sagte Klopp. Aber: "Wir haben gegen einen richtig guten Gegner einfach richtig gut gespielt."

Der "richtig gute Gegner", RB Leipzig, ist aktuell Halbfinalist im DFB-Pokal und als Bundesliga-Zweiter letzter verbliebener Jäger des Titelmarders FC Bayern. Das Ergebnis, erneut ein verdientes 2:0 für Liverpool, war mit dem Hinspiel identisch, auch der pandemiebedingte Ausweichspielort Budapest war derselbe wie drei Wochen zuvor. Doch dieser Sieg, er wirkte anders. Demütigender, wie der Sieg eines hochdekorierten Traditionshauses gegen einen Emporkömmling. Und das war einigermaßen überraschend.

Liverpool war zuletzt ja sogar von Plebejern der heimischen Liga über den Asphalt geschleift worden. Der Smoking, den man seit dem sechsten Champions-League-Triumph 2019 und erst recht nach dem 19. englischen Meistertitel im Vorsommer trug, wirkte arg zerzaust. Doch die Leipziger wirkten diesmal ihrerseits dramatisch underdressed. Liverpools Tore, wie im Hinspiel durch Mohammed Salah (70.) und Sadio Mané (74.), kamen mit einer sanften und doch mächtigen Beiläufigkeit daher, wie Rolls-Royce-Türen ins Schloss fallen. Der Sieg hätte sogar höher ausfallen können, denn schon in der ersten Halbzeit hatten die "Reds" gute Chancen herausgespielt.

"Wir sind kaum in unsere emotionale Spielweise reingekommen", haderte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann, er diagnostizierte einen Mangel an Mut und ein zu verkopftes Spiel seiner Elf. Sie hatte nur wenige relevante Torchancen, eine ganz zu Anfang, nach einem gut, aber nicht perfekt getimten Pass von Christopher Nkunku in den Strafraum. Dani Olmo schoss, doch Liverpools Torwart Alisson Becker, der zuletzt ungewohnt viele Patzer eingestreut hatte, parierte mit Bravour. Danach gab es noch einen Schuss von Emil Forsberg, der das Tor knapp verfehlte, und einen Kopfball des eingewechselten Alexander Sörloth an die Latte, noch beim Stand von 0:0 (65.).

Sonst waren die Leipziger vor allem damit beschäftigt, die Gefahren zu beseitigen, die Liverpool bereitete. Was RB blieb, waren Wut und Enttäuschung. Sein Team solle diese Wut zulassen und ausleben, erklärte Nagelsmann - "um dann zum richtigen Zeitpunkt wieder die reizvolle Aufgabe Eintracht Frankfurt anzupacken". Die steht am Sonntag (15.30 Uhr auf dem Programm.

In den Köpfen seiner Spieler sei womöglich zu präsent gewesen, dass man im Hinspiel durch zwei individuelle Fehler die Gegentore heraufbeschworen hatte, mutmaßte Nagelsmann. Leipzig wirkte gehemmt, wie in einem Korsett aus Pflichten, und das trug dazu bei, dass Liverpool phasenweise unanfechtbar dominierte. Der defensive Mittelfeldmann Fabinho legte das Fundament für Liverpools Überlegenheit, er war erstmals seit Monaten wieder in der Startformation, und Klopp hatte ihn bitter vermisst: "Ich habe ihm gesagt: Er hätte heute nicht deutlicher zeigen können, dass er die Position als Sechser liebt. Er ist dort einer der besten der Welt", sagte Klopp, als würde er Fabinho immer noch knuddeln. Und dank der neuen Stabilität im Zentrum ließ dort auch der frühere FC Bayern-Profi Thiago Alcántara endlich mal seine Klasse aufblitzen.

"Thiago war gut, Thiago war wichtig", lobte Klopp auch den Spanier -und er rechnete mit den notorischen Thiago-Kritikern in der Heimat ab: "Ich weiß, wenn man von Deutschland draufguckt und sieht die Liverpool-Ergebnisse, seit Thiago da ist ... - da bringt man irgendwelche Dinge miteinander in Verbindung, das ist einfach Quatsch!", betonte der Trainer. Zugänge bräuchten Zeit, "um sich an gewisse Abläufe zu gewöhnen", diese Zeit "hatte Thiago einfach nicht" gehabt. Der spanische Nationalspieler musste eine Covid-Erkrankung und Verletzungen überstehen, nun wird er augenscheinlich besser, "Woche für Woche", wie Klopp sagte. Thiago selbst gab sich ungerührt. Er habe "kein einziges Wort davon gelesen, was irgendwer in den letzten Wochen über mich geschrieben hat. Ich weiß genau, was ich verbessern muss."

Kommt so langsam an: Thiago.

(Foto: Laszlo Balogh/AP)

Am Mittwochabend trug Thiago dazu bei, dass Liverpool, Zitat Klopp, "defensiv stabil und offensiv kreativ" auftrat. So sehr, dass auf der Insel nun Erinnerungen wach werden - an große Liverpool-Teams, die in der Liga darbten, aber in Europa triumphierten. Zum Beispiel: Bob Paisleys berühmte Meistermannschaft von 1980, die im Jahr danach in England nur Fünfter wurde, aber Europas Henkelpott gewann (1:0 gegen Real Madrid). Rafa Benítez kassierte als LFC-Coach 2004/05 sogar 14 Liganiederlagen, dennoch siegte er in einem legendären Champions-League-Finale gegen Milan (Elfmeterschießen) - in Istanbul, wo auch 2021 das Endspiel stattfindet.

Leipzig bleiben nun die großen nationalen Optionen. Im Pokal geht es nach Regensburg oder Bremen, in der Liga fehlen nur zwei Punkte zu den Bayern. "Traditionell" laufe es auf einen neuerlichen Titelgewinn der Münchner hinaus - zumal Robert Lewandowski "trifft, wie er will", sagte Klopp. Doch auch er sieht den geringen Abstand und das offene direkte Duell der beiden Meisteranwärter Anfang April in Leipzig: "Das kann ja dann noch richtig spannend werden", sagte Klopp.

© SZ/schm/mok
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