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Arturo Vidal in Barcelona:Vidal kratzte an der Ehre des Trainers

Wobei Freizeitvergehen keine Rolle spielen. Für größere Verwunderung sorgte, dass er Barça wegen angeblich ausstehender Prämienzahlungen verklagte. Oder dass er mit einem Abschied kokettiert, wenn er zu oft auf der Bank sitzt. Zuletzt wartete er überdies mit Äußerungen auf, die angetan waren, an der Ehre seines direkten Vorgesetzten Quique Setién zu kratzen. Und das zu einem Zeitpunkt, da eine Ablösung Setiéns wahrscheinlich war.

Am Ende der Saison werde man sorgsam über die Zukunft Barcelonas entscheiden, insbesondere "ob der gleiche Trainer weitermacht" (und welche Spieler bleiben), sagte Vidal in einem Interview in Kolumbien. Wörtlich fügte er hinzu, dass das Team bisher mit Setién "wenig gearbeitet" habe - wobei er das wohl wirklich darauf bezog, dass Setién erst seit der Ablösung von Vorgänger Ernesto Valverde im Januar im Amt ist und noch keine Zeit hatte, seine Ideen umzusetzen. Der Versuch, die Äußerungen zu glätten, las sich, als habe er noch nie ein Bügeleisen in der Hand gehabt. Wenn Barça die Champions League nicht gewinne, "werden die Verantwortlichen Entscheidungen treffen müssen." Aber wenn Setién weitermache: "Auch gut!", sagte Vidal, der bislang 95 Spiele für Barça ausgetragen hat.

Sollte er am Freitag gegen die Bayern seinen 96. Einsatz feiern, so dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass er sich aufopfern wird wie kein Zweiter. Als Blaupause darf das 0:4-Desaster beim FC Liverpool aus der vergangenen Saison gelten, Vidal war damals der einzige, der sich gegen den Schiffbruch nach dem 3:0-Hinspielsieg auflehnte. Und überhaupt: Die Champions-League-Trophäe fehlt noch in seiner Sammlung, die unter anderem drei deutsche und vier italienische Meistertitel sowie zwei Copa-América-Pokale schmücken. Das nagt an ihm, erst recht seit Berlin 2015, als er mit Juventus das Königsklassen-Finale 1:3 verlor - gegen Barcelona. Er kämpft mit allen Mitteln darum, und was immer er sich nach Feierabend leisten mag - er stählt seinen Körper wie ein Besessener, mithilfe eines Privattrainers.

Einen Flecken Haut auf seinem mit Tätowierungen bedeckten Körper hat er freigelassen, für den Henkelpott, den er sich unbedingt noch stechen lassen will. Lieber heute als morgen.

© SZ vom 12.08.2020/ska
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