Champions League:Real lockt der arabische Markt

Das spricht dafür, dass sie in Madrid einige Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit gut verinnerlicht haben. Zum Beispiel: dass die Bayern im Viertelfinale des vergangenen Jahres das identische Hinspielresultat nach 90 Minuten egalisiert hatten und dabei bewiesen, zu den wenigen Mannschaften Europas zu zählen, die im Bernabéu keine Angst verspüren. Oder auch, dass sie schon zwei Mal in dieser Saison Resultate hinnehmen mussten, die den FC Bayern am Dienstag weiterbringen würden: in der Liga gegen den FC Barcelona (0:3) und im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinales gegen Juventus Turin (1:3). Noch schlimmer war es im Pokal: Drittligist Fuenlabrada und Zweitligist Numancia kamen im Bernabéu zu überraschenden Remis (je 2:2), ehe der derzeitige Tabellenfünfzehnte der Liga, CD Leganés, Real durch einen 2:1-Viertelfinal-Rückspielsieg im Bernabéu aus dem Pokal warf. Insgesamt hat Real im Bernabéu 32 Saison-gegentore in 25 Pflichtspielen hinnehmen müssen: 19 in der Liga, sieben in der Königsklasse, sechs im Pokal.

Angesichts solcher Zahlen kommt ungelegen, dass Rechtsverteidiger Dani Carvajal im Rückspiel ausfallen wird; er erlitt in München eine Muskelverletzung im Oberschenkel. Andererseits machte es der eigentlich offensiv ausgerichtete, quirlige Lucas Vázquez ganz gut, als er für Carvajal nach hinten rücken musste. Lucas, der in der Startelf stand, zählt zu den Spielern, die einem gewissen Gareth Bale den Rang abgelaufen haben. Dass der Waliser, einst 100-Millionen-Einkauf aus Tottenham, nicht in der Startelf stand, war erwartet worden; dass er aber nicht mal mehr eingewechselt wurde, bedeutet wohl, dass seine Zeit bei Real Madrid zu Ende geht.

Das dürfte Bewegung in den Transfermarkt bringen. Real schielt schon länger auf den Brasilianer Neymar von Paris Saint-Germain, zudem ist der Ägypter Mo Salah vom FC Liverpool spätestens seit seiner Halbfinalgala gegen AS Rom (5:2) en vogue. Sollte Real das Champions-League-Finale erreichen und dort auf Liverpool treffen, dürften die Spekulationen erst recht sprießen, Transfergerüchte können eine destabilisierende Wirkung auf Gegner haben.

Zudem ist Real Madrid der arabische Markt wichtig. Um die Nachfrage nach weißen Leibchen im Orient zu erhöhen, tilgte Real Anfang 2017 sogar das Kreuz aus dem Wappen jener Madrid-Trikots, die in muslimischen Ländern vertrieben werden. Wenn das der Söder wüsste ...

© SZ vom 27.04.2018/ska
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