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Aus für den FC Bayern:Ein Tor zu wenig fürs Halbfinale

Champions League - Quarter Final Second Leg - Paris St Germain v Bayern Munich

Diesmal im Viertelfinale raus: Thomas Müller und der FC Bayern.

(Foto: Christian Hartmann/REUTERS)

Der Titelverteidiger ist raus: Der FC Bayern gewinnt zwar das Rückspiel in Paris - das reicht aber nicht fürs Weiterkommen. Nach sechs Titeln in der Vorsaison gibt es diesmal maximal einen.

Von Sebastian Fischer

Der Ball flog ihm auf Kopfhöhe entgegen, er hatte keine Wahl, aber es war nicht die Nacht von Lissabon, es war nicht das Champions-League-Finale 2020. Und so gelang es Kingsley Coman, dem Flügelspieler des FC Bayern, diesmal ausnahmsweise nicht, auch mit seinem Kopf Herausragendes mit dem Ball anzustellen. Damals, im August des vergangenen Jahres, hatte er mit einem Kopfball das 1:0 im Finale gegen Paris erzielt, es war das Tor zum Titel. Diesmal, in der Nachspielzeit des Viertelfinal-Rückspiels, lenkte er den Ball nach einer Flanke von Leroy Sané nicht mal in die Richtung des gegnerischen Tores. Und wie so vieles, was die Münchner am Dienstagabend versuchten, war das zu harmlos.

Es war am Ende die naheliegendste aller Erklärungen, mit der der Titelverteidiger, der FC Bayern, im Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain aus der Champions League ausschied. Es war nicht der Streit zwischen Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Trainer Hansi Flick, der die Mannschaft in den vergangenen Tagen vom Wesentlichen abzulenken drohte. Es waren nicht mal die gegnerischen Wunderstürmer, Kylian Mbappé und Neymar, die das Hinspiel entschieden hatten, als die Bayern 2:3 verloren, und die auch im Rückspiel überragten.

Es war am Ende die Münchner Offensive, ersatzgeschwächt durch das Fehlen des verletzten Weltfußballers Robert Lewandowski, der das entscheidende Bisschen fehlte, um noch ein Tor zu schießen. 1:0 (1:0) gewannen die Münchner in Paris, doch das reichte nicht.

"Im Hinspiel in München hatten wir bei den vielen Chancen einfach zu wenig Tore gemacht", sagte Flick. "Wir waren in beiden Spielen die bessere Mannschaft. Wir hatten Pech, dass wichtige Spieler nicht dabei waren. Die Mannschaft hat alles probiert, war aber nicht ganz so entschlossen. Wir müssen das jetzt akzeptieren." Er müsse seiner Mannschaft aber trotzdem ein Kompliment machen.

Zwischen der 34. und 39. Minute trifft Neymar dreimal Pfosten oder Latte

31:6, so hatte die Torschussbilanz nach dem Hinspiel aus Sicht der Bayern gelautet, weshalb Flick sich für das Rückspiel die Effizienz der Pariser gewünscht hatte. Zunächst mal ließ seine Mannschaft dann aber auch ähnlich viele Chancen zu, wie es der Gegner in der vergangenen Woche in München getan hatte. Nach drei Minuten war Mbappé zum ersten Mal der Münchner Abwehr davongelaufen.

Im Hinspiel hatte der französische Nationalstürmer so früh schon die Führung erzielt, diesmal schoss er aus ähnlicher Position halb rechts im Münchner Strafraum am Tor vorbei. Nach neun Minuten tauchte dann auch der zweite gefürchtete Pariser Angreifer bereits erstmals vor Manuel Neuer auf: Neymar scheiterte nach Vorlage von Mbappé am Münchner Torhüter. Und so ging es dann erst mal weiter, nur dass auch Neuer Glück hatte. Zwischen der 34. und 39. Minute traf der Brasilianer dreimal Pfosten oder Latte. Lucas Hernández, sein Gegenspieler, schien zwischenzeitlich vor lauter Übersteigern die Orientierung zu verlieren. Neymar kam von links, von rechts, aus der Mitte, er schoss von nah und von fern, aber er traf nicht. Und dann trafen stattdessen die Münchner. Die erste Halbzeit war schon fast vorbei, da ging der Plan der Bayern doch noch auf, halbwegs frühzeitig in Führung zu gehen.

Flick nutzt seine einzige echte Option und bringt Jamal Musiala

Es war, ganz passend als Antwort auf die Pariser Fußballkunst, ein über die Linie gekämpfter Treffer: Nachdem David Alaba aus kurzer Distanz noch gegen den stark reagierenden Pariser Torwart Keylor Navas vergeben hatte, stürzte sich Eric Maxim Choupo-Moting, der Lewandowski-Ersatz im Angriff, auf den abgeprallten Ball und drückte ihn mit dem Kopf über die Linie.

Das Spiel änderte sich dadurch allerdings auch in der zweiten Hälfte nicht: Es blieben die Pariser, die den besseren Fußball boten, schon in der 53. Minute lag Neymar wieder im Münchner Fünfmeterraum und schien die Welt nicht mehr zu verstehen. Nach Vorlage von Ángel di Maria, dem dritten überragenden Offensivakteur auf dem Platz, rutschte er nur Zentimeter vorbei am Ball, den er mit einer Berührung ins leere Tor verlängert hätte.

Wie sehr den Offensivspielern der Pariser dieses Spiel gefiel, das war nicht nur an ihren Aktionen im Strafraum zu sehen, sondern auch mal im Mittelfeld, wenn sie ganz spontan Pässe mit der Hacke spielten. Sie schienen sich das erlauben zu können, weil auch die Abwehr der Franzosen weitaus besser stand als im Hinspiel, nicht mehr so unterlegen auf den Flügeln, überhaupt besser gestaffelt. Und selbst Mbappé, manchmal gar Neymar arbeiteten mit nach hinten. Chancen für die Bayern blieben rar.

Viel konnte Flick nicht tun, um seiner Mannschaft noch einen neuen Impuls mitzugeben, in der 71. Minute zog er seine im Grunde einzige Option und brachte Jamal Musiala, 18, den einzigen offensiven unter den Auswechselspielern. Schon der Startelf der Bayern waren die Strapazen dieser Tage ja deutlich anzumerken gewesen, noch deutlicher, als es das Abschlusstraining tags zuvor hatte vermuten lassen. Leon Goretzka hatte da noch mitgemacht, der zuletzt mit muskulären Problemen ausgefallene Mittelfeldspieler. In Paris saß er noch nicht mal auf der Bank. Dort saßen nur insgesamt sieben Spieler, von denen zwei üblicherweise zum Kader der zweiten Mannschaft gehören: Josip Stanisic und Maximilian Zaiser.

Im Mittelfeld begann neben Joshua Kimmich der Österreicher Alaba, sonst Abwehrchef. Als Innenverteidiger vertrat ihn Hernández, sonst meist Linksverteidiger. Und vor allem musste es in der Offensive ohne Lewandowski und den positiv auf Corona getesteten Nationalspieler Serge Gnabry gelingen, mindestens zwei Tore zu schießen. Auch wenn die Münchner in den Schlussminuten noch mal auf den Treffer drängten, schossen sie diesmal nur viermal mehr aufs Tor als der Gegner - und im Zweifel endeten ihre Versuche in den Armen des Pariser Torwarts Navas.

© SZ/ebc
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