Champions League Der FC Bayern kann von Liverpool lernen

Liverpools Sadio Mané dribbelt, bedrängt von Reals Sergio Ramos (l.) und Nacho Fernandez.

(Foto: Getty Images)

Europas Topklubs werden ihre Schlüsse aus dem Champions-League-Finale ziehen. Eine Erkenntnis für die Münchner ist, genauer hinzuschauen: Liverpools Torschütze spielte einst vor ihrer Haustür.

Kommentar von Christof Kneer

Für die deutschen Nationalspieler, die nebenbei noch beim FC Bayern angestellt sind, war das ein verlorener Abend. Zwar haben sie gewiss versucht, sich vor dem Fernseher halbwegs gemütlich einzurichten, aber das dürfte ihnen im WM-Trainingslager in Südtirol nicht so leicht gefallen sein wie etwa dem Kollegen Sami Khedira. Er drücke Real Madrid die Daumen, meinte Khedira vor dem Finale der Champions League, tolle Idee, er hat ja lange für Real gespielt.

Für die Bayern-Spieler war Khedira jedenfalls keine Hilfe, für wen sollten sie bloß sein an diesem Abend? Für Real, weil dort ihr Kumpel Toni Kroos spielt und weil sie dann wenigstens behaupten könnten, sie seien gegen den Sieger des Wettbewerbs ausgeschieden? Oder doch für Liverpool, damit endlich mal einer kommt und die Spanier für ihr zynisches Spiel bestraft? Und damit ein deutscher Trainer triumphiert, auch wenn dieser deutsche Trainer mal ein Dortmunder Trainer war?

Einfach wie Real Madrid sein? Wäre womöglich auch keine Erfolgsgarantie

Schwierig, schwierig, so ein Gefühlsleben, wenn man Bayern-Profi ist und sich das Champions-League-Finale anschaut. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, diesen emotionalen Konflikt aufzulösen: Entweder man ist zufällig Mats Hummels, dann kann man sich wegen der gemeinsamen BVB-Vergangenheit für Klopp freuen. Oder man kommt auf die Idee, ausnahmsweise mal wieder das Halbfinale zu überstehen und den Titel selber zu holen.

Der FC Bayern und alle anderen europäischen Topvereine werden nun versuchen, ihre Schlüsse aus diesem Finale zu ziehen. Der naheliegende Schluss wäre, künftig einfach Real Madrid zu sein, was womöglich aber auch keine Erfolgsgarantie mehr wäre. Das Abschiedsgeraune von Ronaldo & Bale dürfte der letzte Beweis dafür sein, dass der Zyklus dieser großen Real-Elf an seinem Ende angelangt ist. Das allein ist für den FC Bayern aber noch keine gute Nachricht, denn die Spanier werden versuchen, sich nach Art des Hauses einen neuen Zyklus zu erkaufen; und sie werden dabei in Konkurrenz treten mit dem neuen Geld aus England, das allmählich gefährlich werden dürfte, weil die englischen Klubs ihr Geprotze inzwischen mit Strategien unterlegen.

Auf diese Art von finanziellem Wettrüsten werden sich die Bayern und der deutsche Fußball nicht einlassen dürfen, es wäre keine Lösung, nun 100 Millionen für Bale oder Antoine Griezmann auszugeben. Die Lösung liegt eher im Angriff des FC Liverpool: Sadio Mané hat zwei Jahre vor Bayerns Haustür in Salzburg gespielt, Mo Salah war in Basel, Florenz und Rom, bevor er sich in Liverpool zu einem imposanten Stürmer entwickelte. Weltstars erkennen, bevor sie welche werden: Das ist der kreativste und gesündeste Weg zum Gipfel, und er ist übrigens teuer genug.

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