Champions League:Debatte um Torhüter Roman Bürki

Die ärmliche Darbietung in Nikosia lässt die Frage dringlicher erscheinen, die bereits nach dem glücklichen Sieg in Augsburg und der Heimniederlage gegen Leipzig aufpoppte: Wie weit klaffen Anspruch und Wirklichkeit bei Borussia Dortmund im beginnenden Herbst auseinander?

Vor zwei Wochen hatte Bosz noch betont, er sei positiv überrascht, wie schnell die Mannschaft seine Idee von Fußball verinnerlicht habe und wie gut es ihr gelinge, die Marschroute von Ballbesitz und Vorwärtsverteidigung umzusetzen. Nun klingt die Selbsteinschätzung ein wenig anders: "Im Fußball ist es unmöglich, dass man in jedem Spiel super spielt", sagte der Niederländer: "Aber zwei Mal in Folge nicht zu gewinnen, das darf einer Mannschaft wie Borussia Dortmund nicht passieren."

Auffallend war in Nikosia die spielerische Armut, mit der das Team des BVB versuchte, seinen spielerisch limitierten Gegner in die Schranken zu weisen. "Das war nicht zwingend genug, gerade in der letzten Zone vor dem Tor", monierte Götze: "Da musst du mehr draus machen." Und der zurückgekehrte Kapitän Marcel Schmelzer ergänzte: "Das war heute nicht gut von uns, das war einfach nur wild. Das darf in der Champions League einfach nicht passieren."

"Roman ist ganz klar unsere Nummer eins"

Über die hochstehende Abwehr, die immer wieder Gefahr läuft, überlaufen zu werden, wurde bereits nach der Heimniederlage gegen Leipzig diskutiert. Nun kommt noch die Debatte um Torhüter Roman Bürki dazu. Der Schweizer patzte vor dem Führungstreffer für Nikosia gleich zwei Mal, als er zuerst unbedrängt einen Fehlpass spielte und dann auch noch einen Schuss nach vorne abprallen ließ. Es war nicht die erste Fehlleistung des Keepers, dessen Eignung für höhere Aufgaben oft infrage gestellt wird. Auf einen solchen Exkurs wollen sie sich beim BVB jedoch nicht einlassen. "Bei uns in der Mannschaft und bei uns im Verein gibt es gar keine Diskussionen", sagte Kapitän Schmelzer: "Roman ist ganz klar unsere Nummer eins."

Es gehe darum, Ruhe zu bewahren nach den letzten Rückschlägen. Zwei Niederlagen und ein Remis, das ist die magere Ausbeute der Borussia nach drei Spielen in der Champions League. Das börsenorientierte Unternehmen hatte sich in der Rolle gesehen, hinter dem Favoriten Real Madrid mit den Tottenham Hotspurs um Platz zwei in seiner Gruppe zu streiten. Doch diese Gedankenspiele sind nur noch Makulatur. "Ich bin Realist", sagt Sportdirektor Zorc: "Es geht jetzt darum, den dritten Platz abzusichern." Das sieht Bosz ähnlich: "Wir müssen ehrlich sein: Das Achtelfinale zu erreichen, wird sehr schwer."

© SZ.de/sonn/lala
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