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FC Bayern gegen Liverpool:"Das schwerste Los"

Fussball

Jürgen Klopp (l.), noch als BVB-Trainer, mit Arjen Robben, immer noch Münchner.

(Foto: Mark Leech/Witters)
  • Im faszinierendsten Duell des Achtelfinales der Champions League trifft der FC Bayern Jürgen Klopp wieder.
  • Mit dem FC Liverpool ist der ehemalige Dortmunder Trainer als Tabellenerster der Premier League gerade auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Entwicklung angekommen.
  • Bereits vor einem Jahr fügte Klopps Team dem FC Bayern eine empfindliche Niederlage zu.

Von Benedikt Warmbrunn

Die Gemütsverfassung von Carlo Ancelotti lässt sich am besten an der Höhe seiner linken Augenbraue erkennen, ständig ist sie unterwegs, dabei gilt die Regel: Je höher sie in die Stirn hineinwächst, desto ernster ist die Lage; das war auch in den Monaten des Trainers in München nicht anders. Meist zuckte die Augenbraue nur ein bisschen, das Ende kam ja auch für Ancelotti so überraschend und schnell, dass nicht einmal seine Augenbraue hinterherkam. Am ersten Augustabend 2017 jedoch war seine Augenbraue fast bis zum Haaransatz hinaufgewandert.

Der FC Bayern hatte gerade das erste Testspiel vor Ancelottis zweiter Saison in München absolviert, es war ein für diesen stolzen Verein selten bedrückter Abend. 0:3 hatte das Team verloren, der Gegner, sagte Thomas Müller, "hat uns an der Nase herumgeführt". Sven Ulreich sagte: "Da müssen jetzt schnell die Alarmglocken angehen." Ancelotti sagte wie gewohnt nicht viel, er forderte lediglich "mehr Balance". Seine Augenbraue aber verschwand beinahe unter seinem Haarschopf. Er hatte erkannt, dass es jetzt ernst wurde. Der erste Augustabend 2017 war der Abend, an dem Ancelotti geahnt haben dürfte, dass das keine lange Geschichte mehr zwischen ihm und dem FC Bayern werden würde; keine zwei Monate später beurlaubte ihn der Verein. Der Gegner, der den FC Bayern an der Nase herumgeführt hatte, war der FC Liverpool von Jürgen Klopp.

Knapp eineinhalb Jahre später, am 19. Februar 2019, werden die beiden Mannschaften wieder aufeinandertreffen, im Hinspiel im Achtelfinale der Champions League (das Rückspiel in München findet am 13. März statt). Der FC Liverpool ist immer noch der von Jürgen Klopp, der FC Bayern ist inzwischen der von Niko Kovac, und auch für diesen dürfte dieses Achtelfinale aufschlussreich werden. Es wird vielleicht nicht gleich um seine persönliche Zukunft im Verein gehen, aber um das, was für ihn und diese Mannschaft möglich ist, darum wird es schon gehen. "Das ist das schwerste Los, das wir hätten bekommen können", sagte der Trainer am Montag. Für ihn ist Liverpool der "Top-Favorit auf den Champions-League-Titel". Kovac sagte aber auch, schon optimistischer: "Die Chancen stehen 50 zu 50." Und er sagte, inzwischen sehr zuversichtlich: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir weiterkommen."

Das faszinierendste Duell des Achtelfinales

In diesem deutsch-englischen Achtelfinale, in dem noch Dortmund auf Tottenham sowie Schalke auf Manchester City trifft, ist dieses Wiedersehen zwischen Liverpool und dem FC Bayern das faszinierendste Duell. Der Tabellenerste der Premier League, der auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Entwicklung angekommen zu sein scheint, gegen den Dritten der Bundesliga, der mitten in einem Umbruch steckt, der spätestens an jenem ersten Augustabend 2017 nicht mehr ignoriert hätten werden dürfen, an jenem Abend, an dem die schnellen Spektakelstürmer aus Liverpool vorgeführt hatten, wie anfällig der FC Bayern ist, wenn der Gegner mit Geschwindigkeit kommt. Und es ist natürlich das Duell der beiden Trainer.

2012 hatte Klopp mit Dortmund zum zweiten Mal in Serie die deutsche Meisterschaft gewonnen, seitdem ist nie wieder ein Trainer Meister geworden, der nicht Trainer des FC Bayern war. Die Duelle mit Dortmund zu Beginn dieses Jahrzehnts haben die Bayern-Bosse angetrieben, sie haben in ihnen noch einmal einen Pioniergeist geweckt. Auch wegen Klopp haben sie für 40 Millionen Euro Javier Martínez geholt und irgendwann den weltweit begehrten Pep Guardiola. "Es stimmt, dass wir mehr über den deutschen Fußball wissen als über jede andere Liga", sagte Klopp am Montag. Er habe, versicherte er, jedoch nicht gedacht: "Bayern, Gott sei Dank."

Ohne Klopp fehlte dem FC Bayern die nationale Konkurrenz

Als Klopp 2014 die Bundesliga verlassen hat, fehlte den Bayern vorübergehend die nationale Konkurrenz, sie haben es sich dann ein kleines bisschen zu gemütlich eingerichtet. Gerade in den Monaten unter Ancelottis Nachfolger Jupp Heynckes haben sie sich vor möglicherweise unbequemen Lösungen gescheut - unter anderem haben sich die Bayern-Bosse ja nach wie vor nicht so wirklich an den Trainer Klopp herangetraut. Sportdirektor Hasan Salihamidzic bezeichnete das Los als "einen Brocken", er lobte, dass Klopp "ein Top-Trainer" sei. Und nicht nur das, sondern auch: "einer, der lustig ist in Pressekonferenzen". In seinem furiosen Spielansatz, in seiner emotionalen Persönlichkeit ist Klopp jedenfalls ein Gegenmodell zum aktuellen Bayern-Trainer.

Niko Kovac kämpft noch mit dem Vorurteil, eine bequeme Lösung zu sein, erst in den vergangenen Wochen versuchte er sich auch mal in kontroversen Aussagen; unter anderem widersprach er Salihamidzic, der das 3:3 der Bayern im letzten Gruppenspiel bei Ajax Amsterdam kritisiert hatte, ohne dabei lustig zu sein. Für Kovac ist Liverpool also ein ausgezeichneter Gegner, um nachhaltig nachzuweisen, dass er der richtige Mann für diesen schwierigen Umbruch ist. Es ist die ideale Gelegenheit, um zu demonstrieren, dass er das Geschwindigkeitsdefizit ausgleichen kann, dass er aus den jüngsten Krisenwochen im Herbst gelernt hat, dass er sich auch im Aufeinandertreffen mit dem momentan ruhmreichsten deutschen Trainer behaupten kann. Es ist also ein Achtelfinale, in dem Kovac viel gewinnen kann, vor allem an Ansehen im Verein.

Außer natürlich, die Mannschaft wird wieder an der Nase herumgeführt.

© SZ vom 18.12.2018/jki/bix
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