Champions League Gladbach ist am eigenen Limit angekommen

André Schubert bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in Manchester.

(Foto: Getty Images)

Bei Borussia Mönchengladbach findet unter Trainer André Schubert seit einiger Zeit keine fußballerische Entwicklung statt. Bei einer Niederlage am Wochenende könnte seine Position erstmals wackeln.

Von Ulrich Hartmann

Gegen Naturgewalten schützen sich Immobilienbesitzer mit einer Elementarschaden-Versicherung. Für Fußballvereine gibt es nichts Vergleichbares. Borussia Mönchengladbach hätte jetzt eine entsprechende Assekuranz gut gebrauchen können, jedenfalls äußerten sich Klubrepräsentanten nach dem misslungenen Manchester-Ausflug wie Opfer eines zerstörerischen Unwetters: "Es ist jetzt zwei, drei Tage alles gegen uns gelaufen", sagte Trainer André Schubert, als sei nach dem Starkregen am Dienstag auch Manchesters Fußball am Mittwoch wie eine Naturgewalt über sein Team gekommen. "Um uns herum war natürlich auch große Euphorie aufgebrandet", sagte Sportdirektor Max Eberl, als sei der Pegelstand der Erwartungen rund um Gladbach bereits im alarmierenden Bereich.

Die Borussia hat beim 1:3 in Freiburg und beim 0:4 in Manchester soeben die Erfahrung gemacht, dass sie am Limit spielen muss, um national wie international nicht zur Laufkundschaft zu werden. Die individuell hoch veranlagte Mannschaft spielt nicht konstant genug, als dass man ihr momentan eine kontinuierliche Entwicklung attestieren könnte. Der rhetorisch stets bremsende Manager Eberl fühlt sich bestätigt: "Ich will realistisch sein und nicht zu schnell zu viel wollen", sagt er immer wieder über seine eigenen Erwartungen ans Team. Auf die Gemütslage bei der Borussia in dieser Woche passt sein Satz nun ziemlich gut.

Es ist neun Monate her, dass die Borussia bei Manchester City am Limit ihres gegenwärtigen Leistungsvermögens gespielt hat. Im letzten Gruppenspiel der vorigen Champions-League-Saison führte sie bis zehn Minuten vor Schluss 2:1, zuvor hatte Gladbach den FC Bayern 3:1 geschlagen und elf Pflichtspiele in Serie nicht verloren. Binnen zehn Minuten drehte Manchester damals noch das Spiel, siegte 4:2 - und beendete die glorreichen ersten Wochen des Trainers Schubert.

Längst ist der Coach im Alltag angekommen. Von den 26 Pflichtspielen in den neun Monaten seither gewann Gladbach 13 und verlor elf. Als Erfolg feierte man am Saisonende den vierten Platz und jüngst im Playoff gegen Bern die neuerliche Qualifikation zur Champions League. Eine spielerische Entwicklung ist im Kalenderjahr 2016 aber kaum auszumachen.

Gladbachs Torwart Sommer gibt zerknirscht zu: "Das war eine Lehrstunde"

Das 0:4 in Manchester war in diesem Sommer bereits das dritte von sechs Pflichtspielen, in dem die Borussen ihr Potenzial gut verbargen: erst beim mauen 1:0-Pokalsieg gegen Viertligist Drochtersen/Assel, dann beim 1:3 in Freiburg, nun in England. "Das war eine Lehrstunde", konstatierte Torwart Yann Sommer. "Wir haben auf die Nuss bekommen", klagte Eberl nach dem ersten Spiel der Champions League, auf das die Mannschaft ein Jahr sehnsüchtig hingearbeitet hatte.

Mindestens genauso schwer wird in zwei Wochen die zweite Partie - daheim gegen den FC Barcelona, der Celtic Glasgow am Dienstag mit 7:0 Toren gedemütigt hat. Schon spekulieren Branchenanalysten, für die Gladbacher gehe es in dieser Gruppe realistischerweise nur darum, den direkten Vergleich mit Glasgow zu gewinnen, um nach der Winterpause in der Europa League weitermachen zu dürfen. Dies würden die Borussen tatsächlich als Erfolg werten. Sie wertschätzen die Duelle mit Manchester City und Barcelona als emotionale Erlebnisse für Spieler und Fans genauso wie die Erfahrung, schon in der vergangenen Saison allein mit den sechs Gruppenspielen in der Champions League knapp 30 Millionen Euro verdient zu haben.

Dies sind bedeutsame Einnahmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, aber just dazu würde jener "einstellige Tabellenplatz" nicht genügen, den der Sportchef Eberl für diese Bundesliga-Saison wieder als Minimalziel ausgegeben hat. Relevante Einnahmen zum dauerhaften Verbleib im oberen Bundesliga-Drittel sind nur in der Champions League sowie aus Fernseherlösen mit oberen Liga-Platzierungen möglich.

"Die kommenden Jahre werden unter dem Aspekt der TV-Geld-Verteilung sehr wichtig", weiß Eberl. Zwecks Kapitalstärkung hat Gladbach zwar bereits mit der Qualifikation zur Champions League für diese Saison seine Ziele erreicht, man muss aber in der Bundesliga aufpassen, nicht ins Mittelfeld abzurutschen. Vor diesem Hintergrund hat das Spiel am Samstagabend gegen Werder Bremen große Bedeutung. Ein am Niederrhein als Pflicht erachteter Erfolg würde die Mannschaft zurück ins obere Tabellendrittel befördern - ein Ausrutscher gegen das Schlusslicht hingegen brächte Trainer Schubert vier Tage vor seinem ersten Jahrestag als Gladbach-Trainer - mit dann drei Niederlagen in Serie - erstmals in eine größere Bredouille.

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24 Stunden später als geplant tritt Gladbach bei Manchester City an - und hechelt beim 0:4 ständig hinterher.