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Champions League: Bremen - Genua:Auch ohne Özil erfolgreich

Werder Bremen gewinnt gegen Sampdoria Genua und sollte die Champions League erreichen - das eröffnet Manager Klaus Allofs die Möglichkeit für weitere Zukäufe.

Jürgen Schmieder

Es war ein Treffer, auf den Mesut Özil seit dem WM-Spiel gegen Ghana das Urheberrecht hat: Clemens Fritz bekam 20 Meter vor dem Tor nach einem Fehler eines Innenverteidigers von Sampdoria Genua den Ball, er legte ihn sich kurz vor und drosch das Spielgerät dann mit geschätzten 150 Stundenkilometern in die linke obere Ecke. Özil beschwerte sich nicht bei Fritz, weil er gar nicht auf dem Spielfeld stand bei dieser Partie, die Werder Bremen mit 3:1 (0:0) gewann. Özil ist bereits in Madrid, bei seinem neuen Verein Real.

Werder Bremen's Fritz and Borowski celebrate goal against Sampdoria during Champions League playoff first-leg soccer match in Bremen

Clemens Fritz und Tim Borowski feiern Fritz' Treffer zum 1:0.

(Foto: REUTERS)

Wenn im Fußball ein prägender Akteur den Verein verlässt, dann wird bei der nächsten Partie gewöhnlich die Formulierung "Spiel eins nach ..." verwendet, als würde mit dem Abgang dieses Spielers eine neue Zeitrechnung beginnen. Wäre Werder Bremen ein gewöhnlicher Verein, dann wäre die Partie nicht nur "Spiel eins nach Mesut Özil" gewesen, sondern auch ungefähr "Spiel 50 nach Diego" und "Spiel 235 nach Johan Micoud".

Weil die Bremer solche Abgänge jedoch gewohnt sind und in den vergangenen Jahren jeweils kompensieren konnten, war das Spiel am Mittwoch einfach nur das Hinspiel in der Qualifikation zur Champions League gegen Sampdoria Genua.

Zu Beginn des Spiels stand nicht nur Mesut Özil nicht auf dem Feld, sondern auch Marko Marin nicht. Der ist jedoch nicht zu Real Madrid gewechselt, er saß schlicht und ergreifend nur auf der Ersatzbank. "Wer einen wie Marin auf der Bank lassen kann, der kann im Mittelfeld nicht so schlecht besetzt sein", hatte Franz Beckenbauer vor der Partie gesagt und für ein Lächeln auf den Lippen von Klaus Allofs gesorgt.

Die Bremer Akteure starteten munter in diese Partie, sie kombinierten sicher durchs Mittelfeld und hatten durch Hugo Almeida (2./28.), Torsten Frings (12.), Aaron Hunt (19.) und Philipp Bargfrede (43.) auch vorzeigbare Torchancen. Den klug inszenierten Angriffen fehlte jedoch zumeist die Präzision beim letzten Zuspiel am gegnerischen Strafraum oder beim Torschuss. So standen am Ende der ersten Halbzeit zwar elf Torschüsse in der Statistik, aber eben kein Torerfolg.

Die Spieler von Genua zogen sich im ersten Durchgang weit zurück, als wären sie die Akteure eines unterklassigen Vereins in der ersten Runde des DFB-Pokals - nur trugen sie ihre wenigen Konter so vor, als spielten sie bei einem Viertelfinalisten in der Champions League. Pazzinis Kopfball (4.) strich nur knapp am Tor vorbei, ein Treffer von Cassano (13.) wurde zurecht wegen Abseits nicht anerkannt.

Fünf Minuten nach Wiederbeginn fiel jenes Tor von Fritz, das dieses Spiel öffnen sollte. Bremen drückte auf den zweiten Treffer, während Genua nun versuchte, mehr als nur zwei Konter in 45 Minuten auszuspielen und den Ausgleich zu erzielen. Cassano traf nur den Pfosten (53.), Pazzini (60.) stand knapp im Abseits. Das Spiel wurde nun ruppiger, die Akteure beider Mannschaften begingen Fouls, die der Schiedsrichter beim WM-Spiel zwischen Deutschland und Serbien wohl mit lebenslangem Fußballverbot belegt hätte.

Gerade, als zu befürchten war, die Bremer könnten diese Partie aus den Händen geben, erzielten Frings (67.) und Claudio Pizarro (69.) die beiden Treffer, die diese Partie wieder beruhigen sollten und Werder eine ausgezeichnete Position für das Rückspiel in Genua besorgten. Frings verwandelte einen Strafstoß, Pizarro vollendete einen fein herausgespielten Angriff, auf den eigentlich die deutsche Nationalelf das Urheberrecht besitzt. Kurz vor Schluss gelang Genua noch der Anschlusstreffer, bei dem Borowski und Mertesacker nicht gut aussahen und der den bis dahin erfolgreichen Abend doch ein wenig trübte.

Die Bremer besitzen Routine im Neuaufbau, zu den kolportierten 15 Millionen Euro könnten nun beim Erreichen der Champions League weitere Millionen kommen, die Klaus Allofs in Zugänge investieren darf. Er wollte mögliche Zugänge vor der Partie gegen Genua nicht kommentieren, er verwies lediglich auf das Interesse der Bremer am Brasilianer Wesley. "Wir sind seit drei Monaten dran, aber der FC Santos stellt sich noch quer", sagte Allofs. In Internetforen wird bereits die Rückkehr von Diego gefordert, die Verhandlungen zwischen Juventus Turin und dem VfL Wolfsburg sind aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen über die Ablösesumme ins Stocken geraten. Allofs sagte auch dazu nichts, es hatte ihn aber auch keiner danach gefragt.

Die Ergebnisse der anderen Qualifikationsspiele:

Partizan Belgrad - RSC Anderlecht 2:2

FC Basel - Tiraspol 1:0

Sporting Braga - FC Sevilla 1:0

RB Salzburg - Hapoel Tel Aviv 2:3

© sueddeutsche.de/segi
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