FC Bayern:La Paloma muss warten

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Women's Champions League - Group D - Olympique Lyonnais v Bayern Munich

"Sie ist eine extrem wichtige Spielerin für uns": Bayern Münchens Österreicherin Sarah Zadrazil (links) verliert dennoch das Laufduell gegen Lyons Perle Morroni.

(Foto: Denis Balibouse/Reuters)

Die Bayern-Fußballerinnen verlieren das Champions-League-Spitzenspiel gegen Olympique Lyon - für die Feinanalyse bleibt aber kaum Zeit: Am Samstag treffen sie in der Bundesliga auf ihren großen Titel-Konkurrenten.

Von Anna Dreher

Die letzten Minuten liefen und es lag diese Spannung in der Luft - ein Vorbote dafür, dass gleich noch etwas passieren würde. Gerade hatten die Fußballerinnen des FC Bayern aufatmen können, der Ball war ein Stück am Tor vorbeigerauscht, obwohl er von Ada Hegerberg auf die Reise geschickt worden war. Die 26 Jahre alte Norwegerin hatte im Oktober nach 256 Tagen Verletzungspause ihr Comeback gegeben, nun wurde die Rekordtorschützin dieses Wettbewerbs auch gegen die Münchnerinnen am Mittwochabend in der Champions League eingewechselt. Allein, ihr 54. Tor in der Königsklasse geschossen hat die Stürmerin nicht. Aber das mit dem Treffer hat dann einfach Amandine Henry in der 86. Minute übernommen. Und damit war kurz vor Schluss genau das passiert, was der FC Bayern gerne verhindert hätte: 1:2-Niederlage, keine Punkte im dritten Gruppenspiel.

"Wir haben unerklärlicherweise nicht das Spiel gezeigt, was wir eigentlich zeigen wollten. Wir haben uns beeindrucken lassen von einem starken Gegner", sagte Trainer Jens Scheuer später. "So paradox es klingen mag, finde ich, dass wir eine viel bessere zweite Hälfte gespielt haben. Da hätten wir einen Punkt verdient." Sein Team war durch ein Eigentor von Kadeisha Buchanan (25. Minute) in Führung gegangen, verteidigte nach der Pause jedoch bei Janice Cayman (50.) und Henry zu unaufmerksam - und ist nun gewarnt, diese Nachlässigkeit bei Standards schleunigst abzulegen.

Denn auf den internationalen Höhepunkt gegen den siebenmaligen Champion folgt am Samstag (14 Uhr, BR/NDR) das nationale Spitzentreffen gegen den VfL Wolfsburg. "Wir haben keine Pausen dazwischen, wo wir die Füße hochlegen und La Paloma pfeifen können", sagte Scheuer in dieser Woche angesichts des bevorstehenden Programms.

Die Wolfsburgerinnen sind ebenfalls enttäuscht zurückgereist

Nur zwei Punkte trennen die Titelkonkurrenten voneinander. Es ist eine entscheidende Partie für den Verlauf dieser Bundesliga-Saison, die dann zwar erst acht Spieltage alt sein wird, sich aber bisher nicht gerade durch große Abstände zwischen den Klubs in der oberen Tabellenhälfte auszeichnet. Knapp war es in den vergangenen Jahren an der Spitze schließlich oft, diese Runde dürfte da keine Ausnahme bilden. "Das ist toll. Es ist ein Bild, das unsere Liga zu recht repräsentiert", hat Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg dazu schon gesagt. "Sie ist gerade mega spannend." München liegt mit 18 Zählern vorne, dahinter folgen Wolfsburg und Hoffenheim mit jeweils 16. Der Überraschungsvierte Bayer Leverkusen kommt auf 15 Punkte, wie auch Turbine Potsdam und Eintracht Frankfurt - der bislang einzige Gegner neben Lyon, der die Bayern seit dem Sommer besiegen konnte.

Und welche Niederlage da womöglich mehr geschmerzt hat, steht zumindest aus Sicht von einem schon fest. "Die deutsche Meisterschaft hat für mich höchste Priorität, weil es ein langer Weg dorthin ist, das ist der ehrlichste Titel", hatte Scheuer in diesen Tagen gesagt und gleichzeitig die Zielvorgabe für das Wochenende und darüber hinaus in der Liga vorgegeben: "Wir sind die Nummer eins und wollen das auch bleiben." Die Ausgangslage der Wolfsburgerinnen ist zumindest eine ähnliche. Denn die sind ebenfalls enttäuscht zurück nach Deutschland gereist, wenn auch nach dem 2:2 bei Juventus Turin wenigstens mit einem Punkt. Die ohnehin große Motivation beider Teams bei diesem Aufeinandertreffen dürfte durch die jüngsten Reiseerlebnisse jedenfalls nur weiter angestachelt worden sein. München will seinen Titel verteidigen, der VfL diesen zurückerobern.

"Sie ist eine extrem wichtige Spielerin für uns", sagt Bayern-Trainer Scheuer über Zadrazil

Dass der FC Bayern nicht - wie zuvor befürchtet - auf Sara Zadrazil verzichten muss, wird das in den vergangenen Monaten aufgebaute Selbstbewusstsein des deutschen Meisters zusätzlich stärken. Scheuer hebt wie die meisten Trainer ungern einzelne Spielerinnen hervor, aber vor der Partie gegen Lyon machte er in diesem Fall eine Ausnahme. "Sarah hat sich gegen Essen das Knie überstreckt und hat Probleme. Wir müssen abwarten, ob sie spielen kann", sagte der 43-Jährige mit einem Gesichtsausdruck, der verriet, wie ungern er auf die Österreicherin verzichten würde - was er dann auch in Worte fasste: "Sie ist eine extrem wichtige Spielerin für uns."

Gegen Lyon bildete Zadrazil mit Lina Magull im Mittelfeld eine zuverlässige Zentrale und war zudem an allen möglichen Ecken des Platzes zu finden. Nur die Torwartposition überließ sie großzügig Laura Benkarth, ansonsten aber: defensiv, offensiv - überall aktiv. Bei ihr war dieser unbedingte Wille besonders erkennbar, den Scheuer stets fordert und der auch gegen Wolfsburg vonnöten sein wird. Nun muss Scheuer abwägen, wie dringend und wie lange er Schlüsselspielerinnen wie Zadrazil gegen den VfL angesichts des am Mittwoch im Campus-Stadion (21 Uhr, Dazn) bevorstehenden Rückspiels gegen Lyon braucht: "Die Belastung ist gerade für manche enorm hoch. Das macht es schwierig für mich, die Mädels so zu belasten, dass keine Verletzung entstehen kann. Aber den Erfolg muss man ja immer im Auge haben." Und die Wolfsburgerinnen bei Standards sowieso.

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