Champions League: FC Bayern Kommt ein Verteidiger von Atlético Madrid?

"Eine Niederlage hat nie etwas Gutes, aber mit dieser Niederlage kann der FC Bayern leben", erklärte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Man solle mit der Situation "gelassen umgehen". Präsident Uli Hoeneß und Trainer Louis van Gaal saßen lange zusammen und sprachen miteinander. Es sah nach einem ruhigen, sachlichen Gespräch aus. Ausgerechnet die beiden Streithähne der vergangenen Wochen, die beiden Männer mit dem großen Ego, die sich über die Medien so einiges an den Kopf geworfen hatten, diese beiden Männer demonstrierten nach der Niederlage in Rom ihre Einheit. Die Macher des Klubs bemühten sich, die Lage zu beruhigen.

Enttäuscht in Rom: Philipp Lahm.

(Foto: dpa)

Nach dem unerfreulichen Abend im Stadio Olimpico gab es auch Gründe, keine Panik zu schüren. Zunächst die Tatsache, dass der Verein trotz der Niederlage die Gruppe E als Erster abschließen wird. Außerdem ist der FC Bayern im November nicht mehr zu vergleichen mit dem rauschhaften Gefüge im April und Mai. Damals tragende Säulen wie Arjen Robben und Mark van Bommel sind verletzt, der in der neuen Saison beste Verteidiger Holger Badstuber auch. Der bislang beste Spieler überhaupt, Bastian Schweinsteiger, war in Rom gesperrt.

Die Verletzungen von Ivica Olic und Miroslav Klose wiegen angesichts der Torflut des Konkurrenten Gomez derzeit nicht so stark. Dafür aber das anhaltende Formtief von Philipp Lahm, die Unsicherheiten der Innenverteidiger Van Buyten und Demichelis, die neue Wechselhaftigkeit von Thomas Müller. Die Hoffnung, Franck Ribéry würde nach zwei Monaten Verletzungspause zurückkommen und gleich wieder die Abwehrreihen schwindlig dribbeln, zerschlug sich. Ribéry blieb auch in Rom ungewohnt oft an einem einzigen Gegenspieler hängen, früher hatte er es locker mit drei aufgenommen.

Angesichts der ständigen Verfehlungen in der Defensive fahnden die Münchner inzwischen offenbar intensiver nach neuen Profis. Zuletzt schwärmte der französische Linksverteidiger Benoît Trémoulinas (Girondins Bordeaux) vom FC Bayern, er wäre "natürlich interessiert", sollte sich der Klub melden. Nun berichteten mehrere spanische Medien, die Bayern wollten Alvaro Domínguez, 21-jähriger Innenverteidiger von Atlético Madrid, verpflichten.

In der römischen Nacht kam aber auch deshalb Harmonie auf, weil Hoeneß und van Gaal antizyklisch denkende Führungskräfte sind. Ihre Mannschaft lag am Boden, ihr Verein erlebt turbulente Zeiten durch 14 Punkte Rückstand auf Platz eins in der Bundesliga oder durch Klagen Ribérys über den Trainer. Da wissen beide instinktiv, dass nun nur demonstrative Ruhe hilft.

Und vor allem ein Sieg im nächsten Spiel. Am Samstag kommt Eintracht Frankfurt, Tabellennachbar auf Platz sieben, in die Münchner Arena. Und zur Beunruhigung sendete allein Thomas Müller ein verbales SOS-Signal: "Wir sagen uns ja in der Halbzeit nicht: Wir führen 2:0, wir gehen jetzt raus und spielen Larifari. Doch schon zum wiederholten Mal haben wir einfach zu viele Schwächen offenbart. Wenn wir die nicht abstellen, werden wir gegen jeden Gegner - egal wie er heißt - Probleme haben."