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Champions League: Achtelfinale:Mit Rückenwind ins Viertelfinale

Der FC Bayern verliert mit wackliger Abwehr 2:3 in Florenz und zieht nach Toren von van Bommel und Robben dennoch in die nächste Runde der Champions League ein.

Möglich war es immer noch in diesen letzten Minuten, dass der FC Bayern den entscheidenden Treffer kassieren würde, zum einen, weil in diesem Spiel schon so viel passiert war, und zum anderen, weil Abwehrchef Daniel van Buyten einen schwachen Tag erwischt hatte. Doch aus der Möglichkeit wurde nicht die Wirklichkeit: 3:2 (1:0) gewann zwar der AC Florenz am Mittwochabend gegen den FC Bayern, der sich jedoch nach seinem 2:1-Sieg im Hinspiel aufgrund der mehr erzielten Auswärtstore in der Addition durchsetzte und ein wenig glücklich ins Viertelfinale der Champions League einzog.

"Wir haben eine Mannschaft mit Moral und Charakter, die immer zurückschlagen kann", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger, "mit dieser Niederlage kann man leben. Wir sind unter den besten Acht, das ist ein großer Erfolg." Mark van Bommel ergänzte: "Es gab einige brenzlige Situation, aber wir sind verdient weiter."

Dass jedoch das Glück in diesem Spiel eine Rolle spielen würde, ahnten beide Mannschaften bereits, als sie den Platz betraten: Ein starker Wind pfiff durchs Stadion Artemio Franchi, der den Ball bisweilen mit sich trug, weit und weiter, wohin es ihm gerade gefiel. Hohe Zuspiele waren kaum zu kontrollieren, die Bälle flogen zu weit und zu kurz und eben nur manchmal genau dorthin, wo sie landen sollten. "Da blieb der Ball einfach in der Luft stehen", sagte Bastian Schweinsteiger. Da zudem den ganzen Tag über ein Schneeregen auf die Toskana fiel, war der Platz feucht, was auch die Kontrolle der Flachpässe erschwerte. Die Frage war also, welche Mannschaft besser mit diesen Bedingungen zurecht kommen würde, und die Frage war zudem, ob Wind und Wetter Einfluss nehmen würden auf den Spielverlauf.

Vom Winde verweht

Zu Beginn versuchten beide Teams, ihr Spiel zu justieren und dem Wind anzupassen. Trotz der Bedingungen operierten sie mit hoch geschlagenen Bällen, was erwartungsgemäß nicht zum Erfolg führte. Auf Seiten der Fiorentina versuchte es Juan Vargas mit einigen Fernschüssen und Flanken, ohne dass daraus zunächst nennenswerte Gefahr für das Tor der Bayern erwuchs. Die Münchner brauchten etwas länger, um ins Spiel zu kommen, nach etwas über 20 Minuten schienen sie sich allerdings zunehmend wohler zu fühlen in Florenz. Auf den linken Abwehrseite gab der 17 Jahre alte David Alaba sein Debüt in der Champions League, und er machte das so abgeklärt, als wäre er schon seit Jahren dabei. Es lief gut für die Bayern.

Dann aber schoss in der 28. Minute Riccardo Montolivo aus rund 30 Metern aufs Tor, der Wind beschleunigte die Kugel, Torwart Jörg Butt konnte den Ball nicht festhalten, und Vargas jagte den Ball aus fünf Metern von der linken Seite zum 1:0 ins Netz. Verteidiger Daniel van Buyten agierte in dieser Szene zu langsam und zu ungelenk, der Fehler lag also nicht bei Butt allein. Nun hatte sich alles geändert: Mit diesem Ergebnis wäre Florenz weiter, die Bayern mussten kommen.

Zunächst aber kam Florenz; die Elf startete schwungvoll in die zweite Halbzeit, und in der 54. Minute passierte es: Alberto Gilardino legte im Strafraum genialisch auf Stevan Jovetic ab, und der erzielte aus rund acht Metern das 2:0. Die Bayern sahen nicht gut aus in dieser Phase, sie wirkten planlos im Angriff und verunsichert in der Abwehr. Es sah so aus, als würden sie wieder einmal früh scheitern auf der ganz großen Bühne. Doch dann, ganz plötzlich, schien es, als habe der Rückenwind der Mannschaft neue Frische in Körper und Geist geweht.

Nun zeichnete sie Kombinationen auf den Rasen, die einen Spielplan erkennen ließen, nun wirkte sie selbstbewusst. "Mit dem Rückenwind in der zweiten Halbzeit haben wir uns leichter getan", sagte Philipp Lahm. So erschien es nur folgerichtig, dass Mark van Bommel nach Zuspiel von Franck Ribéry mit einem Flachschuss aus knapp 20 Metern das 1:2 erzielte (60. Minute); anschließend jubelte die Mannschaft entschlossen. Die Spieler zeigten Gesten, die besagen sollten: Jetzt packen wir das hier. Und die Partie wurde nun nicht nur spannend, sondern auch turbulent.

Van Buytens Fehler

Die Freude der Bayern währte nur kurz, denn van Buyten hatte einen weiteren schlechten Moment: Gegen Jovetic verteidigte er erneut langsam und ungelenk, er wirkte wie ein überforderter Zweitligaprofi im Duell mit einem Könner, und Jovetic nahm das dankbar zur Kenntnis, schüttelte den Belgier ab und schoss Torwart Butt zum 3:1 durch die Beine (64. Minute). Mitten in die Drangphase der Bayern hinein war dieser Treffer gefallen, und wie reagierten die Münchner? Sie drängten weiter.

Arjen Robben wirbelte über die rechte Seite, kaum eine Minute war seit dem Treffer der Fiorentina vergangen, Robben fand kein Anspiel, also zog er nach innen, er schaute, er prüfte, und dann jagte er die Kugel mit dem linken Fuß aus rund 25 Metern in den linken Torwinkel (65. Minute). Es war ein Traumtor zum bestmöglichen Zeitpunkt, es war der Treffer, der allein die Verpflichtung Arjen Robbens rechtfertigte - denn es war der Treffer, der die Bayern ins Viertelfinale der Champions League brachte.

Zwar wackelte die Münchner Innenverteidigung um van Buyten noch einige Male bedenklich, doch sie hielt. Ob sie auch stark genug für das Niveau im Viertelfinale ist, darüber wird sich Trainer Louis van Gaal Gedanken machen, wenn die erste Freude verklungen ist. "Wir haben zu viele individuelle Fehler in der Verteidigung gemacht", sagte van Gaal in einer ersten Analyse, "wir haben gesehen, was fehlte, und das müssen wir verbessern." Was ihm gefallen hat? "Wir haben auch gesehen, dass wir sehr dominant spielen können", sagte van Gaal zufrieden und machte sich auf den Weg zum Bankett.

© SZ vom 10.03.2010/jbe

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