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Eric Maxim Choupo-Moting bei PSG:Er kriegt sie alle

Gefeiert von Neymar: Eric Maxim Choupo-Moting hat Paris ins Halbfinale geschossen.

(Foto: AP)

Der Stürmer wird nach seinem Siegtreffer in der Champions League von Neymar als "Man of the Match" geadelt. In Paris haben ihn die Stars schnell als ihresgleichen akzeptiert.

Von Christof Kneer

Es wäre Neymar zu wünschen, dass er die Geschichte nicht kennt. Und man darf da wohl optimistisch sein: Wieso sollte dieser Weltstar Geschichten kennen, in denen der HSV vorkommt? Wieso sollte Neymar der Arbeitsvertrag interessieren, der am 31. Januar 2011 von Hamburg nach Köln gefaxt wurde, aber nur zur Hälfte dort ankam? Es fehlte ausgerechnet die Seite mit der Unterschrift des Spielers, panisch wurde weitergefaxt, am Ende erreichte das Papier die zuständigen Stellen 13 Minuten zu spät. Der Wechsel des Stürmers Eric Maxim Choupo-Moting vom HSV zum 1. FC Köln war geplatzt, und all diejenigen, die in dieser Branche gern schadenfroh sind, lachten. Also alle.

Choupo-Moting, eine Lachnummer, wegen technischer Probleme? Schon lustig aus heutiger Sicht. Denn genau das - technische Probleme - hat dieser bemerkenswert begabte Spieler eigentlich nie.

Hoffentlich in Unkenntnis dieser Geschichte hat Neymar, der Weltstar, nun also die Man-of-the-Match-Trophäe weitergereicht, die sie ihm nach dem Sieg gegen Bergamo in die Hand gedrückt hatten. Er reichte sie ohne technische Probleme weiter an den bärtigen Mann, der mit einem immensen Grinsen neben ihm stand. In der 93. Minute hatte Choupo-Moting das Siegtor für Paris St. Germain erzielt, nachdem er drei Minuten zuvor den Ausgleich eingeleitet hatte. Am einen Tor war Neymar beteiligt, am anderen Neymar gemeinsam mit Kylian Mbappé.

In vorzügliche Gesellschaft ist Choupo-Moting da geraten, mit 31 Jahren, und das Erstaunliche an dieser Geschichte ist, dass sich nicht nur Choupo-Moting in der Gesellschaft dieser Berühmtheiten wohlfühlt. Es ist schon auch umgekehrt.

Es hat noch ein schönes Bild nach dem Abpfiff gegeben, Choupo-Moting im Engtanz mit Trainer Thomas Tuchel, die beiden kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei Mainz 05. Vielleicht haben sie sich in diesem Moment noch mal an den Beginn der irren Geschichte erinnert: Wie Tuchel im Frühsommer 2018 bei Choupo-Moting anrief, der gerade mit Stoke City abgestiegen war; wie Tuchel sagte, du, Maxim, warte noch mit einem Wechsel, ich hab' da 'ne Trainerstelle in Aussicht und vielleicht 'ne verrückte Idee. Wie Tuchel dann tatsächlich Trainer in Paris wurde und Choupo-Moting ablösefrei dorthin holte. Keiner kannte den Spieler in Paris, obwohl er für Schalke auch mal kurz in der Champions League spielte.

Tuchel wusste, was Choupo-Moting - Vater Kameruner, Mutter Deutsche - einer Mannschaft geben kann, neben seinem außergewöhnlichen, oft unterschätzten Offensivtalent. Tuchel hat Choupo-Moting in Mainz als hochintegrativen Charakter kennengelernt, er konnte mit allen, alle konnten mit ihm - wär' das also nicht einer für die Patchwork-Weltelf in Paris, in der Cavani misstrauisch auf Neymar schaut und umgekehrt?

Choupo-Moting hat sie alle gekriegt. Alle konnten mit ihm, er konnte mit allen. Vor allem die Superstars haben ihn schnell ins Herz geschlossen, sie haben schnell gemerkt, wie unfassbar veranlagt dieser lässige Neue ist. Beim Rondo, dem legendären Trainings-Kreisspielchen, wollten Neymar und Mbappé von Anfang an Choupo-Moting dabei haben, sie haben ihn bald als ihresgleichen akzeptiert.

Choupo-Motings Vertrag wird mit Ende des Turniers auslaufen, seine Zukunft ist offen. Ein Spieler, der trotz einer Größe von 1,91 Metern geschmeidig dribbeln kann, dürfte trotz widerspenstiger Faxgeräte seinen Markt finden, aber vielleicht wird Neymar beim Klub auch hinterlegen, dass er seinen Man of the Match gerne behalten würde.

© SZ vom 14.08.2020/tbr
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