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Champions League: FC Bayern:Teppich drüber!

Der Umgang mit dem leichten Sieg gegen den FC Basel zeigt, dass beim FC Bayern derzeit nur das Ergebnis zählt. Tiefer liegende Mängel wollen die Verantwortlichen erst in der Winterpause beseitigen.

Jürgen Schmieder, Fröttmaning

Sie hatten es eilig beim FC Bayern, als ob auf dem traditionellen Bankett nach einer Champions-League-Partie nur jene etwas zu essen bekommen würden, die vor 23 Uhr erschienen waren. Christian Nerlinger wollte "nur einen Satz" sagen, Hamit Altintop huschte unbemerkt durch die Mixed Zone und selbst Philipp Lahm, der gewöhnlich bereitwillig Auskunft gibt, antwortete kurz und knapp ("Der Sieg war wichtig fürs Selbstvertrauen"), ehe er in Richtung Bankett entschwand.

FC Bayern Muenchen - FC Basel

Erleichterung? Verlegenheit? Die Bayern-Profis ließen sich nach dem 3:0 gegen Basel zwar feiern, doch sie hakten den Erfolg angesichts der kommenden schweren Aufgaben recht bald ab.

(Foto: dapd)

So musste Louis van Gaal diesen 3:0-Erfolg gegen den FC Basel erklären, weil er ja quasi gezwungen ist, an einer Pressekonferenz teilzunehmen und Fragen zu beantworten. "Wir haben heute Tore geschossen, das war in den vergangenen Spielen nicht so", war die knappe Erläuterung des Trainers. Er merkte noch kurz an, dass der zweifache Torschütze Franck Ribéry "frei im Kopf gespielt hat".

"Frei im Kopf"

Vielleicht wollten sie beim FC Bayern auch nicht viel über die Partie reden, weil sonst all jene Dinge angesprochen worden wären, die nicht funktioniert hatten in den 90 Minuten zuvor. So hielten sie sich an die Kurzfassung der Erklärung - und die lautete: 3:0 gewonnen, Ribéry hat zwei Tore geschossen, die Mannschaft kann selbstbewusst in die drei Partien vor der kurzen Winterpause gehen. Sie haben schnell den Teppich gelegt über dieses Spiel, damit niemand den Schmutz bemerkt, der da doch auf dem Boden herumliegt.

So sprach keiner darüber, dass der FC Basel nach 30 Minuten mit 3:0 hätte führen können. Zuerst nahm Xherdan Shaqiri seinem Gegenspieler Breno auf 15 Metern fünf ab, scheiterte jedoch frei am hervorragenden Torhüter Thomas Kraft. Dann schaffte Marco Streller gegen Breno den gleichen Raumgewinn und schoss ebenfalls Kraft an. Und schließlich war sogar Alexander Frei schneller als Breno, aber auch er konnte den Ball nicht im Tor unterbringen. Niemand musste also die Antrittsschwäche des brasilianischen Verteidigers erklären, sondern durfte darauf verweisen, dass die Defensive zu null gespielt habe.

Es musste auch niemand anmerken, dass Franck Ribéry ungefähr 50 Mal mit Dribblings an seinen Gegenspielern scheiterte, dass er die eigene Spielhälfte als nicht zu betretendes Territorium betrachtete und dass seine Hereingaben durchschnittlich 1,6 Meter über die Köpfe seiner Mitspieler huschten. Der Franzose hatte zwei Tore geschossen, das sei gut fürs Selbstbewusstsein, wie Nerlinger anmerkte. Torwart Thomas Kraft merkte deshalb gar an, dass er an diesem Tag froh gewesen sei, nicht gegen Ribéry gespielt zu haben.

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