BVB in der Champions League:Endlich ein Tor vom 30-Millionen-Stürmer

28.09.2021 - Fußball, 2021/2022, UEFA UEFA Champions League, 2. Spieltag, Borussia Dortmund - Sporting Lissabon: (L-R); Malen Bellingham Dortmund

Es geht doch: Jude Bellingham (links) und Donyell Malen feiern ihre Koproduktion zum Dortmund Siegtreffer.

(Foto: Noah Wedel/Imago)

Acht Stunden und 42 Minuten ist Donyell Malen an keinem einzigen Dortmunder Tor beteiligt - dann trifft er zum Sieg gegen Lissabon. In der Champions League steuert der BVB nun auf ein Gipfeltreffen zu.

Von Ulrich Hartmann

Marco Reus wirkte eigentlich recht einverstanden, als er sagte: "Das war nicht unsere beste Saisonleistung." Marco Rose klang ziemlich zufrieden, als er eingestand: "Es war kein Spektakel." Und Mats Hummels zog gar ein positives Fazit, als er sagte: "Man muss ja auch nicht immer zaubern."

Recht hatten sie alle drei. Beim 1:0 (1:0)-Sieg im zweiten Champions-League-Gruppenspiel gegen Sporting Lissabon zeigte Borussia Dortmund nicht seine beste Saisonleistung, führte kein Spektakel auf und verzichtete darauf zu zaubern. Bloß: Absicht war das alles natürlich nicht.

Am Ende lobten sie bloß ihre gute Organisation und ein zuverlässiges Gegenpressing. Letzteres, die Ballzurückeroberung nach Ballverlusten, war in dieser Intensität natürlich nur deshalb nötig, weil eben so viele Bälle verloren wurden gegen clever verteidigende Portugiesen. Sieben Mal liefen die Dortmunder ins Abseits, drei Mal wurden ihnen Treffer deswegen aberkannt. "Zu Null ist ein wichtiger Faktor", sagte schließlich Trainer Rose, "zu Null haben wir seit dem Pokalspiel in Wiesbaden nicht mehr gespielt."

"Wir merken, dass wir uns nach vorne ein bisschen neu erfinden müssen", sagt Trainer Rose

Fast zwei Monate ist das her. Acht Pflichtspiele mit immer mindestens einem Gegentor und in der Summe sogar 16 Gegentreffern hatten die Mannschaft und ihren Trainer bisweilen der Verzweiflung nahe gebracht. Deshalb war die Erleichterung diesmal umso größer. Sporting freilich, das schon seine Auftaktpartie daheim gegen Ajax Amsterdam mit 1:5 verloren hatte, war offensiv recht einfallslos. Auf ihrem linken Trikot-Ärmel hatten die Männer aus Lissabon zwar "Superbock" stehen, aber diese vermeintliche Riesenlust entpuppte sich als profane Werbung für portugiesisches Bier.

Weil Erling Haaland wegen muskulärer Probleme wie schon bei der 0:1-Niederlage in der Bundesliga gegen Gladbach ausfiel, krankte das Dortmunder Offensivspiel wieder an Wucht und Effektivität. Zu umständlich rollte der Ball rund um den Strafraum, zu wenige Räume wurden aufgerissen und genutzt. "Wir merken, dass wir uns nach vorne gerade ein bisschen neu erfinden müssen", sagte hinterher der Trainer Rose, und das war leider ein subtil formuliertes Eingeständnis dafür, dass diese Mannschaft ohne Haaland nach vorne eigentlich viel zu wenig hinbekommt.

Aber nur eigentlich. Denn den einen wichtigen Treffer zum Minimalsieg haben sie ja trotzdem erzielt, und zu diesem Zwecke traf es sich, dass der Zugang von der PSV Eindhoven, der 22 Jahre alte Stürmer Donyell Malen, in seinem zehnten Pflichtspiel für Dortmund endlich sein erstes Tor erzielte und damit auch seinen ersten Scorerpunkt, denn nicht einmal eine Vorlage war ihm zuvor gelungen. "Donny hatte sich schon ein paar Gedanken gemacht", sagte Rose. 30 Millionen hatte sich der BVB Malen kosten lassen, und für 30 Millionen will man keinen Stürmer sehen, der acht Stunden und 42 Minuten lang an keinem einzigen Treffer beteiligt ist.

So war es aber bei Malen. 522 Minuten lang suchte er die Bindung zum Dortmunder Spiel, und wenn er sie auch am Dienstagabend so richtig noch nicht gefunden hat, so war es ihm in der 37. Minute wenigstens vergönnt, den besten, wirklich schnellen und präzisen Angriff der Borussen zum goldenen Treffer zu verwerten. Einen Pass vom knapp hinter der Mittellinie stehenden Innenverteidiger Manuel Akanji ins Zentrum vor dem gegnerischen Strafraum nahm Jude Bellingham an, um ihn mit dem zweiten Kontakt sofort schnell weiter steil zu Malen in den Strafraum zu spielen. Der lief im Strafraum rechter Hand ein paar Schritte mit dem Ball und schob ihn aus dem Lauf diagonal flach links unten ins Tor. Das war schon sehr gut gemacht.

Zum Spitzentreffen in der Amsterdam-Arena wird Donyell Malen besonders motiviert sein

Nach 522 Pflichtspielminuten im Dortmunder Trikot hatte Haaland Anfang 2020 zwar bereits zwölf Treffer auf dem Konto, aber Vergleiche mit einem Außerirdischen helfen einem bodenständigen Stürmer wie Malen natürlich auch nicht weiter. Am kommenden Samstag gegen den FC Augsburg wird der Niederländer versuchen, seinem ersten Treffer gleich auch den zweiten folgen zu lassen. Und ganz besonders motiviert wird er sicher sein, wenn seine Dortmunder am 19. Oktober bei Ajax Amsterdam das dritte Champions-League-Gruppenspiel bestreiten.

In der Amsterdam-Arena, in der an jenem Dienstag die beiden Sechs-Punkte-Teams um die Gruppen-Herbstmeisterschaft spielen, bestreitet Malen mit Oranje normalerweise Länderspiele. Am 19. Oktober wird er dem niederländischen Publikum beweisen wollen, wie weit er schon ist beim BVB. Doch dafür sollte er unbedingt noch eine Schippe drauflegen. Idealerweise würde er dann seine beste Saisonleistung zeigen, ein Spektakel aufführen und ein bisschen zaubern. Darüber würde sich niemand aufregen.

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