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Bayern-Sieg gegen Lok Moskau:Zwei Tore und offene Wünsche

Champions League - Group A - Bayern Munich v Lokomotiv Moscow

Alphonso Davies (2.v.l.): Auffällig aktiv gegen Moskau

(Foto: REUTERS)

Der FC Bayern schlägt im bedeutungsarmen letzten Gruppenspiel Lokomotive Moskau mit 2:0. Alphonso Davies kehrt zurück, Manuel Neuer ruft Arriba.

Aus dem Stadion von Sebastian Fischer

Hansi Flick ist ein paar Mal aufgestanden an diesem Abend und hat in die Hände geklatscht, bevor er sie wieder in den Taschen seines Mantels vergrub. Es war sehr kalt in München, da konnte das nicht schaden. Aber der Trainer des FC Bayern hatte meistens auch etwas zu sagen, eine so eindeutige wie einfache Botschaft. "Kommt, weiter", rief er seinen Spielern zu. Oder: "Come on". Aufhören, das war schließlich keine Option.

2:0 (0:0) haben die Münchner am Mittwoch in der Champions League gegen den Gruppenletzten Lokomotive Moskau gewonnen, es war der fünfte Sieg im sechsten Gruppenspiel und am Ende mal wieder ein sehr souveräner Erfolg. Niklas Süle traf in der 63. Minute mit einem Kopfball, Eric Maxim Choupo-Moting erhöhte in der 80. Minute. Und Flick klatschte seine Spieler dann doch sehr zufrieden ab.

Es ging nicht mehr um wichtige Punkte für die Bayern, der Einzug ins Achtelfinale und Platz eins standen schon lange fest. Neben nicht ganz unerheblichen 2,7 Millionen Euro Siegprämie von der Uefa ging es daher für Flick darum, dieses Spiel gegen den Gruppenletzten schadlos über die Bühne zu bringen, das heißt für den FC Bayern natürlich zu gewinnen. Außerdem ging es darum, dabei ein paar Stammspieler zu schonen und bestenfalls die Form der Ersatzkandidaten zu sichten.

Derjenige, auf den Flick dabei wohl besonders schaute, dem auch das "Come on" galt, war Linksverteidiger Alphonso Davies. Der Kanadier stand nicht nur erstmals wieder im Kader, seit er sich Ende Oktober ein Band am Sprunggelenk gerissen und ein weiteres angerissen hatte, er spielte gleich von Beginn an. Und der 20-Jährige fiel in der ersten Halbzeit durchaus auf - mit an diesem Abend überdurchschnittlicher Aktivität. 13 Minuten waren gespielt, da holte er den Moskauer Dmitri Rybchinsky bei einem Konter mit ein paar Schritten ein, was als Beweis dafür gelten konnte, dass Davies in den vergangenen eineinhalb Monaten eher wenig von seiner Schnelligkeit eingebüßt zu haben scheint.

Es sagte aber natürlich noch mehr über das Spiel als über Davies aus, dass ein simpler Sprint nach hinten tatsächlich zu den erwähnenswerten Ereignissen der ersten Halbzeit zählte. Die Münchner hatten sehr oft den Ball, sie spielten ihn aber auch sehr oft vor dem gegnerischen Strafraum quer, ohne sich dem Tor anzunähern. Oft ging es über Davies' linke Seite nach vorn, doch seine Flanken und Pässe kamen selten an. Die besten Chancen hatten beide Mannschaften nach 39 Minuten: Leon Goretzka blockte zunächst einen Schuss von Francois Kamano im eigenen Strafraum, führte den Ball dann beim Konter in die gegnerische Hälfte und der Angriff endete bei Thomas Müller, der aus dem Strafraum freistehend ans Außennetz schoss.

Müller, immerhin, hörte man oft brüllen, wie es sich für ein Spiel unter Beteiligung des FC Bayern in dieser Saison gehört. Er schrie vor Frust nach ein paar misslungenen Aktionen, was dafür sprach, dass den Münchnern das Spiel nicht egal war. In der zweiten Halbzeit bekam dann aber auch Müller eine Pause, so wie David Alaba und der leicht angeschlagene Stürmer Robert Lewandowski, die gar nicht erst im Kader waren. Das Reden übernahm dann Torwart Manuel Neuer, meistens rief er: "Weiter." Einmal rief er, wenn man ihn richtig verstand: "Arriba!" Aber er hatte auch mehr Grund, sich zu freuen.

In der zweiten Hälfte spielten die Münchner gegen einen durchweg harmlosen Gegner besser, auch weil der für Müller eingewechselte Serge Gnabry Schwung brachte. Die Ersatzspieler allerdings, die gerade wohl am meisten auf sich aufmerksam machen sollten, stachen nicht besonders hervor. Von den Flügelspielern Leroy Sané und Douglas Costa hat Flick zuletzt ja recht unmissverständlich einen Formanstieg eingefordert. Nach dem 3:3 gegen RB Leipzig am vergangenen Wochenende hatte der Trainer gesagt, dass auf dieser Position nur Kingsley Coman, am Mittwoch auf der Bank, das Niveau erreiche, "das wir uns von allen wünschen".

Costa bereitete dann das Tor von Süle mit einem Eckball vor. Sané jedoch blieb bei allem Bemühen in seinen Aktionen am und im gegnerischen Strafraum eher unproduktiv. Choupo-Moting dagegen, der Lewandowski-Ersatz, nutzte seine Chance in der 80. Minute nach Vorlage von Gnabry, er traf aus spitzem Winkel. Sané ging nach 85 Minuten vom Platz und sah nicht besonders zufrieden aus. Flick gab ihm einen Klapps auf den Hinterkopf. Bei der Auswechslung von Davies nach 69 Minuten, da hatte der Trainer breit gelächelt und den Kanadier umarmt.

© SZ/bek
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