
Spätestens als Kapitän Manuel Neuer sich den Champions-League-Pokal schnappt und in den Nachthimmel von Lissabon streckt, ist die Titelfeier des FC Bayern eröffnet. Die Freude über das zweite Triple nach 2013 liefert einige schöne Szenen ...

Nach dem Pokal fliegt der Trainer in die Luft. Hansi Flick, der nicht dafür bekannt ist, sich in den Mittelpunkt zu stellen, zieht alle Blicke auf sich.

Direkt nach dem Abpfiff überwältigen die Emotionen viele Spieler. Thiago sinkt auf den Rasen des Estadio da Luz, Philippe Coutinho und Javi Martínez kommen zum Gratulieren. Für Thiago war es wahrscheinlich das letzte Spiel mit den Münchnern, ihn zieht es nach England. Seinen nahenden Abschied vergoldet er sich mit dem Henkelpott.

Auch woanders auf dem Platz beginnt das Gruppenkuscheln. Sportvorstand Hasan Salihamidzic schnappt sich Robert Lewandowski und Serge Gnabry.

Gnabry gesellt sich dann auch zu Joshua Kimmich. Die beiden sind nicht nur Mitspieler, sondern Freunde. Das Vollbrachte überwältigt sie, muss erst einmal sacken. Wie zwei Schüler, die es nicht fassen können, mit einem großen Streich davon gekommen zu sein, liegen sie auf dem Champions-League-Rasen.

Auch Robert Lewandowski geht ganz tief in sich. Er ist dem Traum vom Champions-League-Triumph lange hinterhergejagt. 2013 war er mit Dortmund ganz nah dran, unterlag im Endspiel aber den Bayern. Er quälte sich mit Verletzungen durch K.o.-Spiele, sah sich mit Kritik konfrontiert, dass er in jenen Partien aber nicht oft genug trifft. Nun ist er am Ziel angekommen, zwar ohne Treffer im Finale, aber als Torschützenkönig der Königsklasse.

Auch für die Unterlegenen ist Zeit. Hansi Flick und David Alaba versuchen Neymar zu trösten. Seine Tränen sind noch schwieriger zu stoppen als der unbändige Stürmer selbst. Aber die Geste zählt.

Manuel Neuer geht auf Souvenierjagd. Mit einer Schere löst er das Tornetz von den Pfosten. Warum auch nicht? Nach Neuers Leistung in diesem Finale muss man sagen: Im Grund ist das Netz eh nutzlos - der Bayern-Torwart hält ja jeden Schuss, der auf sein Tor fliegt.

Das Netz wird wie der Erfolg geteilt in dieser Mannschaft, die sich durch eine besondere Verschworenheit auszeichnet.

Lucas Hernandez zeigt gewissermaßen, dass Flicks Bayern immer nur den Pokal im Kopf hatten - oder andersrum.

Für den französischen Weltmeister gibt es noch eine spezielle Trainingseinheit: Mit Holger Broich, dem Fitnesstrainer der Bayern, sprintet er den Pokal tragend durch den Konfetti-Teppich. Schult mit Sicherheit die Koordination.

David Alaba hatte noch eine Botschaft. "Black Lives still matter" - die Botschaft der Anti-Rassismus und Anti-Polizeigewalt-Proteste in den USA. Schon in der Bundesliga hatten sich Profis wie Dortmunds Jadon Sancho dazu bekannt. Alaba nutzt nun die größtmögliche Bühne, um daran zu erinnern.