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Champions League:Ein finaler Streich des Schicksals

Drei Minuten fehlen Atalanta Bergamo für das Halbfinale in der Champions League: Das Team fällt nach und nach in sich zusammen. Die italienische Presse feiert den Klub dennoch.

Von Oliver Meiler, Rom

"Così nooo!", titelt die Gazzetta dello Sport, mit drei O's, etwa so, wie es auch Millionen Italienern daheim vor dem Fernseher entfahren sein muss. So nicht. Doch nicht so. Gegangen wäre auch: Ach!

Atalanta Bergamo hatte Italien mit sich nach Lissabon getragen. "Es fühlte sich so an, als wären wir die italienische Nationalmannschaft", sagte Trainer Gian Piero Gasperini vor dem Spiel gegen PSG, so herzerwärmend kollektiv war die Euphorie für die "Dea", die Göttin Atalanta. Es wurde so viel mehr gespielt als ein Viertelfinale der Champions League, das an sich schon alles überstrahlte, was dieser Provinzverein jemals erlebt hatte. Da war auch die Geschichte in der Geschichte, die Geschichte von Bergamo und Corona. Nicht dass jemand gedacht hätte, ein Sieg gegen Paris würde die Bilder und die Trauer wegwischen. Aber eine kleine Freude nach all dem Leid?

In den letzten zwanzig Minuten, als Atalanta zusehends in sich zusammenfiel, übermannt von Müdigkeit und Abnutzung, schob Fabio Caressa, der Starreporter von Sky Italia, jedem gelungenen Tackle gegen Neymar und Mbappé einen lauten Jubel nach: "De Roooooon!" - "Freulerrrr!" Einmal rief er ihnen zu: "Widerstand! Leiden!" Und wer weiß, vielleicht hörten sie ihn, man hört ja alles in diesen leeren Stadien, sie sind wie Echobüchsen.

Es fehlten drei Minuten, nur drei Minuten. Und Caressa schloss mit den Worten: "Non importa, non importa." Macht nichts, macht nichts. Es war eine Trostnote.

Womöglich war Atalanta doch ein bisschen benachteiligt: In der Serie A wurde die Saison trotz Corona fertig gespielt, bis in den August hinein, während die Ligue 1 vor fünf Monaten schon geschlossen hat. Josip Ilicic, der slowenische Torjäger des Vereins, einer seiner besten Männer, hat so sehr am Trauma Bergamos gelitten, dass er nach dem Lockdown nicht mehr Fussball spielen mochte. Er fehlte, auf diesem Niveau sowieso. Ab Mitte zweiter Halbzeit war keine Energie mehr drin in den Bergamasken, nur noch staunenswerter, aber verzweifelter Kampfeswillen, samt Grätschen.

Der Regisseur verletzt sich

Duván Zapata, der kolumbianische Stürmer, sonst eine Naturgewalt, war stehend K.o.: Er hatte davor so vielen Bällen nachgehetzt, meistens nutzlos. Alejandro "Papu" Gomez, der Regisseur und Kapitän der Bergamasken, verletzte sich in der entscheidenden Phase, und so fehlte der einzige Mann, der technisch gut genug ist, den Ball mal zehn, zwanzig Sekunden lang zu halten. Am Ende verletzte sich auch noch der Schweizer Mittelfeldspieler Remo Freuler, einer dieser einst Namenlosen, die den Verein zur Adresse gemacht haben. Da war das Kontingent der Auswechslungen aber schon ausgeschöpft, und Atalanta war nur noch zu zehnt.

Drei Minuten fehlten. In Italien heisst es jetzt, Atalanta sei Opfer einer finalen "beffa" geworden, eines Streichs des Schicksals. Aber wahrscheinlich wäre es fairer, wenn PSG jetzt auch gewisse eigene Meriten zugesprochen würden.

"Großes Atalanta", schreibt "La Repubblica", "aber das Paradies entschwindet in der 93. Minute." Der Verein habe der Welt dennoch gezeigt, was möglich sei, wenn man ein Projekt mit Geduld vorantreibt. Atalanta spiele für seine Leute, sein Volk, für Bergamo, schreibt "Repubblica", dort schätze man die Werte, für die der Klub stehe. "Und diese Niederlage nimmt kein Gramm davon weg." Gasperini sagte: "Wir waren so nahe dran am Traum, es fehlte so wenig."

Die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" fasste alles in eine Schlagzeile: "Peccato." Schade.

© SZ.de/ska
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