bedeckt München 18°
vgwortpixel

Champions League: FC Bayern:Sehnsucht nach Kohler

Die großen Saisonziele hat der FC Bayern verpasst - da kann Louis van Gaal auch Trainer bleiben. Die strategischen Konsequenzen, die der Klub aus dem 2:3 gegen Inter Mailand ziehen muss, erweisen sich jedoch als schwierig.

Louis van Gaal starrte den Reporter an. Lange und ausgiebig. Fast bedrohlich, als hätte dieser soeben vor laufender Kamera über die sicherlich formidablen Pfannkuchen von van Gaals Ehefrau Truus gelästert oder noch Schlimmeres von sich gegeben. Tatsächlich wurde der Niederländer nur gefragt, ob er nach der schmerzlichen 2:3-Niederlage gegen Inter Mailand noch Trainer des FC Bayern bleibe. Van Gaal schwieg eisern - und sagte leise: "Ja, natürlich."

FC Bayern Muenchen - Inter Mailand

Nur noch acht Spiele: Bayern-Trainer Louis van Gaal.

(Foto: dapd)

Die Ehe zwischen dem Niederländer und den Bayern ist nach dem Aus in der Champions League endgültig vorbei, mit ihr die Hoffnung auf ein Happy End jeglicher Art. Beiden Parteien bleibt als letztes Ziel, die Qualifikation zur Champions League zu erreichen, das Gesicht zu wahren, bevor es auseinandergeht. "Das war absolut ein Stich ins bayerische Herz", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel: "Aber wir haben das so besprochen und deshalb werden wir auch bis zum Saisonende weiter zusammenarbeiten, um unser Ziel noch zu erreichen."

Übersetzt hieß das: Er ist halt da. Was sollen wir machen?

Für das Erreichen von Ligaplatz drei, dem erklärten Mindestziel, müssen Siege her, schon am Samstag beim SC Freiburg, wenn die Bayern versuchen, den Rückstand auf Hannover (zeitgleich gegen 1899 Hoffenheim) weiter zu reduzieren. "Ich werde alles versuchen, um meine Spieler aus diesem Loch zu holen", erklärte van Gaal mit gleichfalls leerem Blick. Wie das gehen soll, wurde er noch vorsichtig gefragt. Van Gaal: "Das weiß ich auch noch nicht."

Die "unterschiedliche Auffassung über die strategische Ausrichtung", wie es der Klub im Trennungsschreiben an seinen Trainer trocken formulierte, wurde gegen Mailand überdeutlich: Als Franck Ribéry, Thomas Müller und Mario Gomez beste Chancen vergaben, war fast zwangsläufig klar, dass die Tore hinten fallen würden. Van Gaal hat die Bayern zu einer Mannschaft erzogen, für die alle Spiele "hop" oder "top" ausgehen - ein offensives Gebilde, das hinten zusammenbricht, wenn die entlastenden Tore vorne nicht fallen wollen.

Zur allseitigen Überraschung bekannte nach dem Spiel selbst van Gaal: "Die Niederlage war die Konsequenz aus unserer Identität." Deutlicher geht es wohl nicht.

Unter diesem Eindruck scheint die anstehende Verpflichtung eines Trainers wie Jupp Heynckes nur logisch. Der FC Bayern wünscht sich konservativeren Fußball, weniger risikoreich und experimentell. Laut Medienberichten dieser Tage deutet alles auf diese Lösung hin: Heynckes' dritte Amtszeit soll nur noch Formsache sein, die Bayern verhandeln offenbar mit keinem anderen Kandidaten, Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler bekannte längst, dass sein Klub bereits einen "Plan B" in der Tasche habe. Den Plan für die Zeit nach Jupp Heynckes.

FC Bayern: Einzelkritik

Schreikrämpfe nach dem Abpfiff