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Champions League: AC Mailand:Die Legende des Superpippo

Filippo Inzaghi kam, foulte wie ein Rüpel, schaute wie ein Lamm und schoss zwei Tore wie ein Inzaghi. Der 37-jährige Stürmer brachte beim 2:2 gegen Real die Luft in Mailand zum vibrieren.

Filippo Inzaghi rannte auf den Platz. Ein Symbol des Niedergangs des italienischen Fußballs, 37 Jahre alt, ein Mythos mit tiefen Falten im Gesicht. Ausgerechnet er sollte es mit diesem Real Madrid aufnehmen, dem jungen, rasanten, filigranen, superstarken Real Madrid, das bis zu dieser 60. Minute die Altmeister vom AC Mailand im eigenen Stadion San Siro an die Wand gespielt hatte. Filippo Inzaghi als letzter Pfeil im Köcher von Milan? Lächerlich.

37 Jahre alt und immer noch Mister Superpippo: Filippo Inzaghi nach seinem ersten Tor gegen Real Madrid.

(Foto: AP)

Eine Stunde später sangen die Milan-Fans auf dem Nachhauseweg Jubelarien auf ihren "Superpippo". Grande Inzaghi!, heißt es heute in Mailand. Filippo Inzaghi, dieses schmächtige Bürschchen, wurde wieder einmal zum bösen Geist der gegnerischen Abwehrreihe, des gegnerischen Torwarts. Er hat in Windeseile zwei Tore geschossen und damit im Alleingang ein knirschendes Milan fast zum Sieg verholfen. Erst in der letzten Sekunde der Nachspielzeit konnte das famose Real Madrid die erste Pflichtspiel-Niederlage unter dem Trainer José Mourinho verhindern, der eingewechselte Pedro Leon erzielte gerade noch das 2:2.

"Ich widme diesen Doppelpack den italienischen Spielern, die so häufig brüskiert werden. Und den Kommentatoren, die mich vergessen haben", sagte Inzaghi. Fast Theaterreif waren die Sätze des Stürmers nach seiner wundersamen Wiederauferstehung auf dem Niveau der Champions League. Theaterreif war wie immer auch sein Auftritt auf dem Rasen gewesen.

Er war also nach 60 Minuten beim Stand von 0:1 auf den Platz gerannt, die Arme fuchtelten dabei leicht grotesk in der Luft herum. Er hatte offensichtlich eine Riesenwut im Bauch, eine Riesenwut auf dieses übermächtige Real, das eine Stunde lang seine Mitspieler vorgeführt, den AC Mailand und den italienischen Fußball verspottet hatte. Das allerdings trotz vollkommener Überlegenheit und vieler Chancen nur 1:0 führte durch ein Tor von Gonzalo Higuaín (45.).

Inzaghi rannte hinüber zu Xabi Alonso und wollte sich den Ball holen, er sprintete weiter zu Marcelo, doch der düpierte ihn mit einem Hackentrick. Inzaghi lief weiter, Madrid hatte den Ball längst in Sicherheit auf die andere Platzseite gepasst, da krachte Inzaghi gegen Xabi Alonso. Von hinten, rüpelhaft, fies. Xabi Alonso fiel um wie ein gefällter Baum.

Doch Inzaghi kann nicht nur rüpelhaft foulen, sondern danach das schönste Unschuldslamm des Fußballs mimen. Schiedsrichter Howard Webb stand nämlich direkt daneben. Inzaghis Mundwinkel zogen sich auf Brusthöhe hinab, die Augen vergrößerten sich zu Baby-Kuller-Glubsch-Bällen, er breitete seine Hände aus und jeder Mensch auf der Welt verstand: Kann ich den Muskelmann Xabi Alonso umrennen? Ich, der schmächtige, unschuldige Pippo aus Piacenza? Auch Howard Webb verstand. Statt die rote Karte zu zücken, ermahnte er den Pippo aus Piacenza nur.

Champions League: 4. Spieltag

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